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Saison 1974/1975
15. Spieltag - So., 17.11.1974, 14:30 Uhr
SpVgg Fürth - VfR Heilbronn
1:3 (0:2)

Nach den guten Leistungen in Mainz und Dortmund winkte den Spielern der SpVgg Fürth gestern nachmittag eine happige Super-Prämie. Doch nach einer gleichermaßen unnötigen wie blamablen 1:3-Heimschlappe gegen den VfR Heilbronn fiel die „Weihnachts-Grati" ins Wasser. Im Gegenteil: die lustlos wirkenden Profi-Kicker vom Ronhof werden zur Kasse gebeten. Spielausschuss-Vorsitzender Gerhard Linz erklärte nach dem Schlusspfiff verärgert: „Jeder Spieler hat eine Geldstrafe von 300 Mark zu bezahlen!" Und Trainer Fred Hoffmann nickte beifällig: „Ich schäme mich, dem Publikum so eine Truppe präsentieren zu müssen."
Die Akteure schlichen mit hängenden Köpfen vom Platz und die Verantwortlichen kochten vor Wut. Sie hatten auch allen Grund dazu, denn die mangelnde taktische Disziplin und der fehlende Kampfgeist des gesamten Kleeblatt-Ensembles waren kaum noch zu überbieten. Die Gäste agierten klug, spielten keinen einfallslosen Hauruck-Defensivfußball, wie das so viele Teams auf fremden Plätzen praktizieren. Bei den schnellen VfR-Kontern ähnelte die Abwehr der Franken oft einem Stück Emmentaler.
Die Löcher wurden deshalb besonders augenfällig, weil die Franken fast alle Zweikämpfe klar verloren. Die Heilbronner liefen schnller, nutzten den freien Raum und fingen mit einer gehörigen Portion Kampfgeist zu Werke. Gerade der fehlte den Platzherren und diese mangelnde Profi-Moral nahmen die 5000 Zuschauer ihrer Mannschaft natürlich sehr übel.
Doch auch mit einem orkanartigen Pfeifkonzert zur Pause rüttelten sie die Spieler nicht wach. Als Bajlitz in der 73. Minute das 1:3 erzielte und Schiedsrichter Engelhardt (Karlsruhe) den schon ermahnten Micic drei Minuten später wegen eines Handspiels
vorzeitig in die Kabinen schickte, wartete man vergeblich auf ein „kleines Fußball-Wunder". Die Hoffmann-Schützlinge agierten so saft- und kraftlos weiter, wie sie begonnen hatten.
Denn es dauerte eine gute halbe Stunde (!) ehe der ausgezeichnete Hrynda im VfR-Tor die erste ernsthafte Probe seines Könnens abgeben musste. Doch zu diesem Zeitpunkt lagen die Gäste schon mit 1:0 in Führung. Haaga, der im Mittelfeld immer für Druck und zwischen den beiden 16-Meter-Räumen überall für Verwirrung sorgte, zirkelte einen Freistoß gefühlvoll auf den Kopf von Krause und der verlängerte an Löwer vorbei ins Netz.
Spätestens nach diesem Tor mussten die Gastgeber merken, dass sie auf die Verliererstraße schlitterten. Doch besonders im Mittelfeld machten sich Bergmann, Unger und Heinlein einen gemütlichen Nachmittag. Heubeck, Bajlitz und Bopp ließen sich vorne die Bälle zu leicht abjagen, kombinierten manchmal bis zur Strafraumgrenze recht gefällig, waren dann aber an diesem Nachmittag mit ihrem Fußball-Latein am Ende.
Und in der Abwehr legten Ammon und Klump sowie Schülke oft ihren „Freischwimmer-Schein" ab, wenn der zurückhängende Außen Karlheinz Frey und Grimm bei schnellen Kontern immer wieder gefährlich vor dem Fürther Tor auftauchten. Jensen schien offensichtlich nichts mit der Spielweise Micic anzufangen zu wissen. Der Jugoslawe wechselte zwischen Mittelfeld und beiden Flügeln und der Däne rannte meist nur brav hinterher und baute zudem Abspielfehler, die einem Mann seiner Klasse einfach nicht unterlaufen dürfen.
