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Saison 1974/1975
11. Spieltag - So., 13.10.1974, 14:30 Uhr
SpVgg Fürth - FC Augsburg
3:0 (1:0)
Erstes Spiel von Viggo Jensen
 

Im Ronhof atmet man auf. Nach acht Spieltagen, die zwei Unentschieden und sechs Niederlagen in einer Folge gebracht hatten, gewann die SpVgg Fürth nach einem teilweise dramatischen Spiel gegen den Südmeister and Mitfavoriten FC Augsburg beinahe sensationell mit 3:0 (1:0) Toren.
Was sich bereits beim 1:1 in Hof vor einer Woche abgezeichnet hatte, fand gestern bei der SpVgg Fürth eine Fortsetzung, nicht nur in kämpferischer, sondern auch in spielerischer Beziehung.
Natürlich waren die gut 9000 Zuschauer auf die beiden Neuen besonders gespannt. Der Däne Viggo Jensen erfüllte auf Anhieb alle Erwartungen, war schnell, hart im Zweikampf und verriet gute Übersicht. Er bedeutet zweifellos eine Verstärkung des Kleeblatt-Teams. Wolfgang Ruhdorfer, auf dem ungewohnten Platz als Rechtsaußen — für ihn mußte der in den letzten Wochen enttäuschende Heubeck auf die Reservebank — begann ausgesprochen schwach, brauchte längere Zeit, Bindung zu finden, steigerte sich jedoch im zweiten Spielabschnitt unerwartet. Auch mit ihm darf in Zukunft gerechnet werden.
Der sein viertes Punktespiel für Fürth absolvierende Paul Baijlitz wurde zum Matchgewinner. Sein frühes Tor, ein Flugkopfball nach einer präzisen Flanke des nach vorne gestürmten Lausen, brachte dem nervlich arg strapazierten Fürther Team ein gewisses Maß an Sicherheit. Unerhört scharf schoß Baijlitz in der 75. Minute, als Höbusch den für den verletzten Ammon ins Spiel gekommene Unger gefoult hatte, den Freistoß zum zweiten Fürther Treffer flach ins Netz. Das letzte Tor, ein scharfer Bopp-Schrägschuß, hätte Hauser verhindern können. Offenbar hatte er einen Flankenball erwartet.
Die Spielanlage der Augsburger wurde bald klar: aus verstärkter Abwehr heraus — Walleitner mit der Nummer 10 auf dem Rücken spielte Libero —, während Höbusch sich immer wieder mit in das Angriffsspiel einschaltete. Helmut Haller, von Helmut Klump eng gedeckt und mitunter hart attackiert, leistete sich zwar an seinem Bewacher ein böses Foul, glänzte aber einmal mehr mit unerreichter Ballbehandlung und großartiger Übersicht. Da verzeiht man selbst einen Ausrutscher.
Die Augsburger waren ohne Sturmtank Obermeier erschienen und spielten mit nur zwei Angriffsspitzen, Jörg und Hoffmann. Doch diese beiden Kampfkarten stachen nicht. Jensen deckte Jörg derart zu, daß er nach einer guten Stunde von Weixler abgelöst werden mußte. Der Ex-Münchner Hoffmann hatte meist dem „Laufwunder" Schülke (wo nimmt dieser 32jährige Mann die Kraft und die Luft her) hinterherrennen müssen.
Eine Entdeckung auf Fürther Seite: als der diesmal sehr aufmerksam und umsichtig spielende Ammon nach einer Stunde verletzt ausschied, überraschte der sehr aktive Bergmann mit einer grundsoliden Leistung als „letzter Mann". Hofmanns Schnelligkeit machte dem Ex-Mönchengladbacher Michallik - mehr zu schaffen, als diesem lieb sein konnte. Hillmann, erneut für Löwer im Fürther Tor, wurde nicht allzu hart geprüft. Als er einmal einen Flankenball verfehlte, hatte er Glück, daß Ruhdorfer auf der Linie rettete. Auch Schülke mußte einmal mit einem Kopfball einem Vöhringer-Schuß den Weg ins Tor versperren.
Die Augsburger wirkten gegenüber der neuformierten Fürther Elf zuerst homogen
Nicht zu übersehen war, daß etwa von der 25. Minute an bis zur Pause die Augsburger dank Ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit — sie wirkten gegenüber der neu formierten Fürther Elf naturgemäß auch homogener — im Mittelfeld ein klares Plus hatten, jedoch an der aufopfernd kämpfenden Heimmannschaft scheiterten, der diesmal endlich auch Fortuna einen gewissen Beistand leistete. Nach der Pause kam die Wende zugunsten der Platzherren. Mit zunehmender Spieldauer setzten sich die Kleeblättler immer mehr durch. Augsburgs Torwart Hauser mußte bei einem Jensen-Schuß, nach einem Unger-Solo und schließlich auch nach einer „Granate" von Baijlitz sein ganzes Können aufbieten, Schlimmeres .zu verhüten.
Schiedsrichter Berner leitete insgesamt zufriedenstellend, war allerdings überaus schnell mit „gelben" Karten bei der Hand. Es schien, als hätte er den Spielern absolutes Sprechverbot erteilt.
Kein Zweifel, der erste Heimsieg wird das Selbstvertrauen der Spielvereinigung stärken. Zu Euphorie besteht allerdings keinerlei Anlaß, das zeigt bereits ein Blick auf die Tabelle. Es wird ein erbittertes Ringen um den Klassenerhalt geben. Bereits am nächsten Sonntag müssen die Kleeblättler zum Tabellennachbarn Stuttgarter Kickers. Rudi Kröner, der neue Coach vom Degerloch, war im Ronhof aufmerksamer Beobachter. Auch Borussia Dortmund (der frühere Europapokalsieger trifft in zwei Wochen im Rahmen des DFB-Pokals im Ronhof auf die Fürther) hatte einen Kundschafter entsandt. Am Rande: Schatzmeister Max Wießmeier hatte an seinem Geburtstag zweifachen Grund zur Freude: Einmal war es der erste Heimsieg der Fürther, zum anderen konnte er die höchste Einnahme der bisherigen Spielzeit verbuchen.
Ein Aufwärtstrend war gestern bei der SpVgg Fürth zweifelsohne feststellbar. Trainer Fred Hoffmanns Mut, mit Heubeck, und Unger zwei Stammspieler nicht zu nominieren, wurde belohnt. Allerdings macht eine Schwalbe längst noch keinen Sommer. Viel Schweiß wird im Ronhof noch fließen müssen, ehe die Mannschaft ein einigermaßen sicheres Ufer erreicht hat.
 
SpVgg Fürth: Hillmann - Klump, Lausen, Ammon (59. Unger), Jensen - Schülke, Bopp, Bergmann - Ruhdorfer, Bajlitz, Hofmann - Trainer: Alfred Hoffmann
FC Augsburg: Hauser - Michallik (65. Killmaier), Schuhmann, Höbusch, Fink - Haug, Haller, Walleitner, Vöhringer - Jörg (71. Weixler), Hoffmann - Trainer: Milovan Beljin
Tore: 1:0 Bajlitz (4.), 2:0 Bajlitz (76.), 3:0 Bopp (84.)
Schiedsrichter: Berner (Enzberg)
Zuschauer: 10000
Gelbe Karten: Ammon, Bopp, Klump, Schülke
Gelbe Karten (Gast): Haller
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