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Saison 1974/1975
7. Spieltag - Sa., 14.09.1974, 15:30 Uhr
SpVgg Fürth - FC Schweinfurt 05
0:1 (0:1)

„Von einem Nationalspieler muß man doch erwarten können", zürnte Fürths Präsident Dr. Helmut Röllinger dem neuen Schweinfurter Star Lothar Emmerich, „daß er ehrlich ist und eine Unsportlichkeit eingesteht". Die „Emma" in der Rolle des untadeligen Sportsmannes — als Edelmann? Das ist einfach zuviel verlangt! Emmerich, der Junge aus dem Ruhrpott, ist mit allen Wassern gewaschen. Ein ausgekochter Fußball-Profi mit einem großen Repertoire an Mätzchen, die er auch auf seine alten Tage zum Besten gibt. Während sich der frühere Dortmunder nach dem 1:0-Erfolg im Ronhof von seinen Fans mit Sprechchören feiern ließ, saßen die „Kleeblatt"-Kicker noch mit versteinerten Mienen in der Kabine. Für sie war eine Welt zusammengebrochen, weil eine unglaubliche Einlage von Emmerich ihnen den K.o. verpaßt hatte.
Die Szene, die sich in der 38. Minute abgespielt hatte und anschließend für Tumulte auf den Rängen und Hektik auf dem grünen Rasen sorgte: Als Torhüter Peter Löwer einen Abschlag vollziehen wollte, rempelte ihn der Gäste-Linksaußen, schlug ihm mit der Hand den Ball aus der Hand und schoß ein. Herr Roß, der energische Schiedsrichter aus Ingolstadt, hatte nichts gesehen, weil er dem Ort des Geschehens den Rücken zukehrte. Er hielt auch nichts von dem geflügelten Wort „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß", sondern erkannte diesen irregulären Treffer an. Er verließ sich voll und ganz auf seinen Linienrichter, der aus unerklärlichen Gründen zur Mitte zeigte.
Danach war der Unparteiische nur noch ein einziges Nervenbündel, verteilte großzügig gelbe Karten und entdeckte plötzlich seine Liebe für das „Kleeblatt". Die Krönung des Ganzen versagte er sich jedoch: Er pfiff nicht — wie man es erwarten mußte — einen Elfmeter für die von ihm zuvor mächtig bestraften Fürther. Ein wahrlich mutiger Mann, dieser Herr Roß!
Im Lager der Spielvereinigung sollte man es sich nicht leicht machen und die Schuld an der Niederlage nur in diesem irregulären Treffer zu sehen. Trainer Hoffmanns Meinung „wir hätten heute bestimmt gewonnen" ist reine Hypothese. Von Profis — und das sind die Kicker der 2. Bundesliga — muß man erwarten, daß sie einen derartigen Schlag wegstecken und in der Lage sind, das Steuer noch herumzureißen. Immerhin hatten die Fürther dazu noch 52 Minuten (also fast eine Stunde) Zeit dazu.
Niemand wird ihnen anlasten, daß sie sich nicht quälten. Denn sie kämpften und rackerten — aber bei derartigen Bemühungen darf man den Kopf nicht ausschalten. Bergmann & Co. rannten gegen die Schweinfurter Abwehrmauer blindwütig an. Aber mit Pfeil und Bogen läßt sich ein Bollwerk eben nicht schleifen. „Keiner meiner Stürmer warf sich entschlossen in den gegnerischen Strafraum", klagte Fred Hoffmann zu Recht. Vor allem die Flügelstürmer Heubeck und Hofmann waren keine Angriffsspitzen, sondern nur stumpfe Waffen. An ihren konsequenten Gegenspielern Stosberg bzw. Thaumüller kamen sie kaum einmal vorbei. Wäre nicht Mittelstürmer Bopp gewesen, hätte die Gästedeckung auf dem Ronhof-Rasen ein Picknick veranstalten können. Dem ehemaligen Regensburger war Fortuna jedoch nicht hold. 21. Minute: Nach einem gekonnten Solo läßte er einen scharfen Schuß los. der vom Lattenkreuz ins Feld zurückspringt.
