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Saison 1974/1975
27. Spieltag - Sa., 15.03.1975, 15:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
3:2 (2:1)
214. Derby

Hätte sich der Münchner Schiedsrichter Frickel neun Minuten vor dem Ende auf seine eigenen Augen und nicht auf seinen heftig winkenden Linienrichter Hofmeister aus Plattling verlassen — und dem 3:3-Ausgleich durch Dieter Nüssings herrlichen Flugkopfball nicht überraschend noch seine Anerkennung versagt. Dann wäre dieses 214. Derby zwischen Club und Fürth glatt ohne große Störungen mit einem gerechten Ergebnis ausgegangen. Das 3:2 für die SpVgg Fürth aber darf durchaus als etwas glücklich eingestuft werden. Trotz des verständlichen Jubels im Lager der „Kleeblättler", die mit 127 000 Mark nicht nur die größte Einnahme in der Vereinsgeschichte — zuvor hatte man niemals die 100.000er-Grenze überschritten — meldeten, sondern sich dem rettenden Ufer wieder um einige Meter genähert haben. Der 1. FCN ist von Schiedsrichter Frickel gewaltig benachteiligt worden. „Mein Gott, ich glaube, daß ich bei Nüssings Tor falsch entschieden habe", stöhnte er eine halbe Stunde nach dem Ende. Wenn er sich das Geschehen nochmals auf dem Bildschirm betrachtet hat, müßte er eigentlich verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn die Annullierung des 3:3 war nicht sein einziger gravierender Fehler: Er hat den Gästen zwei einwandfreie Foulelfmeter versagt. Nachdem zuerst Bergmann den einschußbereiten Verteidiger Pechtold (12. Minute) gefoult hatte, ließ in der 23. Minute Heinlein den FCN-Kapitän Nüssing über die Klinge springen. Die Hauptschuld beim nichtgegebenen Ausgleich trifft zweifellos Linienrichter Hofmeister, der in seinem Fach kein Meister, sondern ein Lehrling ist. Aber unverfroren behauptete er danach felsenfest: „Das war eindeutig Abseits! Deshalb habe ich die Fahne schon lange zuvor gehoben." Den Fürthern sei in ihrer Situation der Erfolg gegönnt. Sie brauchten ihn wie das tägliche Brot.
Dem 1. FCN muß man Trost spenden, der ihm aber nun einmal nichts nützt: denn dank der Fehlleistungen des Gespanns Frickel/Hofmeister ist er jetzt wohl seine letzte Chance los, ein Wörtchen bei der Vergabe des begehrten zweiten Platzes mitzureden. Präsident Hans Ehrt konnte und wollte das Geschehen noch nicht fassen und feuerte eine volle Breitseite auf die Zunft der Männer in den schwarzen Hemden und ihre „Bosse" ab: „Das lasse ich mir nicht mehr länger gefallen. Es sieht eindeutig nach einer Abspräche aus, daß man den Club nicht nach oben lassen soll." Hans Ehrt hat ein Feuerchen angezündet, das sich zu einem Großbrand entwickeln kann. Aber muß man für solch harte Worte nicht Verständnis aufbringen?
Genug der kritischen Worte, gehen wir zum erfreulichen Teil dieses 214. Derbys über: Es war ein Festmenü, das die beiden Teams den mehr als 20 000 Zuschauern im Ronhof servierten. Dramatisch von der ersten bis zur letzten Minute mit spannenden Szenen vor beiden Toren und mit fünf plus einem annullierten Treffer als Dessert. Auch in fußballerischer Hinsicht war es das stärkste Derby seit vielen Jahren. Darüber gab es in beiden Lagern nicht den geringsten Widerspruch. „Das war doch wirklich hervorragend und dramatisch", betonte Fürths Präsident, Dr. Helmut Röllinger.
Seine „Kleeblättler" demonstrierten vornehmlich in den ersten 45 Minuten, daß jhre Erfolgsserie nicht von ungefähr kommt, sondern das Produkt einer echten Leistungssteigerung ist. Im Ronhof kämpfen die Lizenzkicker nicht mehr gegen Trainer und Vorstandschaft, sondern nur noch — wie es sich gehört — gegen die Konkurrenz in der zweiten Liga. In der ersten Hälfte wirkten sie einfach bissiger und in den Zweikämpfen entschlossener.
