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90 Jahre Ronhof

Er ist noch da. Neun Jahrzehnte alt und so prächtig wie nie zuvor. Dabei konnte man noch vor einigen Jahren nicht einmal sicher sein, dass er dieses Jubiläum überhaupt würde erleben können. Doch der Ronhof feiert neunzigsten Geburtstag und hat sich dafür neue Kleider angelegt: Das schmucke, fast fertiggestellte Playmobil-Stadion mit den bunten Flutlichtmasten ist eines der neuen Wahrzeichen der Kleeblattstadt, ganz so, wie es der Sportpark für sehr lange Zeit einmal gewesen ist. Eines der frühesten Bilddokumente: 1905 am Schießanger
Eines der frühesten Bilddokumente: 1905 am Schießanger
Dass gerade im Jahr des hundertjährigen Jubiläums des DFB das Interesse an der Entwicklung des Fußballs in Deutschland sprunghaft gewachsen ist, zeigt, wie sehr dieser Sport seit seinem ungemein schnellen Aufstieg nach der Jahrhundertwende zu einem zuvor nie gekannten Massenphänomen ein nicht unwesentliches Kapitel deutscher Geschichte geschrieben hat.
Genauso ist die Geschichte der SpVgg und ihres Sportplatzes ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte Fürths, und schon deshalb ist es der neunzigste Geburtstag des Ronhofs wert, mehr als eine Randnotiz darzustellen.
Schon deshalb, weil sich erstaunlich viele Ereignisse aus seinem langen Leben wiederholt haben, weil die Probleme und Aufgaben des Vereins vor neunzig Jahren nicht viel anders gewesen zu sein scheinen als heute, da man sich wieder als fester Bestandteil des deutschen Fußball-Establishments sehen darf.
Der Platz an der Vacher Straße im Jahr 1909
Der Platz an der Vacher Straße im Jahr 1909
Dass die Spielstätte der SpVgg schon gleich zu Beginn ihrer Existenz für Aufsehen sorgte, lag an mehreren Faktoren. Zum einen hatte sich die SpVgg nach ihrer Gründung 1903 und vor allem nach der Ablösung vom TV 1860 im Jahr 1906 sprunghaft entwickelt, was sich auch in den Leistungen der Ersten Mannschaft niederschlug, die schon 1910 in die Endrunde der süddeutschen Meisterschaft eingezogen war.
Zum anderen war der Sportpark Ronhof bei seiner Eröffnung am 11. September 1910 der größte Sportplatz des Deutschen Reiches. Dass die SpVgg überhaupt nach Ronhof kam, das damals noch gar nicht zu Fürth gehörte, hing damit zusammen, dass man sich im Mutterverein TV 1860 mit den Fußballern nicht so recht anfreunden konnte. Der stark expandierende Sport mit dem runden Leder war den Turnern suspekt, und letztlich war es die Sportplatzfrage, die zum Austritt der SpVgg aus dem TV 1860 führte.
Denn die Fußballer hatten sich in Ermangelung eines geeigneten Geländes zunächst am „Städtischen Jugendspielplatz" am Schießanger getroffen. Von einem Fußballplatz im eigentlichen Sinne konnte damals allerdings nicht die Rede sein.
Begehrt: Weit über 15.000 Mark brachte die Ausgabe der Anteilscheine im Jahr 1910
Begehrt: Weit über 15.000 Mark brachte die Ausgabe der Anteilscheine im Jahr 1910
Die „Malstangen" zur Spielfeldbegrenzung und für die Tore mussten vom Vereinslokal „Balzer" in der Gustavstraße zum Schießanger getragen werden. Im April 1906 schließlich untersagte der Magistrat das Fußballspiel am Schießanger. Vorstand und Privatier Andreas Zolles überließ daraufhin dem Verein seinen Acker hinter den Kasernen an der Flößaustraße.
Ein Provisorium, dies war den Verantwortlichen klar. Schließlich fand man mit dem Platz an der Vacher Straße ein geeignetes Gelände, das man für 370 Mark im Jahr pachten konnte.