Der zweite Schlag der Heilbronner kurz vor der Pause kam dann praktisch schon einem K.O.-Treffer gleich. 42. Minute: Haaga spaziert am 16-Meter-Eck durch die Deckung, gibt nach innen, Krause leitet zum sträflich freistehenden Grimm weiter und der bezwingt aus halblinker Position mit einem satten Spannschuss Löwer ein zweites Mal.
Die Standpauke Hoffmanns in der Halbzeit nützt genausowenig, wie der Wechsel im Mittelfeld. Ruhdorfer kommt für den angeschlagenen Unger, bringt aber auch keine zündenden Ideen in den Fürther „Schlafwagen-Fußball".
Die Heilbronner, vor dem Spiel Tabellennachbar der SpVgg, haben inzwischen längst den Respekt der Anfangsphase abgelegt. Grimm, Frey und Micic laufen zwar bei ihren schnellen Kontern oft ins Abseits, versuchen aber immer wieder aufs neue ihr Glück. Dann zeigt die Uhr die 60. Minute: Einen scharfen Schuss Güntners kann Löwer nicht festhalten und Micic bringt den abspringenden Ball im Tor unter. Zudem verletzt sich noch Peter Löwer bei seiner verunglückten Abwehr-Aktion. Mit einer Rückenprellung wird er vom Feld getragen.
Die Stimmung auf den Rängen, auf der Reservebank und auf dem Feld ist endgültig auf dem Nullpunkt. Wie so oft muß der Trainer für die katastrophale Vorstellung seiner Schützlinge büßen: „Hoffmann raus", brüllten die enttäuschten Fans.
Und doch kommt noch einmal etwas Hoffnung auf. Fünf Minuten, nachdem ein Schuss an den Heilbronner Torpfosten kracht, erzielt Bajlitz mit einem Flachschuss das 1:3 in der 74. Minute. Noch 17 Minuten Zeit, um wenigstens noch einen Punkt im Ronhof zu behalten! Doch die klarste Chance in der Schlussphase hat der Heilbronner Nachbar. Alleine kurvt er auf das Tor zu hebt den Ball über Hillmann, aber auch knapp am Pfosten vorbei.
Der bereits verwarnte Micic unterbindet in der 77. Minute einen der wenigen über die Flügel angelegten Kleeblatt-Angriffe mit einem Handspiel. Engelhardt zeigt die Rote Karte und Micic bekommt auf der Bank von seinen Kollegen harte Vorwürfe zu hören. Doch ein Mann mehr oder weniger, das fällt bei dieser aus allen Fugen geratenen Fürther Truppe an diesem Nachmittag überhaupt nicht ins Gewicht. Mühelos schaukeln die Heilbronner ihren unerwarteten 3:1-Erfolg nach Hause.
Fazit: Die SpVgg verlor nicht nur zwei wichtige Punkte, sondern auch viele Sympathien ihrer treuen Anhänger. Das schwere Mittwoch-Spiel in Dortmund ist vielleicht eine Erklärung für die schwachen Leistungen, sicher jedoch keine Entschuldigung für mangelnden kämpferischen Einsatz. Wenn Trainer Fred Hoffmann („Die Spieler haben mich im Stich gelassen") sein Team jetzt noch aus der mehr als prekären Situation herausführen will, muss er mit „eiserner Faust" regieren. Zuckerbrot scheinen die meisten seiner Kicker nicht zu vertragen — jetzt hilft nur noch die Peitsche . . .

SpVgg Fürth: Löwer (60. Hillmann) - Schülke, Klump, Ammon, Jensen - Heinlein, Bergmann, Unger (46. Ruhdorfer) - Heubeck, Bajlitz, Bopp - Trainer: Alfred Hoffmann
VfR Heilbronn: Hrynda - Güntner, Nachbar, Kubasik, Franz - Hägele, Krause, Micic - Grimm, Haaga, K.H. Frey - Trainer: Rudolf Faßnacht
Tore: 0:1 Krause (30.), 0:2 Grimm (42.), 0:3 Micic (60.), 1:3 Bajlitz (74.)
Schiedsrichter: Engelhardt (Karlsruhe)
Zuschauer: 5000
Gelbe Karten (Gast): Krause, Micic, Kubasik
Rote Karten (Gast): Micic (77.)
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