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Saison 1974/1975
29. Spieltag - Sa., 05.04.1975, 15:30 Uhr
SpVgg Fürth - FC Bayern Hof
0:0
Im Ronhof wußte man nicht so recht, ob man lachen oder weinen sollte! Mit dem 0:0 gegen Bayern Hof verloren die „Kleeblättler" zwar einen wichtigen Heimpunkt, auf der anderen Seite aber drückte selbst Trainer Fred Hoffmann aus, was sich viele im Stadion dachten: „Gegen diese Hofer Mannschaft ist ein Punktgewinn sogar als Erfolg zu werten!" Keine Frage: Die Oberfranken boten eine clevere, technisch teilweise brillante Vorstellung. Nur der letzte Schwung, die Entschlossenheit im Angriff fehlten.
Den Fürthern war anzumerken, daß sie mit allen Mitteln das 0:1 von München wettmachen und an ihre Erfolgsserie anknüpfen wollten. Aber sehr schnell wurde klar, was die Hofer vorhatten, die nun seit acht Spieltagen nicht mehr besiegt wurden: Ball halten, Sieher-heitsspiel. Heinz Elzner hatte seine Truppe hervorragend eingestellt! Bei Fürther Angriffsversuchen riegelten sechs, sieben, manchmal sogar acht Spieler das eigene Gehäuse ab — bei eigenen Vorstößen rückten blitzschnell zwei, drei Mann zu den Spitzen Feulner und Lippert — Klein spielte zurückgezogen — nach. Dieses „Ziehharmonika-System" — von „Mauern" konnte nie die Rede sein — kostete natürlich enorm viel Kraft, ließ den Hofern die Partie zumindest vor Seitenwechsel aber fest in Griff bekommen.
Schulmäßig vorgetragen waren die Konter der Bayern, die meist von Schuster oder Zapf inszeniert wurden. Gekonnte Dribblings, ein sicheres Auge für freien Mann und Raum und natürlich ein beispielhaftes Spiel ohne Ball machten der Fürther Abwehr schwer zu schaf-
fen. Auch wenn die Hofer von den Spielanteilen her niemals echte Vorteile herausspielen konnten: Die gefährlicheren Angriffe mußten Löwer und Vorderleute parieren. Der Fürther Schlußmann brauchte sich im ersten Abschnitt denn auch nicht über mangelnde Beschäftigung zu beklagen. Aber gegen Feulner (9., nach herrlichem Alleingang und 28. nach Zapf-Musterpaß) und Klein (32.) klärte der Peter in gewohnt souveräner Manier. Gegenüber dem Clubspiel pflückte er sich auch wieder Flanken und Eckbälle wie reife Früchte aus der Luft — eine fehlerlose Leistung!
Ob all dieses Können aber genutzt hätte, wenn Lippert zwei Minuten vor dem Pausenpfiff nicht halb „geschlafen", hätte? Schuster hatte im Stil eines Netzer elegant vier Fürther aassteigen lassen und schob das Leder dem völlig freistehenden Lippert vor die Füße, doch anstatt aus acht Metern sofort abzuziehen, vertändelte er sich und wurde abgedrängt.
Wenn auch Hofmann in seiner besten Szene vier Minuten vorher nach tollem Solo nur ganz knapp an Seiferts Gehäuse vorbeizielte — ein 0:1 zur Pause wäre nicht einmal ungerecht gewesen!
Die Fürther hatten es nämlich „ überhaupt nicht verstanden, den elastischen Hofer Riegel zu durchbrechen. Dazu wäre eine ganze Portion Spielwitz und vor allem ein besseres Ausnützen des Raumes (sprich: Flügelspiel) notwendig gewesen. Und wenn man es dann doch einmal auf diese Art probierte, sah man sich teilweise an Zeiten erinnert, die Fred Hoffmann und seine Truppe eigentlich vergessen machen wollten (und sicherlich auch noch wollen): Heubeck verlor fast jeden Zweikampf, Hofmann übertraf ihn zwar, konnte aber auch nicht die Wirkung wie etwa gegen den KSC erzielen. So drohte von den Flügeln die meiste Gefahr, wenn sich Verteidiger Viggo Jensen einmal durchpirschte. Mit seiner angeschnittenen Flanke (6.) und einem raffinierten Aufsetzer (44.) hatte Seifert mehr Mühe als ihm lieb sein konnte.
Fred Hoffmann war natürlich auch nicht verborgen geblieben, daß sein Angriff praktisch abgemeldet war. Um ein „Überraschungsmoment" zu schaffen („und nicht weil ich unzufrieden gewesen war"), versuchte er nach der Pause sein Heil mit Bajlitz. Der bullige Österreicher mühte sich zwar, neue Impulse konnte er der Fürther Dreier-Reihe aber auch nicht geben.