Die Finanzierung des Vorhabens mit der notwendigen Umzäunung und der Errichtung einer kleinen Tribüne war schließlich der Grund, warum die SpVgg dem TV 1860 den Rücken kehrte.
Um die Pacht und die etwa 1000 Mark sonstigen Kosten bezahlen zu können, wollte die SpVgg ihre Satzung ändern, Eintrittsgelder für ihre Spiele verlangen und auch Personen unter 17 Jahren aufnehmen, was der TV nicht gestattete, wenn sie nicht auch bei ihm Mitglieder würden. Der Streit entzündete sich vor allem an diesen Fragen, und als das Gelände an der Vacher Straße schon fertig war, fasste die Hauptversammlung am 21. September 1906 den Beschluss, aus dem TV auszutreten.
Die Einnahmen aus dem Eintritt der Spiele und den Mitgliedsbeiträgen flössen nun komplett in die Kasse der SpVgg. Und auf dem neuen Platz konnte man endlich auswärtige Gegner von Rang empfangen. Doch die Mitgliederzahlen stiegen an, und der eine Platz an der Vacher Straße bot bei weitem nicht genug Raum für alle Mannschaften. 1909 hatte die SpVgg immerhin bereits 343 Mitglieder und zehn Teams.
Die steigende Anzahl der „Wettspiele" führte schließlich zur Suche nach einem neuen Vereinsgelände. Im Februar mit dem Platz an der Vacher Straße 1910 beschloss die Hauptversammlung mit 100:1 Stimmen den Ankauf des Geländes, das noch heute den Namen Sportpark Ronhof trägt. 32 000 Mark mussten alleine für den Grundstückskauf aufgebracht werden, 24 000 Mark für zwei Fußballplätze, die Laufbahn, Tennisplätze, das Klubhaus und natürlich die Tribüne mit den Kabinen. Die SpVgg hatte aus eigener Kraft die größte Sportstätte des Deutschen Reiches.
In punkto Finanzierung des neuen Geländes waren die Verantwortlichen erfinderisch. Sie gaben Schuldscheine im Wert von fünf Mark aus. Die Fürther schienen jedenfalls einiges Vertrauen zu haben in ihren jungen Fußballverein.
In kurzer Zeit kamen immerhin 15 000 Mark zusammen. Zum Vergleich: Ein Fußball kostete damals in guter Ausführung etwa zehn Mark.
Tryptychon: Wie ein Tafelbild zeigt die alte Postkarte den 2:1-Sieg der SpVgg über die Bayern im Jahr 1911
Tryptychon: Wie ein Tafelbild zeigt die alte Postkarte den 2:1-Sieg der SpVgg über die Bayern im Jahr 1911
Einweihung des neuen Geländes war am 11. September 1910. Als Gegner hatte man sich den amtierenden Meister, den Karlsruher FV, geholt. Etwa 8000 Besucher sahen für Preise zwischen 40 Pfennig (II. Platz) und 1,20 Mark (Tribünen-Sitzplatz), wie die SpVgg den Karlsruhern ein 2:2 abrang. Noch ein Grund mehr, abends beim Festkommers im Geismannsaal zu feiern. Und schon kurz darauf deutete sich an, dass der Ronhof nun zur Basis der Erfolge der nächsten beiden Jahrzehnte werden sollte. Endlich gelang nämlich, im ersten Aufeinandertreffen auf dem neuen Platz, mit einem 2:1 der erste Sieg der SpVgg gegen den Nachbarn, den 1. FC Nürnberg.
Bereits nach wenigen Monaten zeigte sich die Tribüne schon wieder zu klein für die immer stärker strömenden Zuschauermassen, denn im Spieljahr 1911/12 schlug di SpVgg im Ronhof den amtierenden Ostkreismeister Bayern München 2:1 und wurde am Ende der Saison erstmals I selbst Meister dieser Liga, die in etwa das Gebiet Bayerns umfasste.
So musste 1913 erneut vergrößert werden. Das nun 52 Meter lange Bauwerk bot Platz für 500 Sitz- und 300 Stehplätze. Auf den aufgeschütteten Steh-Rängen gab vierfach ansteigende Bankreihe. Im gleichen Jahr wurde im A-Platz auch eine Entwässerungsanlage angelegt.