Allerdings kam den Gastgebern die Club-Deckung mit ihrer Einladung zum „Tag der offenen Tür" direkt entgegen: Der unsicherste Kantonist war einmal mehr Verteidiger Sturz, dessen Fall in ein erschreckendes Leistungstief nicht zu bremsen ist. Das war der schwächste Sturz, den es je gab! Zu Recht wurde er in der Kritik von Trainer Hans Tilkowski ganz schön zur Brust genommen: „Wenn er einen Gegenspieler foult, dann kommen ihm fast die Tränen." Sturz hätte eine Ruhepause dringend nötig, denn in dieser Verfassung wird er die Achillesferse der an und für sich nicht gerade stabilen FCN-Abwehr bleiben. Jedenfalls war der quirlige Fürther Linksaußen Hofmann nicht nur einer der stärksten „Kleeblättler", sondern auch zweifacher Torschütze. Wie er seinen Kontrahenten beim entscheidenden 3:1 kurz nach der Pause narrte, war frappierend. Doch ein solches Jongleur-Stückchen — er hob den Ball über Sturz und schoß flach ein — wird er in den nächsten Monaten kaum noch zustandebringen. So etwas erlaubt ihm kein anderer Verteidiger.
Die Überraschung war eigentlich keine mehr: FCN-Trainer Hans Tilkowski stellte nicht Jugend-Keeper Klaus Müller zwischen die Pfosten, sondern den lange Zeit auf Eis sitzenden Gerry Neef. Warum nicht Klaus Müller, der die Pläne mit dem verstärkten Einbau von talentierten Jugendlichen unterminiert hätte? „Til" fürchtete, daß der „Lange" vor der großen Kulisse der nervlichen Belastung nicht standhalten würde. Eine Entscheidung, die man respektieren muß. Doch jetzt, da der zweite Platz außer Sichtweite ist, sollte das Motto lauten: „Laßt doch der Jugend ihren Lauf..." Ein paar Worte zu Neef: Er rechtfertigte das Vertrauen durch eine solide Leistung.
Doch an diesem Tag hinterließ er einen stärkeren Gesamteindruck als sein Gegenüber Peter Löwer. Was war nur mit dem exzellenten Torhüter los? Bei Schabackers Heber zum 1:1 griff er überhaupt nicht — und bei Walitzas Kopfball -Treffer zu spät ein.
In den ersten 45 Minuten konnte er — wie schon erwähnt — über seine Truppe nicht klagen. Da lief ihr Spiel wie in den letzten Wochen, war "Musike" drin. Im Mittelfeld sorgten vor allem Unger und Bopp für den entsprechenden Druck. Von Nürnberger Seite konnte da eigentlich nur der wiedererstarkte Kapitän Dieter Nüssing mithalten.
Pech für den Club, daß kurz vor dem Halbzeitpfiff der sich von Spiel zu Spiel steigernde Mittelstürmer Meininger wegen einer leichten Gehirnerschütterung ausscheiden mußte. Die Verletzungsserie will einfach nicht abreißen! Für Meininger mußte der noch längst nicht genesene Hans Walitza einspringen. Er humpelte zwar schon nach wenigen Minuten, hielt aber dann doch wacker durch und „machte" sogar ein Tor. Warum nur — so muß man sich fragen — wachte die Nürnberger Mannschaft erst auf, als Hofmann in der 50. Minute das 3:1 besorgte? Urplötzlich griff bei ihnen ein Rädchen ins andere, wurde flüssiger operiert und die Spielvereinigung in die eigene Hälfte zurückgedrängt.
Wollten die „Kleeblättler" etwa ihre 3:1-Führung über die Zeit retten? Hatten sie keine Kondition mehr? Weder das eine noch das andere war der Fall! Wenn ein Gegner so verstärkt und schwungvoll angreift wie der 1. FCN in der zweiten Hälfte, dann hat man es sehr schwer, selbst wieder druckvoller zu agieren, beschränkt sich zwangsläufig nur noch auf Konter.
Das Fazit: Dieses 214. Derby verdient höchste Anerkennung, denn beide Teams boten Fußball, wie ihn die Zuschauer sehen wollen. Schon allein wegen der ausgeglichenen Spielanteile und der klaren Benachteiligung des Clubs durch Schiedsund Linienrichter wäre ein 3:3 das gerechteste Ergebnis gewesen.
SpVgg Fürth: Löwer - Klump, Lausen, Bergmann, Jensen - Heinlein, Bopp, Unger - Heubeck, Ruhdorfer, Hofmann (83. Dennerlein) - Trainer: Alfred Hoffmann
1. FC Nürnberg: Neef - Sturz, Rüsing, Hannakampf, Pechtold - Schabacker, Nüssing, von de Fenn (55. Majkowski) - Petrovic, Meininger (40. Walitza), Hiestermann - Trainer: Hans Tilkowski
Tore: 1:0 Hofmann (25.), 1:1 Schabacker (29.) 2:1 Bopp (33.), 3:1 Hofmann (50.), 3:2 Walitza (64.)
Schiedsrichter: Frickel (München)
Zuschauer: 22000
Gelbe Karten: Heubeck
Gelbe Karten (Gast): von de Fenn, Rüsing
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