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Saison 1974/1975
25. Spieltag - So., 02.03.1975, 15:30 Uhr
SpVgg Fürth - Karlsruher SC
4:2 (2:1)
Der Fürther Ronhof ist nicht mehr eine Burg mit brüchigen Mauern, sondern wieder eine trutzige Festung, die von den anrückenden Feinden kaum einzunehmen ist: Selbst der gefürchtete Spitzenreiter KSC vermochte sie nicht zu schleifen und mußte mit einer hochverdienten 2:4- (1:2-)Niederlage ins badische Ländle heimkehren. Bei den „Kleeblättlern" paßte an diesem Frühlingsnachmittag einfach alles zusammen: Rund 14000 Zuschauer sorgten für die größte Kasse in der laufenden Saison — und die Lizenzspieler für zwei äußerst wichtige Punkte. Denn nach dem Husarenstreich kletterten die Hoffmann-Schützlinge in der Tabelle wieder einen Platz nach vorne und haben jetzt das rettende Ufer in Sichtweite. „Wenn wir diese Moral beibehalten", freute sich Trainer Fred Hoffmann, „dann kommen wir aus dem Schlamassel heraus." Und Schatzmeister Wiesmeier wird schon das Kalenderblatt des 15. März aufgeschlagen haben, denn dann steigt das Derby mit dem 1. FCN, das eine neuerliche Rekordeinnahme verspricht.
Daß es gegen den Bundesligisten in spe keiner Extraprämie bedurfte, ist einleuchtend. Schon gegen Waldhof und in Darmstadt hatten Jensen & Co. nachdrücklich bewiesen, daß sie die Rolle des netten Punktelieferanten abgetreten haben. Gegen Karlsruhe begannen sie dort, wo sie in Darmstadt aufgehört hatten. Wenn auch die Badenser auf ihren Trikots den Schriftzug ihres Werbeträgers „Karlsruher Leben" trugen, so waren es doch die Ronhöfer, die der Partie das Leben einhauchten. Sie erwiesen sich in diesem offenen Schlagabtausch in kämpferischer und auch spielerischer Hinsicht als die dominierende Elf. „Meine Leute wollen hier nur ein nettes Spielchen aufziehen", zürnte Trainer Karlheinz Rühl, „und haben trotz meiner eindringlichen Warnung vergessen, daß man gegen die Fürther auch fighten muß." Vorbei sind die Zeiten, in denen die Spielvereinigung nach einem Gegentreffer nur noch willenloses Spielzeug in des Gegners Händen war! Wie ein Klasseboxer steckt sie neuerdings harte Schläge weg und geht sofort wieder zum Angriff über. Der deutliche Beweis: Nach Hofmanns Führungstor in der 20. Minute — ein Klassesolo von Unger mit mustergültigem Abspiel war vorangegangen — brachte sie selbst der Ausgleich durch Gutzeit 50 Sekunden später nicht aus der Fassung. „Das ist doch wirklich eine Bombenmoral", lobte Torhüter Peter Löwer, der vor dem Anpfiff von Präsident Dr. Helmut Röllinger für sein 400. Spiel einen Präsentkorb überreicht bekommen hatte.
Neun Minuten nach diesem Schicksalsschlag ließ Mittelfeldspieler Bopp das 2:1 folgen. Und was für ein Tor! Sein Pech, daß es nicht von der ARD, sondern vom ZDF über den Bildschirm ausgestrahlt wurde. Es hätte bestimmt eine reelle Chance gehabt, in die Auswahl zum „Tor des Monats" zu kommen. Aus der Drehung jagte der frühere Regensburger mit dem linken Fuß den Ball unhaltbar in das Gehäuse von Wimmer, der sich vergeblich gestreckt hatie.
Will man die „Kleeblättler" trotz ihrer importierenden Leistung etwas tadeln, dann muß ihnen angelastet werden, daß sie nicht bis zum Pausenpfiff des tadellos agierenden Schiedsrichters Linn (Obmann Ebersberger: „Eine fehlerfreie Partie") schon alles klarmachten. Einmal war fehlende Übersicht, das andere Mal Pech im Spiel. 30. Minute: Bergmann umlief einige KSCer wie Christian Neureuther die Slalomstangen, schoß dann aber Wimmer an, anstatt zwei völlig freistehende Kameraden zu bedienen. Und 180 Sekunden danach klatschte ein Kopfball von Mittelstürmer Kuhdörfer ins Feld zurück.