Halbfinale: Auf dem Weg zum Titel schlug die SpVgg 1914 den Berliner BC im Ronhof 4:3
Halbfinale: Auf dem Weg zum Titel schlug die SpVgg 1914 den Berliner BC im Ronhof 4:3
Nachdem 1914 im sagenhaften Magdeburger Endspiel gegen den VfB Leipzig durch das 3:2 von Karl Franz in der 154. Minute die SpVgg den ersten Meistertitel errungen hatte, wurde die Entwicklung des damals größten deutschen Sportvereins durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen. Mehrere Spieler der Meisterelf fielen, und so musste ein neues Team aufgebaut werden. Weiter ausgebaut wurde im Jahr 1920 der Sportpark. 29 Tagwerk wurden für einen Kaufpreis von 165 000 Mark gekauft, 58 200 Mark mussten für den Bretterzaun ausgegeben werden, der bis in die frühen 60er Jahre hinein das Gelände umgeben sollte.
Stolz präsentiert sich die Führungsriege vor dem 1924 eingeweihten Kriegerdenkmal.
Stolz präsentiert sich die Führungsriege vor dem 1924 eingeweihten Kriegerdenkmal.
Ob der Holzzaun, der die Grundstücke hinter dem B- Platz-Tor abgrenzt, noch zum Original aus dem Jahr 1920 gehört? Jedenfalls wurden, um dem weiter gestiegenen Zuschauerinteresse Rechnung zu tragen, Erdwälle aufgeschüttet. Dem Verein sparte der Hilfseinsatz von immerhin 287 Mitgliedern die stattliche Summe von 68 000 Mark.
Kurios und längst vergessen: Ein Jahr darauf, 1921, erhöhte man die Kurven der Aschenbahn: Der „Rennverein Triumph" hatte sich der SpVgg angeschlossen und führte im Sportpark einige Radrennen durch.
1922 wurden die Wälle rund um den A-Platz weiter erhöht, und die Probleme, die der Verein damals hatte, sind in erstaunlichem Maße vergleichbar mit »1«, denen der SpVgg Greuther Fürth im Jahr 2000: „In Folge der dauernden Aufwendungen für den Ausbau des Wettspielfeldes blieben leider nur wenig Mittel für den Ausbau der anderen Spielplätze übrig ..." bedauert der Schreiber der Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der SpVgg (1928) im Rückblick, dass man sich lediglich auf Maßnahmen zur Verbesserung des A-Platzes konzentrieren konnte.
Fußball im Ronhof - in den 20er Jahren ein gesellschaftliches Ereignis
Fußball im Ronhof - in den 20er Jahren ein gesellschaftliches Ereignis
Die 1922 beginnende Wirtschaftskrise mit ihrer galoppierenden Inflation hatte gerade Investitionen in die Entwicklung des Vereins V enorm erschwert, mittel- oder langfristige V Planungen waren kaum möglich. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen wurde das Umfeld weiter gestaltet.
Am 24. Juni 1923 wurde das Kriegerdenkmal eingeweiht, in dessen Fundament man eine Urne mit den Namen der im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommenen Mitglieder eingelassen hat. Noch heute steht das Denkmal an seinem ursprünglichen Ort und ist, was sich erst in neuerer Zeit durch Nachforschungen ergeben hat, eine weltweite, kulturgeschichtliche Besonderheit: Das einzige Kriegerdenkmal, das in der Form eines Fußballs gehalten ist. Im gleichen Jahr wurde dann der C-Platz angelegt und es folgten darauf Platzkassen (1925). Das Kleeblatt als einer der deutschen Spitzenvereine hatte nun bei wichtigen Spielen hohe fünfstellige Zuschauerzahlen.
Vergrößert: Die später im Krieg zerstörte Tribüne im Jahr 1934
Vergrößert: Die später im Krieg zerstörte Tribüne im Jahr 1934
Vorläufiger Höhepunkt war die Begegnung gegen den FC Bayern München am 1. März 1926 (3:3), als 20 000 Menschen die neuangelegten Kassen passierten.
