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Saison 1999/2000
13. Spieltag - Mo., 29.11.1999, 20:15 Uhr
SpVgg Greuther Fürth - 1. FC Nürnberg
1:1 (1:0)
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Die SpVgg Greuther Fürth hat das fränkische Prestigeduell der Zweiten Fußball-Bundesliga mit dem Nachbarn 1. FC Nürnberg trotz Feldvorteilen nicht für sich entscheiden können. Die SpVgg musste gegen die Elf von Trainer Friedel Rausch im 243. Franken-Derby mit einem 1:1 (1:0) zufrieden sein. Vor 21.0000 Besuchern erzielte Carsten Klee (20.) das 1:0. Für Nürnberg war Hobsch (55.) mit seinem sechsten Saisontor zum 1:1 erfolgreich.

Carsten Klee beendete durch seinen Kopfball auf Flanke von Martin Meichelbeck eine torlose Zeit von 527 Minuten. In der ersten Halbzeit war man den manchmal konfus wirkenden Nürnbergern taktisch und läuferisch überlegen. Mit frühem Stören brachten sie ihren Gegner aus dem Konzept und bauten schnell ihr Spiel auf. Türr vergab in der 40. Minute eine weitere Chance. Die Nürnberger kamen nur durch einen abgefälschten 28-m-Schuss von Nikl, den Torhüter Reichold parierte, zu einer Möglichkeit.

FCN-Coach Rausch reagierte auf das seiner Meinung nach "unkonzentrierte Spiel" seines Teams mit Umstellungen zur Pause. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff gelang Hobsch per Kopf dann das 1:1 nach Flanke von Beliakow. Vorausgegangen war ein Ausrutscher von Nico Sbordone auf der rechten Abwehrseite. Die nun für eine Phase druckvoller agierenden Nürnberger brachten nun die SpVgg mehr in Bedrängnis, doch SpVgg-Trainer Möhlmann reagierte gleich. Für Azzouzi kam Offensivkraft Ruman (50.) und für Felgenhauer (53.) dann Surmann. Doch am Ergebnis änderte sich nichts mehr. Am Ende waren wohl beide Mannschaften mit der Punkteteilung zufrieden.

Stimmen zum Spiel:

Präsident Helmut Hack: „Schade, jetzt fahren wir nur mit einem Punkt von unserem Heimspiel nach Hause. Obwohl wir über die Medien alles versuchten, kamen nur 21 000 Besucher. Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert, das mich an das Heimspiel gegen TeBe Berlin erinnerte. Unsere Mannschaft war spritziger und hat die meisten Zweikämpfe gewonnen. Frank Türr hat vor allem in der ersten Halbzeit ein Riesenspiel gemacht.“

Kapitän Domenico Sbordone: „In der Rückwärtsbewegung bin ich vor dem Konter zum 1:1 weggerutscht. Es war die einzige klare Torchance für den Club. Überraschend gut hat das Mittelfeld-Spiel geklappt. Spielerisch waren wir klar die bessere Mannschaft. Ärgerlich ist, dass wir heute zwei Punkte verloren haben.“

Verteidiger Martin Meichelbeck: „Es war eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber den Vorwochen zu erkennen. Die Erleichterung nach dem ersten Tor war sehr groß. Wir hätten gewinnen können.“

Mannschaftsbetreuer Wolf Nanke: „Es ist ein ungerechter Punktverlust, da wir die bessere Mannschaft waren. Ein Fehler unserer Mannschaft reichte dem Club zum 1:1.“

Libero Petr Skarabela: „Beim Ausgleich waren wir im Strafraum nicht gut geordnet. Außer dieser Aktion hatte der Club keine einzige Torchance. Umso ärgerlicher ist das Unentschieden.“

Co-Trainer Paul Hesselbach: „Nach der Pause haben wir nicht mehr das umgesetzt, was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben.“

„Doc“ Harry Hauer: „Die erste Halbzeit war begeisternd, die zweite flau.“

Stürmer Frank Türr: Wir hatten den Gegner eine Stunde lang im Griff. Durch einen Fehler wurde der Club wieder ins Spiel gebracht. So ein Spiel muss man nicht remis spielen.“

Mittelfeldspieler Ingo Walther: „Der Club hat unsere Verwirrung in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit ausgenutzt. Der Punkt hilft keinem richtig weiter. Die Situation bleibt unverändert. Am Schluss mussten wir uns über nur einen Punkt freuen.“

Vizepräsident Wolfgang Gräf: „Wir haben es versäumt, das zweite Tor zu machen. Das hätte der Club diesmal nicht mehr umgebogen. Wir waren spielerisch die bessere Mannschaft. Nach der Pause fehlte die Ordnung im Spiel. Für mich hat Skarabela eine überragende Leistung gebracht.“

Torschütze Carsten Klee: „Das Gegentor fiel aus dem Nichts und war völlig unnötig.“

Pressestimmen:

Mittelbayerische Zeitung: Nach dem 1:1 im Frankenderby war Helmut Hack, Präsident der SpVgg Greuther Fürth sichtlich verärgert. Eigentlich hätte er sich ja freuen können, hatten seine „Kleeblättler“ mit neu formiertem Sturm gegen den großen 1. FC Nürnberg wenigstens ihre fünf Spiele andauernde Torflaute beendet. Doch die ungerechte Punkteteilung, trotz klarer Feldüberlegenheit über fast die gesamte Spielzeit, ließ Hack mit dem Schicksal und seiner Mannschaft hadern. „Wir hätten Nürnberg schlagen müssen“, diktierte er den Journalisten kurz nach Spielende in ihre Mikrofone. Mit dieser Einschätzung lag er auch richtig, denn der Club knüpfte nahtlos an die spielerisch enttäuschenden Auftritte der letzten Zeit an.