Die bisherige Bilanz mit vier erzielten Treffern — erfolgloser war kein anderes Team — spricht eindeutig gegen den Fürther Sturm. Und deshalb will Fred Hoffmann am nächsten Wochenende beim Derby mit dem 1. FCN erstmals den an Meniskus operierten Dennerlein einsetzen. Wunderdinge sollte man freilich von ihm nicht erwarten, denn die ganze Misere hat noch einen anderen Grund: Die Abwehrspieler verzögern das Abspiel. Anstatt den Sturm blitzschnell mit langen Pässen zu füttern, betätigen sie sich als Postboten. Und wenn sie den Ball dann endlich abspielen, hat sich die gegnerische Deckung längst formiert, muß der eigene Angriff zwangsläufig schlecht ausschauen.
In dieser Hinsicht lagen alle Vorteile eindeutig auf seiten der Schweinfurter, die unter ihrem neuen Trainer Istvan Sztani erhebliche Fortschritte gemacht haben. Wenn sie auch nur mit zwei Spitzen operierten — vorne lauerten Skrotzki und Emmerich —, waren sie trotzdem äußerst gefährlich. Fürths Verteidiger Klump zog sich im großen und ganzen gegen die ..Emma" recht gut aus der Affäre. Wie im vergangenen Jahr gegen Helmut Haller benötigte er dazu eine große Portion Härte. Daß er dafür nicht die gelbe Karte gezeigt bekam, verdankte er nur dem Großmut von Schiedsrichter Roß der bei anderen Akteuren geradezu kleinlich war.
Zuverlässigkeit muß man der Deckung der Ronhöfer schon bescheinigen. Ammon und Torhüter Löwer waren sicher, und Schöpe hatte mit dem zurückgezogen operierenden Torjäger Seubert ebenfalls keine Probleme. Lediglich Schülke mußte auf Rechtsaußen Skrotzki höllisch aufpassen. Erneut leistete er wieder ein großes Laufpensum.
Das Kardinalproblem aber ist — auch wenn man es im Ronhof nicht wahrhaben will — das Mittelfeld. Was ist nur mit Unger und Bergmann los? Sie sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Beide gewinnen nur selten einen Zweikampf und sind überhaupt nicht mehr torgefährlich. Da waren auf der Gegenseite Aumeier. Rodekurth und der kleine Raubold schon aus einem anderen Holz geschnitzt. Aber auch Neuzugang Lausen vollbringt im Mittelfeld keine Wunderdinge, dürfte in der Verteidigung doch stärker zu sein.
4:10 Punkte lautet die Bilanz der gut gestarteten "Kleeblättler" jetzt. Und nach vier hintereinanderfolgenden Niederlagen droht jetzt die nächste: Am kommenden Samstag steigt im Nürnberger Stadion das Lokalderby gegen einen Club, der durch den klaren Auswärtssieg in Heilbronn wieder Selbstvertrauen gewonnen haben dürfte. Fred Hoffmann, der um seine Aufgabe nicht zu beneiden ist, geht bestimmt nicht mit jenem Fan einig, der nach dem Ende lässig feststellte: "Was soll"s? Da müssen wir jetzt halt den schwachen Club packen."

SpVgg Fürth: Löwer - Klump, Schöpe, Ammon, Schülke - Lausen, Bergmann, Unger (69. Detsch) - Heubeck, Bopp, Hofmann (69. Popp) - Trainer: Alfred Hoffmann
FC Schweinfurt 05: Dramsch - Thaumüller, Pöhnl, Brunnhuber, Stosberg - Raubold, Rodekurth, Aumeier - Skrotzki, Seubert, Emmerich - Trainer: Istvan Sztani
Tore: 0:1 Emmerich (37.)
Schiedsrichter: Roß (Ingolstadt)
Zuschauer: 7000
Gelbe Karten: Bopp, Schöpe
Gelbe Karten (Gast): Aumeier, Stosberg
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