Eine Vortribüne (1926) und eine weitere Erhöhung der Zuschauerrampen, die nun schon mit Stützmauern versehen werden mussten (1927), sollten dieser Entwicklung Rechnung tragen. 1927 brachte für die Mitglieder der Spielvereinigung einen besonderen Grund zur Freude. Ronhof, das sich lange dagegen gewehrt hatte, seine Selbständigkeit aufzugeben, wurde nach Fürth eingemeindet, und so konnte der Sportpark endlich an das städtische Elektrizitätsnetz angeschlossen werden.
Die Zeiten, in der man die Wege und Räume noch mit Petroleumlampen hatte beleuchten müssen, waren damit kurz vor dem 25jährigen Jubiläum endgültig vorbei. Das Jubiläum selbst wurde natürlich gebührend gefeiert. Höhepunkt war großes Feuerwerk auf dem Sportpark.
Am 19. August 1928 beendete ein horizontal laufendes Feuerrad in 150 Metern Höhe die Feierlichkeiten und leitete gleichzeitig die Saison ein, die 1929 mit dem Sieg über Hertha BSC im Nürnberger Stadion die dritte Meisterschaft nach Fürth bringen sollte.
Gute Laune: Die Stadionsprecher in ihrer malerischen Kabine verkündeten meist Siege des Kleeblatts
Gute Laune: Die Stadionsprecher in ihrer malerischen Kabine verkündeten meist Siege des Kleeblatts
Zu Beginn der 30er Jahre gehörte die SpVgg zu den stärksten Mannschaften Europas. Dass vor diesem Hintergrund die alte Tribünenkonstruktion den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gewachsen war, hatte sich schon zuvor angedeutet.
Obwohl die Wirtschaftskrise nun auf ihrem Höhepunkt war (über 6 Millionen Arbeitslose), schaffte man es, die Tribüne im Jahr 1930 wieder umzubauen und zu vergrößern. „Nicht zuletzt aber muss der 1. Mannschaft gedankt werden. Ihre sportlichen Erfolge, im Vorjahr gekrönt durch die Erringung der dritten deutschen Fußballmeisterschaft, brachten die finanziellen Mittel für den Bau", bedankte sich der damalige Vorsitzende Sörgel bei den Spielern.
1931 wurde nach langer Diskussion trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage beschlossen, endlich das lang ersehnte Sportheim zu bauen. Es wurde, den Erfordernissen der Zeit gehorchend, ein Zweckbau.
Der Wert sämtlicher Gebäude einschließlich Einzäunung des Sportparks wurde im März 1931 in einer neuen Versicherungsurkunde auf 44 400 Reichsmark taxiert.
Die erheblichen Belastungen führten nun aber zu einer Flaute in der Kasse. Kurzfristig musste sich die SpVgg bei der Stadtsparkasse Geld leihen: 600 Mark wurden auf die Dauer von zwölf Monaten aufgenommen - zurückzuzahlen in Monatsraten zu je 50 Mark.
Milch und Hakenkreuz: Vorbereitung zu einem Sportfest der Nationalsozialisten im Ronhof
Milch und Hakenkreuz: Vorbereitung zu einem Sportfest der Nationalsozialisten im Ronhof
Dass die Machtergreifung der Nationalsozialisten auch an der SpVgg nicht spurlos vorüberging, versteht sich von selbst. Hitler hatte nach seiner Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 zügig die „Machtergreifung" vorangetrieben. Im Kleeblatt bildete sich schon im Mai eine Abteilung „Wehrsport", am 16. August gab es auch bei der SpVgg eine Gleichschaltungsversammlung. Das alte Präsidium musste dabei abdanken.
