sitemap   |   suche   |   kontakt   |   RSS-Feeds rss  
  spieldetails   startseite » saison 2003/04 » lizenzmannschaft » 2. bundesliga
Saison 2003/2004
5. Spieltag - So., 14.09.2003, 15:00 Uhr
SpVgg Greuther Fürth - Alemannia Aachen
7:1 (4:1)
    Bilder vom Spiel »    
Eigentlich ist das Fürther Fußballpublikum recht sparsam mit Ovationen, erst recht, wenn einer vor drei Jahren in letzter Minute doch lieber zum Club statt zur SpVgg gewechselt ist. Aber als Marcus Feinbier gestern Nachmittag in den frühen Feierabend trottete, riss es selbst die etwas gesetzteren Anhänger auf der Haupttribüne des Playmobilstadions von den Sitzen. Der misstrauisch beäugte und als „Feindbier“ verspottete Neuzugang hatte in seinem ersten Heimspiel nur eine Stunde gebraucht, um die Herzen der Kleeblatt-Fans zu erobern.
Schon vor zwei Wochen, beim 3:0- Pokalsieg in Aue, hatte der 33-Jährige einen Einstand nach Maß erwischt und auf Anhieb getroffen. Aber über dieses Spiel redet schon heute niemand mehr. Das 7:1 über Alemannia Aachen geht dagegen in die Geschichte ein, als der höchste Zweitliga-Sieg der Fürther Neuzeit. In den 70er Jahren hatte es mal ein 8:1 über Hessen Kassel gegeben, aber das war noch vor der Fusion mit dem TSV Vestenbergsgreuth gewesen.
„Denkwürdig“ fand auch Jörg Berger die Partie. Sichtlich geschockt attestierte der Gästetrainer seiner Mannschaft „eine Fülle von individuellen Abwehrfehlern, wie ich sie so im bezahlten Fußball noch selten gesehen habe“. Erik Meijer, Schütze des Ehrentreffers war mindestens genauso konsterniert. Noch lange nach dem Schlusspfiff saß der 34-jährige ehemalige Bundesliga-Stürmer auf Bergers Trainerstuhl und stierte ins Nichts. Er konnte es einfach nicht glauben, dass die mit Routiniers gespickte Alemannia derart unter die Räder gekommen war.
Dabei hatte der Vortrag der Fürther nichts Brutales. Im Gegenteil: Die Hausherren zelebrierten die hohe Kunst des Tempofußballs, kamen konsequent über die Flügel und nutzten - was nicht immer so war - ihre Möglichkeiten auch aus. Allein das 1:0 wäre das Eintrittsgeld wert gewesen. Reichel lupfte den ruhenden Ball über die Mauer zu Feinbier, und wahrscheinlich hätten die meisten seiner Kameraden das Leder aus der Drehung über die Tribüne geballert, aber der neue Sturmführer der SpVgg ist ganz offensichtlich aus einem anderen Holz geschnitzt. Konzentriert und cool setzte der Torjäger das Leder unter die Latte. Die Standardsituation hatten Reichel und Feinbier am Vortag im Abschlusstraining geübt. Und zwar genau ein Mal.
Ein Traumpass von Caillas über 35 Meter leitete das 2:0 durch den wie Feinbier überragend spielenden Ruman ein. Ab Mitte der zweiten Halbzeit hatte die Alemannia Oberwasser. Und es war beileibe kein Zufall, dass der nimmermüde Meijer den Anschlusstreffer markierte. In dieser Phase hätte die Partie auch kippen können.
Aber nicht zuletzt dank Feinbier befiel die Jungen bei der SpVgg diesmal eben nicht das große Flattern. „Die Mannschaft ist jung und hungrig, die will rennen“, erkannte der Ex-Ahlener. Wie es aussieht brauchte sie einen wie Feinbier, um die Dynamik in die richtigen Bahnen zu lenken. Von Ruman 20 Meter vor dem Tor angespielt, fackelte der Neue nicht lange und platzierte den Ball gekonnt ins lange Eck.
Der Rest war aus Aachener Sicht ein „Debakel“ (Jörg Berger) und aus Fürther eine furiose Ouvertüre für das Franken-Derby am kommenden Montag. „Petr der Große“ Ruman durfte noch zwei Mal mit dem Kopf vollstrecken und dann ebenfalls ausruhen.
Tore fielen trotzdem noch. Und selten ist ein Trainer vor Freude über ein 6:1 und ein 7:1 so herumgehüpft wie SpVgg-Trainer Eugen Hach. Christian Eigler, das junge Talent, das einige Wochen durch ein erstes Karrieretief gegangen war, bewies nach seiner Einwechslung eindrucksvoll, dass auch er noch treffen kann.
Hinterher gab sich Hach Mühe, die Erwartungen der Fans zu dämpfen. Er habe natürlich immer gewusst, was in seinem Team steckt, aber man dürfe den Sieg „nicht überbewerten“. Mehr gab es aus seiner Sicht nicht zu sagen. Und so war es am Mann des Tages, die Marschrichtung für das anstehende Gastspiel im Frankenstadion vorzugeben. „Mit breiterer Brust“, stellte Marcus Feinbier fest, „kann man gar nicht zum Club fahren.“

Kurt Heidingsfelder

SpVgg Greuther Fürth: Neuhaus - Westermann, Weber, Kleine, Birk - Surmann, Reichel, Inceman (59. Heller), Caillas - Feinbier (64. Eigler), Ruman (66. Burkhardt) - Trainer: Eugen Hach
Alemannia Aachen: Straub - Landgraf, Klitzpera, Lanzaat (18. Bediako), Blank - Mbwando (36. Bayock), Grlic, Michalke (46. D. Brinkmann) - Pflipsen - Krontiris, Meijer - Trainer: Jörg Berger
Tore: 1:0 Feinbier (6.), 2:0 Ruman (10.), 2:1 Meijer (17.), 3:1 Feinbier (34.), 4:1 Ruman (40.), 5:1 Ruman (60.), 6:1 Eigler (73.), 7:1 Eigler (89.)
Schiedsrichter: Frank (Hannover)
Zuschauer: 5510
Gelbe Karten: Weber
Gelbe Karten (Gast): Grlic
Ist uns ein Fehler unterlaufen oder könnt Ihr weitere Informationen geben?
Dann schreibt uns bitte eine E-Mail!
« zurück