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Saison 1974/1975
23. Spieltag - Sa., 15.02.1975, 15:00 Uhr
SpVgg Fürth - Waldhof Mannheim
2:0 (1:0)
War es nur eine Eintagsfliege oder trotz der kühlen Temperaturen das Frühlingserwachen im Fürther Ronhof? Die Verantwortlichen der Spielvereinigung jedenfalls waren nach dem unerwarteten 2:0-Erfolg über Chio Waldhof überzeugt davon, daß für sie und die Truppe der Lenz ausgebrochen ist.
Und Trainer Fred Hoffmann wird es dem Funkreporter Ludwig Maibohm sicherlich verzeihen, daß dieser seine Pose nach dem Schlußpfiff als Auftritt eines siamesischen Tempeltänzers geschildert hatte. Jubel, Umarmungen und Tränen der Freude — all das drückte deutlich aus, mit welchen Ängsten die „Kleeblatt"-Lizenzkicker nach erfolglosen Wochen in diese Partie gegangen waren. Jetzt ist man erst einmal die „rote Laterne" los und darf aufgrund der hervorragenden Leistung auf eine bessere Zukunft hoffen. Vorausgesetzt natürlich, daß Bergmann & Co. diesen Elan beibehalten.
Wachsbleich hatte Trainer Hoffmann noch vor dem Anpfiff seinen Schützlingen geraten, um alles in der Welt nicht den als Innungsmeistern der „Maurerinnung" verschrieenen Mannheimern ins offene Messer zu laufen und kein Kontertor einzufangen. Ein Rezept, das nicht nur angebracht war, sondern erfreulicherweise auch strikt befolgt wurde. Fürth spielte konzentriert und gab sich anfangs keine Blöße. Im Gegenteil: In der 25. Minute fiel das 1:0. Mittelfeldspieler Bopp jagte einen von Jensen vorgelegten Freistoß aus etwa 20 Metern unhaltbar in das von Ex-cluberer Pradt hervorragend gehütete Waldhof-Tor.
Die Reaktion darauf: Alle Spieler mit dem Kleeblatt auf der Brust wirkten plötzlich so, als hätte man ihnen einen Zentnersack von der Schulter genommen. Sie agierten freier — und auch frecher. Und sie schössen endlich einmal aus allen Rohren. Leider zumeist nur ungenau. Trainer Fred Hoffmann raufte sich in der 38. Minute verzweifelt die Haare, als Linksaußen Hofmann in der 38. Minute einen Abpraller von Pradt nicht im leeren Tor unterbrachte. Ein 2:0 vor der Teepause hätte die kampfkräftigen Gäste vermutlich demoralisiert.
So aber mußten alle jene Leute auf den Rängen, die den „Kleeblättlern" noch Anhänglichkeit entgegenbringen, lange Zeit zittern. Denn die Waldhöfer setzten nach der Pause — wie zu erwarten war — noch einmal alles auf eine Karte. „Wir mußten ja etwas tun, um uns gegen die drohende Niederlage zu wehren", meinte ihr Trainer „Fips" Rohr. Doch die Künste seines Angriffes sind nicht halb so gut wie die der Deckung.
Gewiß hatten die Mannheimer einige gute Gelegenheiten, doch bei den Fürthern stand ein hervorragender Peter Löwer zwischen den Pfosten. Und vor ihm lieferte Libero Bernhard Bergmann eine überragende Partie.-, Trainer Hoffmann war von seiner Leistung so angetan, daß er danach in Richtung seines entlassenen Stamm-Ausputzers Jürgen Ammon schwere Geschütze obfeuerte: „Heute hätte er sehen können, wie man Libero spielen muß."
Bergmann mit seiner Technik, seiner Übersicht und seinem Laufvermögen war die Trumpfkarte der Spielvereinigung, er stellte alle anderen Akteure in den Schatten. Aber auch seine Kameraden zerfleischten sich schier vor Ehrgeiz und überzeugten voll und ganz. Nach diesen 90 Minuten muß man die glänzenden Kritiken der letzten Auswärtsspiele als berechtigt anerkennen.
Entscheidend in diesem Schlüsselspiel, die großartige Leistung von Verteidiger Klump. Er deckte den gefährlichen Torjäger Bartels so zu, daß dieser bald resignierte und schließlich sogar von seinem Trainer vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. Unger, der einige Tage von einer Grippe geplagt war, rackerte im Mittelfeld ungemein. Immer wieder ging er sogar in die Spitze und sorgte damit für Unruhe in der stärksten Deckung der zweiten Liga Süd.