Da die Nationalsozialisten auch im Sport organisatorische Änderungen verfügten, wurde die sogenannte „Gauliga Bayern" eingeführt, in der die SpVgg weiterhin stets im oberen Drittel zu finden war. Obwohl nur noch einmal, 1935, der Sprung in die Endrunde der Deutschen Meisterschaft gelang, wurde der Ronhof 1938 noch einmal auf ein Fassungsvermögen von 25 000 Zuschauern erweitert.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhinderte zunächst nicht die weitere Entwicklung der Sportplatzanlage. 1940 wurde der Sportpark an das städtische Kanalnetz angeschlossen, wozu umfangreiche Erdbewegungen vonnöten waren. Doch schon 1943 bemühen sich die Verantwortlichen der SpVgg vergeblich um Holzzuteilung.
Bei Bombenangriffen war die Umzäunung des Sportparks stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Fußball wurde auch unter den erschwerten Bedingungen während des Krieges weiter gespielt, und bis kurz vor Kriegsende war der Verein einigermaßen glimpflich davongekommen.
Ein Luftangriff am 21. Februar, der einer in der Nähe der Sportanlage stationierten Flakstellung gegolten hatte, traf die SpVgg dafür aber umso heftiger. Ein Volltreffer zerstörte die Tribüne, die ausbrannte. Was man im Nachhinein am meisten bedauern muss: Ein Großteil des Archivs wurde dabei vernichtet, nur wenige Gegenstände konnten gerettet werden.
Am 20. April 1945 wurde die Stadt Fürth an die Amerikaner übergeben, die wenige Tage später auch den Ronhof beschlagnahmten. SpVgg-Chronist Gottlieb Wunschel bemerkt in der Festschrift zum 50jähri-gen Jubiläum 1953, dass „Kreise am Werk (waren), die uns für immer unsere vereinseigene Anlage enteignen wollten". So weit kam es dann doch nicht, da glücklicherweise der Vater des verhandelnden US-Offiziers aus Zirndorf stammte und ein Schulfreund von SpVgg-Mitglied Willy Kett gewesen war. Kett konnte den Offizier davon überzeugen, das Gelände wieder an die SpVgg zurückzugeben. So konnte am 23. September 1945 (andere Quellen sprechen davon, es sei der 4. August gewesen) das erste Nachkriegsfußball-Spiel auf Fürther Boden stattfinden.
Studie: Eines der Architekten-Modelle zum Tribünenbau 1950
Studie: Eines der Architekten-Modelle zum Tribünenbau 1950
Etwa 9000 Zuschauer fanden den Weg nach Fürth, als der Club zum Derby antrat und 3:2 gewann. Viel wichtiger als das Ergebnis war, dass das Spiel ohne nennenswerte Vorkommnisse am Rande ablief, was die Amerikaner, die das Spiel nur unter starken Vorbehalten genehmigt hatten, beruhigte.
Die nächsten fünf Jahre musste das Kleeblatt ohne richtige Tribüne auskommen. Also sollte auch der bis dato letzste große Erfolg der SpVgg, die Süddeutscher Meisterschaft 1950, noch mit einem Provisorium gefeiert werden. Im gleichen Jahr aber begannen bereits die Arbeiten zur Tribüne, wie sie jetzt immer noch in wesentlichen Teilen am Laubenweg zu sehen ist: 24 Reihen, 2000 Plätze, 50 Meter lang.
Kunst am Bau: Fast wie eine moderne Skulptur wirkte die Tribüne in ihrem Holzgerüst
Kunst am Bau: Fast wie eine moderne Skulptur wirkte die Tribüne in ihrem Holzgerüst
Am 11. Februar 1951 konnten die Zuschauer das Bauwerk beim Spiel gegen den TSV München erstmals benutzen. Das Kleeblatt - gewann 4:1. Offiziell eingeweiht wurde die Tribüne schließlich am 20. Mai im Endrunden-Spiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den FC St. Pauli. Auch diese Partie gewann die SpVgg 4:1.
Luftbild: Aus der Höhe zeigen sich die einstigen Ausmaße des Geländes am Laubenweg
Luftbild: Aus der Höhe zeigen sich die einstigen Ausmaße des Geländes am Laubenweg
Doch die beiden Siege waren, im Abstand von fünfte Jahrzehnten betrachtet, letztenendes kein gutes Omen für den Verein: 1951 brachte die letzte Teilnahme an einer Endrunde um die Deutsche Meisterschaft - danach konnte das Kleeblatt nicht mehr an die großen Erfolge der Vergangenheit anknüpfen, auch wenn der Verein bis zur Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 stets erstklassig geblieben war.
