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Saison 1925/1926
Süddeutscher Pokal 1925 - Endspiel - So., 23.08.1925, 15:30 Uhr
Stuttgarter Kickers - SpVgg Fürth
0:2 (0:1)

Zuerst sollte das Endspiel um den Süddeutschen Pokal 1925 auf dem neuen Sportplatz des TSV München 1860 an der Grünwalder Straße durchgeführt werden, aber die Tribünenarbeiten waren noch nicht abgeschlossen.


Der Ex-Fürther Georg Wunderlich verlor mit den Stuttgarter Kickers nach 1924 auch das Endspiel 1925.

Ein ganz großer Tag liegt hinter uns. Die Verbände haben München nicht verwöhnt, und Endspiele sind hier rar, teils dieserhalb, teils außerdem. Für die hohen Behörden liegen wir zu weit ab, außerdem haben wir noch kein Stadion, und auch sonst sind wir Münchener nicht beliebt, wir reden und schreiben oft so respektlos. Dies alles und noch mehr mag schuld sein, daß wir leider recht selten ganz große Angelegenheiten zu sehen bekommen. Sogar das Wetter hatte ein Einsehen, es goß die ganze Nacht und verhinderte Bergsteiger und Wanderlustige am Ausfliegen. Sonntag morgen aber leuchtete wieder hellste Frühherbstsonne und bayerisch weiß-blau, wölbte sich der blitzblanke Himmel über Oberwiesenfelds Flur. Der große Teutonenplatz war stramm besetzt, und auf der Tribüne saßen nochmal soviel Leute als, nach Größe der Sitzgelegenheiten gerechnet, normalerweise Platz hätten. Heute waren nicht nur die verschiedenen Münche-ner Dialekte vertreten, es schwäbelte stark, und die Fürther waren in Massen gekommen. Ein Juniorenspiel: Deutscher Sportverein München — Spielvereinigung Fürth gab den Auftakt. D.S.V. gewann nach hübschem Spiel 4 :0. Fürth kommt zuerst, lebhaiter Applaus empfängt die Allen bekannte Elf. Der Benall steigert sich noch, als die Kickers den Platz betreten.
Auf den Ehrenplätzen sitzen allerhand bekannte Persönlichkeiten, sogar Münchens erster Bürgermeister ist zu sehen. Rossi, Stuttgarts bekannter Schiedsrichter, raucht unentwegt seine Virginia und findet, daß es im Sommer warm ist. Das Spiel beginnt.
Kickers spielen gegen die Sonne. Wuchtig packt Fürth an, und schon muß Urban eingreifen, Kickers erwiedert den Besuch und Gußner fängt schön. Das Spiel ist noch zappelig. Niederbacher legt Kraus 1 schwer. Urban im Kickerstor macht Saltos mit dem Ball. Fürth fängt an, das Spiel zu übernehmen, keinen Ball geben sie verloren, immer sind sie noch im Spiel, kein Mann ist untätig. Sie kleben am Ball und passen haarscharf zum freien Mann. Erste Ecke für Fürth, knapp schießt Franz daneben. Immer schneller wird das Tempo. Kickers Sturm spielt ungenau zu, und so wird alles eine leichte Beute der Fürther Deckung, die Löblein als dritten Bäk verwendet.
Die Läuferreihe der Kickers läßt sich zurückdrängen und kommt als Unterstützung ihres Sturmes nur selten in Frage. Ein Franzschuß, scharf, aber unplaciert, stirbt in Urbans Händen.
An der Torlinie gibt es Schiedsrichterball, der nichts bringt. Kickers findet sich nicht, der Sturm hängt in der Luft. Die Verteidigung müht sich vergebens, den Ring zu sprengen, den der Fürther Sturm und die famose Läuferreihe der Spielvereinigung um sie legt.
Ein Kickersvorstoß gelingt nicht. Kraus I schießt einen Strafstoß über Kickers Tor.
Kraus I nimmt Niederbacher den Ball ab und schiebt zu Franz. Vergebens greifen den Internationalen zwei Stuttgarter an, er schlängelt sich an ihnen vorbei, noch eine Drehung, und scharf flitzt der Ball unter die Latte und ist schon wieder im Feld. Eine hochklassige, wundervolle Leistung.
1 : 0.
Und schon wieder sitzt Fürth am Kickerstor, der Schuß von Franz wird gehalten. Fürths Kombination ist meisterhaft, Seiderer schießt darüber. Stellenweises Aufflackern des Kickersangriffes wird immer gleich im Keim erstickt, und Fürths Druck wird beängstigend. Ohne Unterstützung der Läufer bricht Kickers rechter Angriff durch, aber schon ist alle Gefahr erledigt, und Fürth schießt knapp daneben. Urban im Kickerstor hält allerhand schöne Sachen. Ein etwas weicher Auerschuß wird leicht erledigt, und schon wieder muß Urban sich werfen. Linnich hat leichte Arbeit, denn das Spiel ist hochanständig, was sich zeigen will, unterdrückt er sofort. Kießling versucht über den herauslaufenden Urban zu spitzeln, es gelingt daneben. Seiderer schießt den Torwächter an.
