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Saison 1974/1975
19. Spieltag - Sa., 14.12.1974, 14:00 Uhr
SpVgg Fürth - VfR Mannheim
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Mit solch katastrophalen spielerischen und kämpferischen Leistungen vertreiben die Fürther Bundesliga-Kicker die letzten Zuschauer aus dem Ronhof. Nach 90 restlos enttäuschenden Minuten auf rutschigem Schneeboden und einem torlosen Remis gegen das Schlußlicht VfR Mannheim gab es nur lange Gesichter:
Trainer Fred Holtmann fühlte sich von den lustlosen Spielern wieder einmal im Stich gelassen. Die Zuschauer ärgerten sich, weil sie sich dieses höchstens auf mittlerem Bayernliga-Niveau stehende Spiel bei der Kälte überhaupt angetan hatten.
Die Verantwortlichen der Vorstandschaft blickten wenig hoffnungsvoll ins neue Jahr, das im Amateurlager enden könnte. Die schlechte Kasse bei nur 1500 Zuschauern hob zudem auch nicht gerade die Stimmung.
Allgemeiner Tenor: Gegen wen sollen wir überhaupt noch das nötige Punktepolster für den Klassenerhalt holen, wenn hier das Schlusslicht schon einen Punkt entführt.
Was als erstes bei den Fürthern geändert werden muß, soll der verfahrene Karren überhaupt noch aus dem Dreck gezogen werden, ist die Einstellung der einzelnen Akteure zu ihrem Sport. Zweitens müssen sich die Spieler darauf besinnen, dass Fußball ein Mannschaftssport ist, übertriebene Einzelaktionen oder technische Kabinett-Stückchen immer schön aussehen, manchmal auch angebracht sind, aber in einem Keller-Derby so lächerlich wirken wie ein Sinfonie-Orchester in einem Bierkeller. Drittens: Die Spieler sind vor dem Match immer sehr nervös, „da bin ich ja der reinste Seelendoktor", erzählte der SpVgg-Coach. Wenn das stimmt, sollten die Akteure dieses persönliche Engagement auch auf das Spielfeld umsetzen können.
Eine einzige gefährliche Szene in 45 Minuten vor dem gegnerischen Tor ist einfach zu wenig, wenn man die ganze Zeit den Gegner - zumindest optisch - klar beherrscht. Und diese Chance der Ronhöfer war dann nicht einmal herausgespielt. Paul Bajlitz donnerte in der zehnten Minute eine Freistoß-Granate über die Mannheimer Mauer und Torhüter Kraus ans Latten-Dreieck.
Vielleicht wäre das Fürther Spiel in der Folgezeit besser gelaufen, wenn ein schneller Treffer den Gastgebern mehr Sicherheit vermittelt hätte. Es wäre aber auch besser gelaufen, wenn man sich auf dem Schneeboden nicht immer im Klein-Klein-Spiel verzettelt, mehr Schüsse aus der zweiten Reihe gewagt und über weniger Stationen den Weg zum Tor gesucht hätte.
So etwas wie Gefahr kam nur noch einmal in den ersten 45 Minuten auf, als die Gastgeber in gut einer Minute sechs Elfmeter hintereinander herausholten. Unter dem Strich sprang dabei jedoch nichts heraus. Auch auf der Gegenseite brachte in der ersten Halbzeit ein Freistoß die meiste Gefahr. Der umsichtige Libero und Mannschafts-Kapitän Schwarzweller scheiterte jedoch in der 20. Minute an Peter Löwer.
Auch nach der Pause spulten die meisten Fürther Spieler ihren Stil ab, so mehr oder minder als eine Pflichtübung. Frei nach dem Motto: Irgendwann wird der Schiedsrichter schon einmal abpfeifen. In der 48. Minute verstolperte Bajlitz, der auf dem Schneeboden als großer schwerer Mann naturgemäß nur schlecht Stand fand, eine dicke Chance. Der Fürther Mittelstürmer war zwar keine Offenbarung, aber an diesem Nachmittag genügte eine mittelmäßige Leistung, um noch angenehm aufzufallen. Sehenswert zwei lange Pässe von ihm auf den rechten Flügel, mit denen die Empfänger aber nichts anzufangen wussten.
Lange Pässe schlugen leider weder Unger, noch Bergmann und Detsch. Letztere wurden später gegen Heinlein und Gerhard Bopp ausgewechselt. Neue Namen, aber das alte ideenlose Mittelfeldspiel.
Nach genau einer Stunde lag ein Fürther Tor förmlich in der Luft: fünf, sechs Fürther und ebensoviel Mannheimer sind im Strafraum versammelt, immer wieder kommt ein Ronhöfer an den Ball, stolpert, schlägt drüber, rutscht weg, ein Abwehrbein ist dazwischen. Mit einem schwachen Schuss bereinigt dann Bajlitz die Situation.
Wesentlich mehr Mühe hat Torhüter Kraus eine gute Viertelstunde vor Schluss, als ihm der Fürther Mittelstürmer mit einer Granate zur schönsten Abwehr-Parade des Tages zwingt. Nach und nach werden die Gäste dann frecher. Von Detterer angekurbelt, kommen sie jetzt plötzlich immer öfter in Strafraum-Nähe und in der 84. Minute unterbricht dann Savic den gemütlichen Nachmittag von Peter Löwer. Geradezu hilflos sehen Lausen und Ammon zu als Meier und Savic auf das SpVgg-Gehäuse zustreben. Meier bedient Savic, der umspielt noch Löwer, der Winkel ist aber zu spitz und so muss er ein Stück zurücklaufen. Statt den freistehenden Meier in der Mitte zu bedienen, versucht der Jugoslawe den Ball ins kurze Eck zu ziehen. Glück für Fürth, dass Löwer noch abwehren kann. Ein Treffer hätte an diesem Nachmittag unweigerlich die Fürther Niederlage besiegelt.
Denn auch in der Schlussphase ging nicht mehr der berühmte Ruck durch die Mannschaft. Man fand sich mit seinem Schicksal ab, ohne noch einmal bedingungslos zu fighten. Und das ärgerte wohl die enttäuschten SpVgg-Fans noch am meisten. Sicher ist es auch kein Trost für sie, dass Trainer Fred Hoffmann nachdem Spiel versprach: „Im Nachholtreffen gegen Saarbrücken am Mittwoch holen wir den heute verlorenen Punkt."
SpVgg Fürth: Löwer - Klump, Lausen, Ammon, Jensen - Detsch (83. Bopp), Bergmann (68. Heinlein), Unger - Heubeck, Bajlitz, Hofmann - Trainer: Alfred Hoffmann
VfR Mannheim: Kraus - Rösel, Ziegler, Schwarzweller, Keuerleber - Schmitt, Diringer, Detterer - Mattes (58. Somnitz), Savic, M. Grunert (68. Meier) - Trainer: Hermann Jöckel
Schiedsrichter: Hellwig (Niestetal)
Zuschauer: 1600
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