Volles Haus: Die Erfolge der frühen 50er lockten Fans in Scharen in den Ronhof
Volles Haus: Die Erfolge der frühen 50er lockten Fans in Scharen in den Ronhof
Der heraufziehende Profifußball und seine Vorboten in den fünfziger Jahren führten für viele Traditionsvereine, darunter auch die SpVgg, zu großen Problemen. Auch in der Oberliga kostete eine Mannschaft eine Stange Geld, denn selbstverständlich wurden die Spieler auch vor Einführung der Bundesliga bereits entlohnt - wenn auch in wesentlich bescheidenerem Umfang als das heute der Fall ist.
Rückansicht: Der Ronhof um 1950 von der Tennisanlage aus betrachtet
Rückansicht: Der Ronhof um 1950 von der Tennisanlage aus betrachtet
Die schwindende Finanzkraft des Vereins wirkte sich auch auf die weitere Entwicklung des Sportparks aus: Waren die Jahrzehnte zuvor von einem ständigen Aufwärts gekennzeichnet, trat nun mehr und mehr Stagnation ein.
Es wurden zwar 1963 der am Laubenweg noch heute zu besichtigende Metallzaun gezogen und ein Jahr später acht Kassenhäuschen erstellt, doch damit war für fast 25 Jahre Schluss mit Baumaßnahmen - das Geld wurde gebraucht, um den defizitären Spielbetrieb in der Zweitklassigkeit, zunächst in der Regionalliga, dann in der 1974 eingeführten Zweiten Bundesliga Süd und schließlich in der eingleisigen Zweiten Liga (1981) zu finanzieren.
Üben anno '57: Training mit Jenö Csaknady unter der legendären Anzeigentafel des Ronhofs
Üben anno '57: Training mit Jenö Csaknady unter der legendären Anzeigentafel des Ronhofs
Ausgereicht hatte das Geld aus den Einnahmen während dieser Jahre allerdings nicht. Die Zuschauerzahlen in der Regionalliga reichten bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken - verständlich, denn das sechs Jahrzehnte lang an Spitzenfußball gewöhnte Fürther Publikum konnte sich mit der Zweitklassigkeit nicht so recht anfreunden.
Ende der 60er Jahre hatte die SpVgg bereits 1,4 Millionen Mark Schulden angehäuft. Nach langen und kontroversen Diskussionen und zwei Hauptversammlungen rang man sich dazu durch, die Schulden durch den Verkauf von 1,4 Hektar des Ronhofs zu tilgen.
Letztlich brachte diese Maßnahme nur kurzfristig Linderung. Bei den vergeblichen Anstrengungen allem der Endsiebziger Jahre, die Bundesliga zu erreichen, wurde die Substanz des Vereins endgültig verspielt.
Gewohnter Anblick: So kannte man das Rund am Laubenweg jahrzehntelang
Gewohnter Anblick: So kannte man das Rund am Laubenweg jahrzehntelang
1982 war die für damalige Verhältnisse unglaubliche Schuldenlast von sechs Millionen Mark aufgelaufen. Die SpVgg stand am Abgrund und konnte sich nur noch durch den Verkauf des Sportparks Ronhof retten. Am 26. April 1983 setzte Playmobil-Chef Horst Brandstätter seine Unterschrift unter den Kaufvertrag. Für zwölf Millionen Mark hatte der Zirndorfer Unternehmer das Grundstück am Laubenweg erworben. Der SpVgg blieben nach Abzug der Verbindlichkeiten runde sechs Millionen Mark, doch Herr im eigenen Hause war sie nun nicht mehr. Im letzten Saisonspiel 1983 verloren die Kleeblättler schließlich beim FC Augsburg 0:3 und verabschiedeten sich damit für lange Zeit aus dem deutschen Profifußball.
