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Saison 1917/1918
Süddeutscher Pokal 1918 - Endspiel - So., 21.04.1918
Stuttgarter Kickers - SpVgg Fürth
1:2 (0:1)
In der Fürther Mannschaft, die 1918 erstmals die neu kreierte Süddeutsche Pokalmeisterschaft gewann, standen nur noch drei Spieler aus Meisterelf des Jahres 1914.

Die Spielvereinigung war während des gesamten Spieles den Stuttgartern überlegen und zeigte brillantes Spiel. Die glücklichen Torschützen waren Zoller als linker Läufer vor der Halbzeit. In der zweiten Halbzeit vermochte der Halblinks spielende Löblein das zweite Tor erzielen.
Beim Stande von 2:0 für Fürth konnte Stuttgart auf ein Missverständnis hin - die annahmen, der Ball hätte die Torauslinie überschritten - ein Ehrentor erringen.

Ein Wort zum Schiedsrichter: Eine Dame meinte zu ihrem Begleiter: "Es ist eigentümlich, sonst spielt er (Rossi) immer gegen die Kickers, heute spielt er aber mit ihnen".

Über 5000 Personen sehen einen Fußballwettkampf, in dem die
Spielvereinigung Fürth nach ligaklassigen Leistungen siegt.
Nicht die luftige Höhe von Degerloch, wo der schöne Kickerplatz liegt, wo den Besucher nach volledetem Anstieg eine prächtige Fernsicht auf die blauen Berge der burggekrönten schwäbischen Alb grüßt und der Heimweg durch den einzigartigen Blick auf die im Tale liegende schwäbische Refidenz zu einem Genuss wird; nicht diese klassische Stuttgarter Fußballgegend war am Sonntag das Ziel der Fußballenthusiasten; diesmal gings in entgegengesetzter Richtung, dem Neckartale zu, zum Unionplatz, auf den das Stammschloss der Württemberger von den Rebenhügeln des Rotenberges malerisch herniederschaut, wo die Blütenpracht der Natur den Obstsegen des schönen Schwabenlandes verkündet.
Eine neue Umgebung für den, der vor 1914 die großen Ereignisse in Stuttgart besuchte, und doch ist heute alles wie damals. Man sieht viele bekannte Gesichter; die Jugend mit ihren vielfarbigen Klassenmützen und die Menge, die eine lebendige Mauer um das grüne Spielfeld bildet. Und die Mannschaften, die an Friedenszeit erinnern. Man vergisst bei diesem begeisternden Bild, dass auf Frankreichs Boden auf Leben und Tod gerungen wird und gibt sich ganz der faszinierenden Macht des Fußballsportes hin. Beide Mannschaften treten zur allgemeinen Genugtuung in der im „Fußball" bekanntgegebenen Aufstellung an. Kickers in ihrem freundlichen, blauweiß gestreiften Trikot; Fürth hat das etwas düstere Blauschwarz abgelegt und dafür ein weißes Hemd mit grünem Kleeblatt auf der linken Brustseite, das Stadtwappen Fürths. Dieses tragen sie mit Recht, denn ohne Zweifel hat die Meisterelf der Spielvereinigung den Namen ihrer Stadt populär gemacht. Kraftstrotzende Gestalten auf beiden Seiten, ein beinahe verräterischer Beweis dafür, dass man in Stuttgart und Fürth nicht nur von den Marken lebt; Burger und Häusler als die Repräsentanten üppiger Wohlgenährtheit, abgesehen von der für die heutigen Verhältnisse fast sagenhaften Leibesfülle des behenden, temperamentvollen Rossi mit der eindringlich tönenden Pfeife (er sagt, es gäbe fünf Stärken in Schiedsrichterpfeifen, die seine sei Nr. fünf). Sonnengebräunte wetterharte Gesichter sagen, dass die meisten von denen, die heute auf dem Fußballfeld die Vereinsfarben vertreten, jahrelang Soldat sind — wir haben bald vier Jahre Krieg. — Unter der Wucht der Bedeutung dieser Worte möchte man auf eine Spielkritik verzichten und sich nur freuen über die erhebende Tatsache, dass wir heute noch solche Mannschaften beisammen haben und Wettspiele veranstalten können, die so gewaltig aus dem Rahmen unseres staunenerregenden allgemeinen Spielbetriebes heraustreten.
