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Saison 1974/1975
9. Spieltag - Sa., 28.09.1974, 15:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1860 München
0:1 (0:0)
Es war einmal ... ein weltbekannter Dompteur, der mit seiner stattlichen, gut dressierten Löwentruppe im Rampenlicht stand. Ein kurzer Peitschenknall, „allez hopp" — die Löwen bissen, brüllten, zermalmten alles zwischen ihren scharfen Zähnen. Dann verließ der Löwen-Bändiger seine Truppe, die alten Löwen machten Platz für jüngere, neue Dompteure schwangen die Peitsche, die Dressurakte gingen immer häufiger schief. Nach vielen, vielen Jahren kehrte der alternde Löwen-Bändiger zurück, aus dem Weltunternehmen war inzwischen ein mittlerer Wander-Zirkus geworden, man spielte meist nur noch vor kleineren Häusern. Schwierige Kunststücke mißlangen. Am Samstag gastierte nun der alte Dompteur mit seiner Truppe in Fürth. Die jungen Löwen, mehr Kätzchen gleich, brüllten selten, bissen kaum, doch die vorgesetzten Kleeblätter verspeisten sie allemal mit Genuß. — Ein Märchen für Fußball-Freunde: und wenn sie nicht gestorben sind, dann ... und wenn der Schiedsrichter nicht abgepfiffen hätte, würden die Fürther wahrscheinlich noch heute versuchen, aus der 0:1-Niederlage gegen die Münchner Löwen wenigsten noch ein Remis zu machen.
„Glücksgöttin Fortuna" ärgerte Fred Hoffmann und seine Schützlinge in den letzten Wochen des öfteren: ein dubioses Emmerich-Tor gegen Schweinfurt (0:1), ein nicht — gegebener Bopp-Treffer gegen den Club (0:2). Unter dem Strich sechs Punktspiele ohne Erfolg, eine Bilanz, die den Fürther Fans schon heute kalte Abstiegsschauer über den Rücken laufen läßt.
Dieses Mal spielten übrigens zwei aus den Fürther Reihen Schicksal und ihren Mannschaftskameraden üble Streiche: Peter Löwer, der das „Tor des Tages" durch Keller alleine auf dem Gewisesn hat und Erich Unger, der einen Elfmeter nicht an dem glänzenden Hartmann — vorbei ins Netz brachte. Schade, die Talfahrt ging ohne Zwischenstation weiter und momentan ist noch keine Spielerpersönlichkeit in Sicht, die — ein Netz aufspannt um den drohenden Fall zu bremsen.
Um beim Beispiel der „Löwen" zu bleiben. So richtig zupacken. kann derzeit von den Münchnern noch keiner, dazu sind ihre „Beißerchen" zu stumpf. Das gilt für die Außen Metzger und Schuberth genauso wie für Mittelstürmer Ferdl Keller. Die beiden Mittelfeldspieler Jan Nielsen und Fredi Kohlhäufl „brüllten" wenigstens so dann und wann "furchterregend". Der 32jährige „verlorene Sohn" Hansi Reich, der zu — „Papa Max" zurückkehrte, ist bestimmt kein Libero der den Fußballfreund mit der Zunge schnalzen lässt, aber zumindest ein umsichtiger Lenker. Das darf man leider von Hans-Jürgen Ammon nicht behaupten, so kommentierte dann auch Trainer Hoffmann verärgert: „Er muß sich endlich umstellen, an das moderne Libero-Spiel anpassen.
Apropos „modernes Spiel: bei den Landeshauptstädtern waren zumindest Ansätze dazu erkennbar: das Spiel ohne Ball lief recht ordentlich, die profihalt kämpferische Einstellung fiel auf, so dann und wann durften sogar die Flügelstürmer steilen Pässen nachflitzen. Am gegnerischen Strafraum stümperte man aber dann doch meist vor sich hin. Hundertprozentige Chancen boten sich in dem gesamten Treffen wohl nur Ferdl Keller. Einmal versagte er kläglich, einmal traf er den Pfosten (88.), und einmal unterstützte ihn Peter Löwer erfolgreich.