Der Niedergang eines der traditionsreichsten deutschen Fußballvereine war damit perfekt. Er dokumentierte sich in den folgenden Jahren im schleichenden Zerfall der Anlage am Laubenweg. Der Ronhof starb einen leisen, aber unaufhaltsamen Tod und Kleeblatt noch einmal ins Rampenlicht würde zurückkehren können.
Ab Mitte der 70er Jahre trennte ein Zaun die Fans vom Platz. Wenigstens konnte man daran seine Fahnen aufhängen
Ab Mitte der 70er Jahre trennte ein Zaun die Fans vom Platz. Wenigstens konnte man daran seine Fahnen aufhängen
Über den Gründonnerstag 1995 ist in den vergangenen Jahren genug geschrieben worden, dennoch sei noch einmal auf dieses Datum hingewiesen: Nach einem Regionalligaspiel zwischen dem TSV Vestenbergsgreuth und der SpVgg Fürth am Greuther Schwalbenberg entwickelten TSV-Präsident Helmut Hack und Kleeblatt-Chef Edgar Burkart die Idee zur Zusammenarbeit. Am 5. Juli 1995 schließlich rief man die Medien zur vielleicht wichtigsten Pressekonferenz in der Geschichte des Ronhofs zusammen. Ein an diesem Tag trotz der kurzen Entwicklungszeit in überzeugender Manier ausgearbeitetes und dargelegtes Konzept wurde schnellstmöglich umgesetzt. Am 24. Oktober 1995 stimmte die Jahreshauptversammlung der SpVgg bei nur wenigen Gegenstimmen dem Beitritt des TSV zum Kleeblatt und der Namensänderung in „SpVgg Greuther Fürth" zu. Die Ovationen der Anwesenden waren ein Vorschuss auf eine atemberaubende Fortentwicklung, die in ihrer Rasanz alles übertroffen hat, was man sich zum umgesetzt. Der Ronhof selbst mag dem ganzen mit der Weisheit des Alters zugeschaut haben, wissend, dass seine Zeit doch noch nicht abgelaufen war. Im Gegenteil - der alte Herr bekam neue Kleider verpasst.
Anfang Mai 1997 - die Saison der Regionalliga Süd, in der die SpVgg die Rückkehr in den Profifußball schaffen sollte, lief noch - bezeichnete das Kreischen der Motorsägen das Ende einiger der alten Pappeln, die Jahrzehnte den Anblick des alten Runds gekennzeichnet hatten. Fast ein Vierteljahrhundert war am Ronhof nichts mehr geändert worden, nun ging alles blitzschnell.
Am 12. Mai 1997 begannen die Bauarbeiten an der neuen Nordkurve und der überdachten Gegengerade. Und nicht einmal 50 Tage später konnte man im Sportpark Ronhof das Playmobil-Stadion eröffnen.
Baustelle: Während Bagger die alten Ränge abtrugen, erkämpfte sich die Mannschaft den Aufstieg in die Zweite Liga
Baustelle: Während Bagger die alten Ränge abtrugen, erkämpfte sich die Mannschaft den Aufstieg in die Zweite Liga
Wie schon 1951 beim ersten Spiel unter der neuen das Werk im Tribüne, war auch diesmal wieder der TSV 1860 München zu Gast, und erneut gewann das Kleeblatt, diesmal 1:0.
Hoher Besuch: Henry Kissinger, hier mit Ronhof-Besitzer Horst Brandstätter und Präsident Helmut Hack, war begeistert vom neuen Stadion seiner SpVgg
Hoher Besuch: Henry Kissinger, hier mit Ronhof-Besitzer Horst Brandstätter und Präsident Helmut Hack, war begeistert vom neuen Stadion seiner SpVgg
Die erste Bauphase des neuen Playmobil- Stadions war kaum beendet, da ging es auch schon an die Planung der nächsten Arbeiten. Im Inneren des Tribünengebäudes hausten nicht nur die Geister alter Fußballhelden, auch am Erscheinungsbild hatte sich nichts geändert: Es sah immer noch fast so aus wie 50 Jahre zuvor. Gleich zu Beginn des Jahres 1999 wurde Abhilfe geschaffen. Nicht einmal ganz fünf Wochen dauerte es, dann war der gesamte Eingangsbereich der alten Tribüne in eine Aula mit modernem Outfit verwandelt.