Aber das Spiel vom Sonntag drängt eine weitere Betrachtung auf; es war ein echtes Pokalspiel. Zufälle, die schon bei der Gegner- und Platzwahl mitsprechen, hätten auch auf dem Spielfeld mit etwas mehr Glück einige Male den Sieg der Stuttgarter Mannschaft bringen können, obwohl Fürth unter solchen Erwägungen statt dem 2:1-Resultat ebensogut mit erheblich höherer Torzahl gewinnen konnte. Selten ist das überlegene Können einer Mannschaft knapper ausgedrückt worden, als bei diesem Spiel, das Fürth in bestechender Form durchführte und mit einer sehr bescheidenen Torzahl für sich entschied. Fürths Leute spielen Fußball, wie man ihn früher bei den besten Ligaspielen gesehen hat, kein schwacher Punkt war in der wie aus einem Guss arbeitenden Mannschaft, allgemein fiel die große Balltechnik, das intelligente Sichverstehen und die große Schnelligkeit jedes einzelnen Mannes auf. Diese Spielweise zu sehen, war ein Genuss, eine Anregung für jeden, der sich mit Fußball befasst.
Den Kickers, die auf dem Papier so stark standen, dass man sie vielfach als Sieger voraussah, wurde das Gesetz des Handelns vom Gegner vorgeschrieben; sie fanden sich nur einige Male zusammen und hätten in diesen Augenblicken (namentlich bei 2:1) ausgleichen können, aber es fehlte auch am Schuss. Die Stärke der Kickers war unermüdliches Arbeiten, dem jedoch System fehlte, wodurch alles überlastet war; nur einige energische Durchbrüche schafften manchmal etwas Luft und, da der Gegner weit aufgerückt war, sogar Torgelegenheiten, es fehlte jedoch jene unsichtbare Triebkraft, die längeres Zusammenüben bringt. Heilig am linken Flügel war durch Rottenberger kaltgestellt, und am rechten Flügel konnte der Feldurlauber Hartmann nicht zur Geltung kommen, so war der Angriff mit lahmen Flügeln auf die Mitte angewiesen, die es bei solchem Gegner auch nicht schaffen konnte.
Von den Toren fiel das erste, nachdem es schon früher erwartet war, in der 13. Minute durch eine von Zoller schön verwandelte Ecke; diese war die Folge eines verteufelt gefährlichen Drehschusses vom Linksaußen, den der Torwächter im letzten Augenblick neben die Latten lenken konnte. Erst die 22. Minute der zweiten Halbzeit brachte den vielen Angriffen Fürths das zweite Tor. Es war ein guter Schuss von Löblein; eine Viertelstunde später ward die weitaufgerückte Hintermannschaft Fürths überlaufen und Schäfer, der fleißigste Kickersstürmer, schoss nach kurzem Zögern unter großem Beifall der Einheimischen ein. 2:1 und noch knapp zehn Minuten Spielzeit! Das war ein spannendes Resultat für ein Pokalspiel, das bei unentschieden verlängert werden musste. Diese Aussicht eröffnete sich gleich darauf, doch die Unentschlossenheit der Stuttgarter verscheuchte weitere Hoffnungen. Unter den fortwährenden Angriffen Fürths, die manche Torgelegenheit brachten, kam das Ende des ersten Endspiels um den Pokal von Süddeutschland.

Pitt

Stuttgarter Kickers: Mayer - Heß, Maschke - Rau, Höschle, Krebs - Hartmann, Mäusler, Schäfer, Feiler, Heilig
SpVgg Fürth: Seiderer - Burger, Wellhöfer - Rottenberger, Hofmann, Zoller - Richter, Franz, Lüscher, Löblein, Hagen
Tore: 0:1 Zoller (13.), 0:2 Löblein (67.), 1:2 Schäfer (80.)
Schiedsrichter: Rossi (Stuttgart)
Zuschauer: 5000
Spielort: Union-Platz in Stuttgart
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