So fiel das „goldene Tor" in der 50. Minute: In halblinker Position legte sich Schorsch Metzger den Ball zurecht, läuft an und knallt ihn aus 20 Metern über Freund und Feind hinweg auf das lange Toreck, Löwer klatscht nur ab. Keller reagiert am schnellsten und staubt zum 1:0 ab.
Fred Hoffmann nahm seinem Keeper den verhängnisvollen Fehler deshalb besonders übel, „weil das nun schon das fünfte Löwer-Tor in dieser Saison war". Gegen 1860 unterlief Löwer dreimal Flanken und Eckbälle, einmal wehrte er zu kurz ab. Die Konsequenzen aus diesem Versagen will Hoffmann schnell ziehen: „Gegen Hof steht Wolfgang Hillmann im Tor. Der Peter braucht eine Pause, er ist auch nervlich fertig."
Schlich Löwer mit hängendem Kopf vom Feld, so jubelte Löwen-Schlußmann Hartmann: „Wir wollten nur einen Punkt, das ist ja toll, daß wir nun beide Zähler entführt haben. Mit meiner Leistung bin ich natürlich zufrieden." Zweifellos war Hartmann der „Held des Tages". Mit einer Glanzparade tötet er den Unger-Elfmeter in der 65. Minute. Gerade in dieser haarigen Situation zeigten die „grünen Jungs" aus München, daß ihnen „Peitschen-Max" doch einige Tricks beige-bracht hat. Sie verzögerten, protestierten, verzögerten, schlugen den Ball weg, protestierten . . . Bei Schütze Unger stieg die Nervosität Fred Hoffmann kniete neben der Trainerbank, schickte wohl ein Stoßgebet gen Himmel und schlug sich Sekunden später verzweifelt die Hände vor das Gesicht. Hartmann flog bei dem plazierten Schuß in die richtige Ecke und hielt das Leder mit eisernem Griff fest.
Ein Unglück kommt selten allein, denn Bergmann schied nach der Situation, die zum Elfmeter (Merkel: „Er war nicht berechtigt.") führte, aus. Für ihn kam Heinlein, nachdem bereits in der 42. Minute Schöpe den verletzten Schülke abgelöst hatte.
Doch auch die Neuen brachten nicht mehr Linie ins Spiel als vorher Bergmann in Koproduktion mit Bopp. Erich Unger pendelte zwischen Mittelfeld und der Position als zweite Angriffspitze. Mittelstürmer Bajlitz wirkte antrittsschwach und stumpf, kam bei Kopfbällen nicht vom Boden weg und zog seine wenigen Schüsse am Tor vorbei. Die beiden Außen Heubeck und Hoffmann gaben den Löwen-Verteidigern Lubanski und Luxi weniger Rätsel auf, als auf der Gegenseite Keller dem Fürther Lausen.
Ein paar flotte Kombinationen auf beiden Seiten, wenige steil angelegte Konter der Gäste, einzelne Zweikämpfe mit Pfeffer. Viele, viele Handwerker — kein Künstler. Zuwenig Niveau für ein Spiel der 2. Fußball-Bundesliga. 
SpVgg Fürth: Löwer - Schülke (41. Schöpe), Lausen, Ammon, Klump - Bopp, Bergmann (64. Heinlein), Unger - Heubeck, Bajlitz, Hofmann - Trainer: Alfred Hoffmann
1860 München: Hartmann - Lubanski, Kohlhäufl, Reich, Luxi - Starzak, Nielsen, Kauf - Metzger, Keller, Schuberth - Trainer: Max Merkel
Tore: 0:1 Keller (50.)
Schiedsrichter: Grether (Grenzach)
Zuschauer: 7000
Gelbe Karten (Gast): Keller
Besondere Vorkommnisse: Hartmann hält Foulelfmeter von Unger (65.)
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