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Rekordgewinner des Süddeutschen Pokals

Spät, sehr spät erst wurde in Deutschland der Vereinspokal des DFB eingeführt. Erst ab 1933, nach der Neuorganisation des Sports unter dem Nazi-Regime, wurde der nach dem Reichssportführer von Tschammer und Osten genannte "Tschammer-Pokal" ausgespielt. In den ersten Jahrzehnten des Fußballs in Deutschland trugen die Landesverbände, die damals noch wesentlich bedeutender als heute waren, ihre eigenen Wettbewerbe aus. Der wichtigste war sicherlich der Pokal des Süddeutschen Fußballverbandes, denn im SFV war die Leistungsdichte am höchsten. Rekordgewinner dieses von 1918 bis 1927 ausgeschriebenen Wettbewerbs ist die SpVgg: Insgesamt fünf Mal, 1918, 1923, 1925, 1926 und 1927 holten sich die Kleeblättler die Pokalmeisterschaft des SFV.

1918, im ersten Jahr des SFV-Pokals, hatte sich die SpVgg durch einen Halbfinalsieg über den FSV Frankfurt ins Finale gespielt. Gegner vor 5000 Zuschauern auf dem Union-Platz in Stuttgart waren die Stuttgarter Kickers. Zoller und Löblein brachten die Fürther in Front. Der Anschluss zehn Minuten vor dem Ende half den Kickers nichts mehr, der seit 1914 amtierende Deutsche Meister hatte sich auch diesen Pokal geholt. Kurios: Lony Seiderer, der große Stürmerstar der 20er-Jahre, stand bei dieser Begegnung im Tor.

1923 war der zweite Pokalsieg nur ein schwacher Trost. Am 27. Mai waren die Fürther, großer Favorit auf die Deutsche Meisterschaft, völlig überraschend in der Zwischenrunde der DM gegen den Berliner Vertreter Union Oberschöneweide (heute Union Berlin) mit 1:2 ausgeschieden. Ein rundes Monat später standen sich auf dem MTV-Platz in München vor 10 000 Zuschauern die SpVgg und der FC Bayern gegenüber.
Loni Seiderer mit dem Pokal
Lony Seiderer, bei allen fünf Pokalsiegen der SpVgg dabei, auf einem colorierten Titel des Magazins "Fußball" mit dem Pokal des Süddeutschen Fußball-Verbandes.
Es war der große Tag von Fürths Sturm-Legende "Resi" Franz. Das Spiel hatte eine dramatischen Verlauf: Franz schoss das 0:1 (3.), dann gingen die Bayern durch Pöttinger und Dietl in Führung. Erneut Franz glich in der 30. Minute aus. Zwei Minuten später schoss Dietl das 3:2 für den FCB, ehe im Gegenzug Lony Seiderer das 3:3 markierte. Der überragende Franz schoss dann in der 75. Minute den Siegtreffer für die groß aufspielenden Fürther.

1925 folgte der dritte Streich. Wieder mal ging es gegen die Stuttgarter Kickers. In München auf dem Teutonia-Platz setzte wieder einmal "Resi" Franz die Überlegenheit der Fürther in zwei Tore um. Der 2:0-Sieg war schon deshalb bedeutend, da sich die Fürther als Süddeutscher Pokalsieger für die DM-Endrunde der Saison 25/26 qualifiziert hatten und somit die Möglichkeit zum zweiten Meistertitel des Jahres 1926 bekamen.
Pokalsieger 1918
Pokalsieger 1918 (von links): Rottenberger, Richter, Löblein, Hagen, Franz, Burger, Höfer,
Seiderer (im Torwartdress), Zoller, Wellhöfer, Lüscher, Hofmann
Den holte sich das Kleeblatt ja in Frankfurt vor 40 000 mit 4:1 gegen Hertha. Dass die wohl beste SpVgg-Elf aller Zeiten auch den Pokal – zum vierten Male - holen würde, war keine Sensation. Wieder in Frankfurt war der VfB Stuttgart der Gegner. Und wieder schlug „Pokal-Spezialist“ Resi Franz zu: Nachdem er in der regulären Spielzeit zwei Mal die Führung der Schwaben ausgeglichen hatte, schafft er in der 96. Minute mit seinem dritten Tor das siegbringende 3:2.

Der fünfte Sieg gelang gleich im darauf folgenden Jahr. Nach dem Ausscheiden im DM-Halbfinale gegen Hertha BSC wurden im SFV-Pokal zunächst die Bayern im Viertel- und der 1. FCN im Halbfinale besiegt. Das Endspiel gegen den FSV Frankfurt in Stuttgart-Degerloch sah dann den haushohen Favoriten auch als Sieger. Drei Tore von Georg Frank brachten der SpVgg den Sieg. Danach stellte der SFV den Wettbewerb ein, so dass die SpVgg wohl auf ewig Rekordsieger dieses Wettbewerbs bleiben wird.

Jürgen Schmidt