Eine Wunderlichflanke wird von der Mitte nicht verwertet. Wo ist Kickers Läuferreihe? Kopfschütteln über das Spiel derselben, und es bläst Halbzeit.
Offene Frage, wird es nun anders, wird Kickers den beängstigenden Druck abschütteln, wird man sich zu einer einheitlichen Aktion finden. Niemand weiß es!
Fürth gibt die Antwort. Umfassend greifen sie gleich wieder an, und Urban fängt einen giftigen Ball brav. Immer noch hängt der Kickerssturm in der Luft. Fürth erzwingt Ecke, Niederbacher kickt sie ins Feld. Kraus I glänzt als Mittelläufer, aber sein ewiges Geschimpfe gefällt niemand, wohl am wenigsten seinen eigenen Leuten. Kickers schafft sich etwas Luft, aber schon wieder sitzen die Franken in ihrem Bereich, und Auer erzielt eine Ecke. Franz tritt sie schön, aber sie wird verkorkst. Kickers Sturm versucht, innen durchzukommen, aber Fürth deckt blendend. Wieder Ecke für Fürth. Geht darüber. Fürth erhält Freistoß. Mit einer unglaublichen Wurstigkeit spitzelt Kraus I den Ball im Bogen ins Gedränge, und schon sitzt das zweite Tor.
2 :0.
Franz verläßt hinkend das Feld. Kickers drängt durch, das Publikum eifert die Weißblauen an, aber den Schuß fängt Gußner.
Franz kommt wieder, allseits bejubelt. Wo stecken bloß die Kickersläufer, an ihnen liegt es, daß immer wieder der Sturm sich die Bälle selber holen muß und aussichtsreiche Angriffe nicht gelingen, da Unterstützung fehlt. Franz schießt knapp darüber. Bei Kickers fehlt heute aber auch das energische Nachgehen, es wird zu rasch die Flinte ins Korn geworfen; dadurch sind ihre Angriffe von vornherein so ungefährlich. Daran liegt es auch, daß die Fürther lächeln, wenn sie vorbeispielen. Dieses Lachen ist nicht sportlich, aber es wird verständlich, wenn man die matte Gegenwehr der einzelnen Spieler sieht. Die Kickersverteidigung allerdings, besonders der tapfere Torwart, taten ihre Schuldigkeit, wenn auch befreiende Verteidigerschläge recht selten waren. Das Spiel ist jetzt etwas freier, die Fürther sprechen aber bei jeder Aktion das letzte und auch das entscheidende Wort. Auer geht durch, knapp schießt er daneben. Das Tempo hat merklich nachgelassen. Fürth genügt es, und die Kickers bringen keinen Endspurt auf. Ein Angriff der Weißblauen riecht nach Ehrentor, aber schon sitzt Fürth iri Kickers Strafraum, und eine Ecke wird vermasselt. Nun erhält Kickers eine Ecke, die der bedrängte Löblein fabriziert. Ergibt nichts. Eine Wunderlichflanke wird verschenkt. Löblein legt Wunderlich von hinten und, am Boden sitzend, vergißt Löblein, daß ein Sportler sich in allen Lebenslagen beherrschen muß. Er wird hinausgestellt. Das Publikum ergreift, wie immer Partei, für und wider, und eine unschöne Brüllerei stört den Schluß dieses feinen Spieles.
In einer, den Sieger feiernden Menge überreicht man der freudestrahlenden Fürther Elf mit einigen unverständlichen Worten den Pokal.
Die wirklich bessere Mannschaft hat den Pokal errungen-Fürth ist ein so ausgeglichenes Ganzes, eine so präzise arbeitende Maschine, daß wir uns nur herzlich freuen können, so eine Mannschaft zu besitzen. Zu was einzelnes loben. In einem erstklassigen Werk funktionieren alle Einzelteile tadelos, eines greift ins andere, eines allein ist nichts, nur der unbeugsame Wille aller schafft die große Leistung. So zu handeln wäre bei uns in Deutschland, nicht nur auf sportlichem Gebiete, äußerst nötig. Kickers aber mag sich trösten, gegen die heutige Fürther Mannschaft zu verlieren, ist nicht beschämend. Ihre Leiter aber werden deutlich gesehen haben, an was es fehlt, und Erkennen ist der erste Weg zur Besserung.

Pitt

Stuttgarter Kickers: Urban - Nagel, Höschle - Kurz, Niederbacher, Kurz - Wunderlich, Keßler, Welz, Maneval, Weiler
SpVgg Fürth: K. Gußner - Müller, Hagen - Kleinlein, H. Krauß, Löblein - K. Auer, Franz, Seiderer, Leinberger, Kießling
Tore: 0:1 Franz (25.), 0:2 Franz (64.)
Schiedsrichter: Limnich (München)
Zuschauer: 8179
Rote Karten (Gast): Löblein wegen angeblicher Tätlichkeit
Spielort: Teutonia-Platz an der Lerchenauer Straße in München
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