Schrodt und später Duttenhofer bisseh sich an ihm die Zähne aus und konnten seinen Aktionsradius niemals entscheidend einengen. Der einzige Abstrich an Unger: In manchen Szenen sah er den freistehenden Mitspieler nicht und zerrieb sich in kräftezehrenden Zweikämpfen.
Traine Hoffmann war jedenfalls gut beraten, daß er lange Zeit die unsinnigen Auswechslungsrufe von den Rängen ignorierte. Warum — so sei den Experten auf der Tribüne ins Stammbuch geschrieben — soll ein Trainer auswechseln, wenn seine Elf prächtig in Fahrt ist? Darunter könnte der Spielfluß leiden.
Die zweiten 45 Minuten jedenfalls waren ganz nach dem Geschmack der Fürther Truppe: Waldhof stürmte und entblößte dabei natürlich gewaltig die Deckung. Bei ihren geschickten Konterangriffen stießen die Ronhöf er immer wieder schnell in die Lücken. Der einzige Minuspunkt: Im entscheidenden Augenblick liefen sie sich zu oft an dem hervorragenden Libero Sebert fest oder aber schossen zu unkonzentriert. Vor allem Linksaußen Hofmann war von allen guten Geistern verlassen. Seine absolute „Glanztat" vollbrachte er in der 56. Minute: Zwei Meter vor dem von Pradt verlassenen Gehäuse schoß er über die Latte.
Wie recht hatte jener Zuschauer mit seiner Feststellung: „Wenn er im Training versuchen soll, in dieser Situation das Tor nicht zu treffen, schafft er es von zehnmal höchstens ein einziges Mal." Doch in der 69. Minute versuchte Hofmann zum dritten Male sein Heil und hatte endlich Erfolg: Ein Zuspiel von. Heubeck schoß er unter dem sich werfenden Pradt zum alles entscheidenden 2:0 ein. Hofmanns dritter Versuch stellte den dritten Heimsieg endgültig sicher.
Doch .zweimal stand den diesmal tüchtigen Fürthern — das sei nicht vergessen — auch Fortuna hilfreich zur Seite. Zuerst traf Dutthofer nur die Latte, und dann vergab Auswechselspieler Adler in aussichtsreicher Position.
Erfreuliche Aspekte für Trainer Fred Hoffmann: Die Deckung hielt trotz gelegentlicher Schwächen ein zu Null — und die drei Spitzen Heubeck, Ruhdorfer und Hofmann waren endlich einmal torgefährlich und machten „Betrieb". Vorteilhaft wirkte es sich natürlich aus, daß Waldhofs kluger Mittelstürmer Böhni von Lausen nie aus den Augen verloren wurde und deshalb überhaupt keine Wirkung erreichte.
Alles in allem: Die SpVgg Fürth ist noch längst nicht aus dem Schneider. Sie hat das rettende Ufer aber wenigstens wieder in Sichtweite. Und sie kann dann einen Fuß darauf setzenn, wenn sie künftig ähnliche Leistungen bietet und um jeden Zentimeter Boden bis zum Umfallen kämpft. Ein Punkt in Darmstadt wäre für sie Gold wert und zugleich auch die richtige Stimulanz für das folgende Heimspiel gegen den Spitzenreiter KSC.
Ein Sonderlob für Schiedsrichter Ferro: Er war der beste Pfeifenmann, den ich seit Monaten gesehen habe und leitete die 90 Minuten ausgesprochen souverän.
SpVgg Fürth: Löwer - Klump, Lausen, Bergmann, Jensen - Heinlein, Bopp, Unger - Heubeck, Ruhdorfer (73. Dennerlein), Hofmann - Trainer: Alfred Hoffmann
Waldhof Mannheim: Pradt - Gernot Rohr, Link, Sebert, Schnitzer - Schrodt (23. Duttenhofer), Mießmer, Böhni, Volker Rohr - Martin, Bartels (69. Adler) - Trainer: Philipp Rohr
Tore: 1:0 Bopp (26.), 2:0 Hofmann (68.)
Schiedsrichter: Ferro (Villingen)
Zuschauer: 3500
Gelbe Karten: Bopp
Gelbe Karten (Gast): Schnitzer
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