Somit waren die Voraussetzungen gegeben, das Werk im Sommer des vergangenen Jahres nahezu fertigzustellen. Noch einmal wurden 9000 Kubikmeter Erdmaterial weggefahren, um Platz zu machen für die neue Südkurve. Diese wurde, genau wie die Gegengerade, in moderner Stahlrohrkonstruktion erstellt.
Die Krönung des Ganzen: Zusammen mit der neuen Südkurve konnte im ersten Heimspiel der Spielzeit « 1999/2000 die Flutlichtanlage eingeweiht werden.
Aufgewühlt: Mehr als 9000 Kubikmeter Erde wurden für den Bau der Südtribüne bewegt.
Aufgewühlt: Mehr als 9000 Kubikmeter Erde wurden für den Bau der Südtribüne bewegt.
Am Freitag, 20. August, wurde es in der Halbzeit des Spiels gegen den 1. FC Köln hell am Laubenweg. Die vier buntgeringelten Masten tauchen mit ihren Scheinwerfern das Playmobil-Stadion bei den Spielen am Abend in helles Licht. Ein Licht, das weit über die Stadtgrenzen Fürths hinaus zu sehen ist. Als wolle der Ronhof allen schon von weitem zeigen, dass er noch da ist.
Flutlichtpremiere im Juli 1999
Flutlichtpremiere im Juli 1999
Vom Sportpark Ronhof zum Playmobil-Stadion: Die Geschichte lehrt uns, dass das momentane Erscheinungsbild der Sportanlage im Fürther Norden genauso nur eine Momentaufnahme bleiben wird wie alle ihre Entwicklungsstadien zuvor.
Ausblick: Beeindruckendes Panorama, aufgenommen '99 vom Flutlichtmast beim Spiel gegen Energie Cottbus (1:0)
Ausblick: Beeindruckendes Panorama, aufgenommen '99 vom Flutlichtmast beim Spiel gegen Energie Cottbus (1:0)
Wenn der Aufwärtstrend der SpVgg Greuther Fürth im Profifußball auch in der nächsten Zeit anhält. In nicht mehr ganz drei Jahren wird die SpVgg Greuther Fürth 100 Jahre alt - feiern wird sie das Jubiläum auf dem Gelände am Laubenweg, das wie kaum ein zweites in Deutschland das Nebeneinander von lebendiger Fußballtradition und moderner Professionalität symbolisiert. wird sich auch das Sportgelände weiter entwickeln.
Dass der Ronhof eine kleine Schwester bekommt, scheint ausgemacht, denn längst bietet er nicht mehr allen Teams der SpVgg adäquaten Platz für Training und Spiel. Die Verantwortlichen, die am 11. September 1910 stolz ihr Gelände seiner Bestimmung übergaben, konnten nicht einmal im Ansatz erahnen, wie sich der Fußball im Jahr 2000 entwickelt haben würde. Genauso wenig können wir in die Zukunft blicken. Wird der Sportpark noch einmal neun Jahrzehnte erleben dürfen? Oder wird dann überhaupt kein Fußball mehr gespielt werden und ein Stadion längst überflüssig sein, weil Sport nur noch in einer virtuellen Datenwelt abläuft, nicht mehr der Ball ins Tor, sondern die Daten in den Speicher befördert werden müssen? Wer weiß. Momentan steht er noch da, der Sportpark Ronhof mit dem Schmuckkästchen Playmobil-Stadion. Und zäh wie er ist, wird er vielleicht noch länger existieren, als wir uns vorstellen können. Feuerwerk zur Einweihung von Flutlicht und Südtribüne beim Spiel gegen den 1. FC Köln (20.8.99)
Feuerwerk zur Einweihung von Flutlicht und Südtribüne beim Spiel gegen den 1. FC Köln (20.8.99)


Jürgen Schmidt