Doch eines hatten die Ronhöfer nun wenigstens abgestellt: Die Bälle ellenlang aus der eigenen Abwehr herauszutreiben und damit den Bayern immer wieder die Gelegenheit zu geben, ihre Abwehr zu formieren. Und gleich gab es Chancen, gerieten die Mannen um den vor allem in Zweikämpfen großartigen Stark (seine Routine ist nicht zu bezahlen!) gehörig ins Schwitzen. Kein Wunder, daß es ausgerechnet Gerhard Bopp war, der den Gästen in der 61. und 64. Minute mit zwei brandgefährlichen Kopfbällen (der erste landete an der Latte) beinahe den K.-o.-Schlag versetzt hätte. Dieser Bopp ist und bleibt der gefährlichste Fürther Angreifer!
Daß die kämpferisch stärkeren „Kleeblättler" nun mehr und mehr ein optisches Übergewicht bekamen, unterstreicht den Willen dieser Truppe, doch noch als Sieger — auf keinen Fall aber als Verlierer — vom Platz zu gehen. Dennoch gelang es der Mannschaft nie, die Oberfranken einmal in ihrer Hälfte einzuschnüren, mit einem „Powerplay" madig zu machen und dann entscheidend zuzuschlagen. Im Gegenteil: Immer wieder störten Achatz, der Unger kaum einmal zur Entfaltung kommen ließ, Dürrschmidt oder auch Klein die Angriffe der Fürther schon in der Entwicklung. Wenn man bedenkt, daß die Oberfranken ungefähr doppelt, so viele Zweikämpfe gewannen wie die „Kleeblättler" — man versteht Fred Hoffmanns Zufriedenheit über einen Punkt ...
Nicht auszudenken, wenn Lippert sechs Minuten vor Schluß nicht unkonzentriert in die Wolken geballert hätte, als er Klump an der Mittellinie den Ball „abgefuchst" hatte.
Das „Salz in der Suppe", also die Tore, fehlten leider. Kein Zweifel aber, daß die Partie dennoch gutes Niveau hatte. Die Abwehrreihen, von Bergmann und Stark gut organisiert, schnitten in der Bewertung besser ab, denn auch Hofs Spitzen Lippert (zu unkonzentriert) und Feulner, der allerdings sein großes Talent ein paar mal andeutete, rissen keine Bäume aus. Ganz gewiß könnte sich aber jede Mannschaft glücklich-schätzen, Spieler wie Zapf oder Schuster in ihren Reihen zu haben, doch erliegen die Hofer sehr leicht einer Gefahr: sie sterben in Schönheit, versuchen auch noch einen Mann freizuspielen, wenn ein kerniger Schuß angebrachter wäre. Vor allem Schuster hätte manchmal Gelegenheit zum „abziehen" gehabt, doch entschuldigte er sich später: „Nach solch langen Spurts fehlt die Kraft zum Schuß."
Die Fürther brauchen wegen dieses Punktverlusts gegen eine homogene, taktisch hervorragende und eben technisch ungemein versierte Elf die Köpfe nicht hängen zu lassen. „Mit dieser Einstellung", stellte Fred Hoffmann fest, „ist auch in Augsburg etwas zu holen." Heinz Elzner, der in Hof schon großartige Arbeit geleistet hat, und Hoffmann aber müssen (noch einmal) den Hebel im Angriff einsetzen: Beide Sturmreihen haben nun schon in zwei Spielen hintereinander kein Tor mehr erzielt.
„Der Aufwärtstrend ist weiterhin sichtbar", freute sich Fred Hoffmann nach dem gerechten Remis — der Exhofer Jürgen Detsch drückte bei einem Plausch mit seinem ehemaligen Klubkameraden „Lu" Schuster aus, daß auch die Hofer noch im Rennen sind (um Platz zwei versteht sich): „So wie ihr gespielt habt, möchten wir auch spielen . . ."
SpVgg Fürth: Löwer - Klump, Jensen, Lausen, Bergmann, Bopp, Heubeck, Heinlein, Ruhdorfer (46. Bajlitz), Unger, Hofmann - Trainer: Alfred Hoffmann
FC Bayern Hof: Seifert - Wolf, Fichtner, Achatz, Stark, Dürrschmidt, Klein, Schuster, Feulner, Zapf, Lippert - Trainer: Heinz Elzner
Schiedsrichter: Langhans (München)
Zuschauer: 6000
Gelbe Karten (Gast): Klein, Schuster
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