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Die Geschichte des Frankenderbys

Szene aus dem Derby 1912
Eines der frühesten Derby-Dokumente: 
Am 5. Mai 1912 unterlag die SpVgg in Nürnberg mit 0:3 Träg (Nürnberg) und Isemann (Fürth) kämpfen um den Ball
Die "Englische Krankheit" war ansteckend und es gab keine Kur, die dagegen geholfen hätte – gemeint ist das Fußballspiel, das zum Ende des 19. Jahrhunderts, von der britischen Insel kommend, auch in Deutschland Fuß faßte. Eigentlich unglaublich: War noch 1900, dem Gründungsjahr des DFB und vieler anderer Vereine, unter anderem auch des 1. FC Nürnberg, der Fußball in weiten Kreisen der Gesellschaft verspottet worden und vor allem von der Turnbewegung schärfstens angefeindet, hatte er sich schon zehn Jahre später zur beherrschenden Sportart in Deutschland entwickelt.
Und von Anfang an war das Derby zwischen der SpVgg Fürth und dem 1. FC Nürnberg ein wichtiger Faktor in der Geschichte des Fußballs. Kein anderes Lokal-Spiel, nicht 1860 München gegen Bayern, nicht Schalke gegen Dortmund, auch nicht HSV gegen St. Pauli oder VfB Stuttgart gegen die Kickers kann auf eine so reichhaltige Geschichte zurückblicken. Über 250 Mal, Freundschaftstreffen mitgezählt, wurde diese Partie bisher ausgetragen – ein unerreichter Rekord, dem nun ständig neue Kapitel zugefügt werden. Die erfolgreichsten wurden aber zweifellos in den ersten drei Jahrzehnten geschrieben.
Eigentlich, wenn man so will, sind es ja sogar drei Begegnungen mehr zwischen der SpVgg und dem Club: Denn Ende 1902, kurz nach dem sich im TV 1860 Fürth einige Sportler entschlossen hatten, eine Fußballmannschaft zu gründen, kam es zum ersten Spiel. Um zu lernen, hatten sich die Fürther den Nachbarn aus Nürnberg eingeladen. Am Schießanger gewann der FCN 15:0. Das Rückspiel im Januar 1903 war dann das erste "Abbruchderby": Beim Stand von 1:0 für die Fürther musste das Spiel vor der Pause wegen eines heftigen Schneesturms abgebrochen werden – kurz darauf holte man die Partie nach, und da siegten die Nürnberger 11:0.
Städtemannschaft 1913
In der Städteauswahl, aber auch in der Süddeutschen Mannschaft sowie im Nationalteam spielten Fürther und Nürnberger zusammen
Trost für alle Kleeblättler: In der offiziellen Statistik kann man die drei Spiele nicht mitzählen, denn erst am 23. September 1903 gründeten die fußballbegeisterten Mitglieder des TV 1860 die Spielvereinigung, die noch bis zum Jahr 1906 unter dem Dach des Turnvereins bleiben sollte, ehe sie sich selbständig machte.
Die Handvoll Neugieriger, die am Schießanger 1902 das erste Spiel zwischen einer Fürther und Nürnberger Elf sahen, konnten sich wohl beim besten Willen nicht vorstellen, daß sie die Wurzeln zweier Teams gesehen hatten, die Jahrzehnte lang das Geschehen im Deutschen Fußball maßgeblich bestimmen sollten. Noch im Jahr 2000 kam die Arbeitsgruppe des DFB, die die große Ausstellung "Der Ball ist rund" im Oberhausener Gasometer zusammengestellt hat, zu dem Ergebnis, dass neben dem Hamburger SV und der Berliner Hertha die SpVgg und der FCN die "großen Vier" vor dem zweiten Weltkrieg komplettierten.
Der erste Meister aus Franken hieß im Jahr 1914 SpVgg Fürth. In den Gründungsjahren war das zunächst nicht zu erwarten gewesen, denn die Nürnberger behielten zunächst in allen Spielen die Oberhand, erst 1908 gelang mit 3:3 das erste Remis. Der erste Sieg der SpVgg hängt wohl maßgeblich mit ihrem Ortswechsel zusammen: 1910 hatte man sich wegen Raummangels entschieden, den Sportpark in Ronhof zu bauen. Als die Fürther am 20. Oktober 1910 im damals größten Sportplatz des Deutschen Reiches vor annähernd 10 000 Zuschauern den 1. FCN zum ersten Mal im Ronhof empfingen, gelang ihnen mit 2:1 der erste Sieg.
Für die Fürther war dies ein gutes Omen. Das große Stadion brachte zusätzliche Einnahmen, in der Stadt fanden sich viele Gönner: 

So konnte man sich auch mit William Townley einen englischen Berufstrainer leisten, der der Garant für die Meisterschaft 1914 war. 

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die damals wegen ihrer modernen Spielkunst ("der schottische Flachpass!") in ganz Deutschland als Vorbild dienende SpVgg in den Jahren darauf weiterhin ein gewichtiges Wort um den Titel mitgesprochen hätte, wenn nicht der erste Weltkrieg den Fußball zum erliegen gebracht hätte.

Derby 1924
13. April 1924: Beim 0:0 in Nürnberg: Stuhlfauth klärt vor Fürths Mittelstürmer Gußner
Vier Kleeblättler fielen (Karl Franz, Seidel, Weicz und Jakob), der Engländer Townley musste gehen. Dennoch: 1918, es wurde kein Titel ausgespielt, gewann die SpVgg von 47 Spielen 44 und wurde durch einen 2:1-Sieg über die Stuttgarter Kickers zumindest süddeutscher Pokalmeister. 1920 allerdings begann die große Zeit des 1. FC Nürnberg, die letztenendes erst spät in den 60er Jahren enden sollte. Der Club schlug die SpVgg im Endspiel in Frankfurt mit 2:1, holte sich so seinen ersten Titel, wiederholte dies dann 1924, 1925, 1927. 1926 und 1929 war die SpVgg an der Reihe.
Die zwanziger Jahre waren in der Rückschau sicherlich die große Zeit der "Fußball-Hochburg". Nie mehr wieder konnten zwei Vereine den deutschen Fußball dermaßen dominieren, daß sie ganz alleine die Nationalmannschaft stellten – die ersten drei Jahrzehnte waren im Rückblick sicherlich auch die erfolgreichsten der Fußball-Hochburg – ein Ereignis wie das Länderspiel am 21. April 1924, als einer deutschen Fußballmannschaft, die nur aus Fürthern und Nürnbergern bestand, der erste Sieg über Holland gelang, wird es wohl nie mehr geben.
Nationalmannschaft 1924
Club und Kleeblatt schlugen 1924 Holland: 
Kalb, Franz, Stuhlfauth (hinten), Seiderer, Müller, Kugler, Träg, Schmidt. 
Vorne: Ascherl, Auer, Hagen

Jürgen Schmidt