Genaugenommen hatten die Gastgeber diesmal keinen einzigen Ausfall zu beklagen. Bis auf die beiden Gegentreffer war die Deckung ausgesprochen souverän. Allen voran Jubilar Löwer, der das Duell mit seinem Gegenüber Wimmer — beide sind nach Expertenansicht die stärksten Keeper im Süden — zu seinen Gunsten entschied. Wie sagte doch ein Clubfan auf der Tribüne: „Mit Löwer wären wir jetzt Zweiter." Löwer konnte sich aber auch auf seine Vorderleute verlassen. Die beiden Außenverteidiger Klump und Jensen hielten die KSC-Außen Vogel bzw. Berger so in Schach, daß diese keinen Schaden anrichten konnten, und von ihrem Trainer sogar als Ausfälle bezeichnet und vorzeitig aus dem Spiel genommen wurden. Libero Bergmann wirkte zwar nicht so überragend wie in Darmstadt, aber überzeugte trotzdem. Daß der gefürchtete Karlsruher Torjäger Bernd Hoffmann — ihn wollte auch der FCN engagieren — während der 90 Minuten nur ein einziges Mal auf das Fürther Tor schoß, war das Verdienst von Vorstopper Lausen, der ihn nie aus seinen Klauen ließ.
Immer besser läuft es im Mittelfeld, wo sich Bopp, Unger und Heinlein gut ergänzen. Daß sie die viel-gerühmte KSC-Mittelreihe mit Gutzeit, dem hochgelobten Trenkel und Kubier glatt ausstachen, rückt ihre Leistung ins rechte Licht. Trenkel z. B. konnte Erich Unger nie ausschalten und deshalb auch keine Ideen ins Karlsruher Spiel bringen. Unger war nicht nur am Führungstreffer maßgeblich beteiligt, sondern auch am psychologisch wichtigen 3:1 durch Heubeck fünf Minuten nach dem Wiederanpflff. Der Rechtsaußen wurde mit einem Musterpaß von Unger auf die Reise geschickt und ließ Wimmer mit einem plazierten Flachschuß keine Chance. Da bekanntlich aller guten Dinge drei sind, war Mittelfeldrackerer Unger auch am 4:1 beteiligt. Nach einem Solo zog ihm Libero Fuchs im Strafraum die Beine weg. Und Schiedsrichter Linn, der vorige Woche zugegeben hatte, gegen Bayern München einen unberechtigten Elfmeter verhängt zu haben, zögerte keine Sekunde und zeigte sofort auf den berühmt-berüchtigten Punkt. Bopp nützte diese Chance eiskalt. Erst in den letzten zehn Minuten, als die Hoffmann-Truppe etwas unkonzentriert wirkte, schlug Gutzeit ein zweitesmal zu und verbesserte das Ergebnis etwas. Ein Schönheitsfleck, der jedoch die Fürther Siegesfreude nicht trüben konnte. Immerhin: vier Tore hat die SpVgg Fürth schon lange Zeit nicht mehr erzielt. Deshalb auch ein Kompliment an die beiden Flügelflitzer Heubeck und Hofmann für ihr quirliges Spiel und an Mittelstürmer Ruhdorfer, der äußerst beweglich war und dem eigentlich nur ein Torerfolg fehlt.
Schweinfurts Trainer Istvan Sztani und Clubcoach Hans Tilkowski, deren Teams jetzt mit den „Kleeblättlern" die Klingen kreuzen müssen, werden sicherlich die Erkenntnis mitgenommen haben, daß ihnen keine leichten Aufgaben bevorstehen.
SpVgg Fürth: Löwer - Klump, Lausen, Bergmann, Jensen - Bopp, Heinlein, Unger - Heubeck, Ruhdorfer, Hofmann (79. Dennerlein) - Trainer: Alfred Hoffmann
Karlsruher SC: Wimmer - Niedermayer, Komorowski, Fuchs, Radau - Trenkel, Gutzeit, Kübler - Berger (76. Kling), Hoffmann, Vogel (65. Ulrich) - Trainer: Carl-Heinz Rühl
Tore: 1:0 Hofmann (19.), 1:1 Gutzeit (21.), 2:1 Bopp (29.), 3:1 Heubeck (50.), 4:1 Bopp (73., Foulelfmeter), 4:2 Gutzeit (89.)
Schiedsrichter: Linn (Altendiez)
Zuschauer: 15000
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