Passauer Neue Presse: Am Ende waren beide Seiten mit dem 1:1 zufrieden, doch das Franken-Derby der 2. Fußball- Bundesliga zwischen Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg blieb hinter den Erwartungen. 21 000 Zuschauer im Frankenstadion - die Fürther hatten auf ihr Heimrecht verzichtet - sahen insbesondere nach der Pause eine meist langweilige Partie. Der Club fand gegen das Forechecking der Fürther kein Gegenmittel.

Süddeutsche Zeitung: Block 29 in der Südkurve des Frankenstadions, weit jenseits der Stadtgrenze zu Fürth gelegen, hinter den Linien, die gut und böse sonst klar trennen, hat zumindest etwas Anheimelndes. Man kann sich in den Armen liegen und gemeinsam weinen, wenn man absteigt, so wie vor einiger Zeit die Fans von Borussia Mönchengladbach. Man kann vereint auf drei ganz laut brüllen, in der Hoffnung, die eigene Mannschaft drunten auf dem Platz hört einen. Und man kann bei minus drei Grad unter der Betondecke der darrüberliegenden Tribüne ganz eng zusammenrücken, in der Hoffnung, es wird einem wärmer ums Herz, so als Gast auf der eigenen Party.

Dieses schale Gefühl des Ausgestoßenseins einmal im Jahr ist ja nichts Neues für die Anhänger der SpVgg Greuther Fürth. Die sehen ein, dass ein Verein wie Fürth Geldgeber nicht mit Füßen treten kann. Und ein Trainer wie Benno Möhlmann, der „langfristig eine eigene Spielkultur, alternativ zu Nürnberg“ entwickeln will, das Geld aus der TV-Übertragung braucht. Und dennoch keimten zarte Hoffnungen, es würde mal wieder ein richtiges Frankenderby geben.

Doch dann wurde es Ende November, es war kalt und es war Montagabend. 21 000 Zuschauer verloren sich im weiten Rund. Die wackeren Fürth-Fans im Gäste-Separee sahen ein langweiliges 1:1 und aus dem Mythos Frankenderby ist ein weiterer Brocken herausgefallen. Dabei zählen die allgemeinen Ausreden über den Verfall der Derby-Kultur in Nürnberg nicht. Anders als in München ist das Publikum hier nicht Fußball-übersättigt. Die Vereine haben fränkische Spieler wie Armin Störzenhofecker und auch die Rollen stimmen noch: Fürth als Underdog, der Club als Vertreter des Establishments.

Doch der 1. FC Nürnberg hat dieser Tage arge Nöte mit seinem Part. Die unerfahrenen Clubspieler sind angewiesen, gefälligst aufzusteigen und verkrampfen. „Neun Punkte will ich aus den nächsten drei Spielen sehen!“, tönte Präsident Michael A. Roth, kurz bevor die ersten beiden Zähler im Fürth-Spiel dahinrannen. Die Mannschaft ist verunsichert. Denn die Häme aus der phonstarken Nürnberger Nordkurve richtete sich nicht nur gegen die armen Gastgeber, sondern auch gegen die eigene Mannschaft. Die Mannschaft vermisse die Unterstützung von den Rängen, rügte jüngst Trainer Friedel Rausch, doch die treuen Nürnberger begehren auf. Pfeifen, schmähen, im Stadion wie im Internet, oder bewerfen ihre Lieblinge nach Auswärtsspielen mit Eiern oder Tomaten.

Nach dem Lokalderby flog nichts, weil Fürths Libero Sbordone in der 55. Minute ausgerutscht, Beliakow auf der linken Seite durchgelaufen war und Hobsch am langen Pfosten gesehen hatte. Der erzielte das 1:1, rettete ein kleines Stück Club-Prestige und ein großes Stück Sicherheit für seinen Trainer. Im Falle einer Niederlage wäre Rausch abermals in der Schusslinie gestanden. Denn er hatte seine Spieler in der ersten Halbzeit falsch zugeordnet, weshalb die Fürther im Mittelfeld in Überzahl nach Herzenslust angriffen. Wieder zeigte sich, dass Rausch niemanden hat, der Verantwortung übernimmt und die richtigen Pässe schlägt. Bester Nürnberger Spieler war Elroy Kromheer. Der Holländer war vor zwei Wochen nach dem Debakel in Köln eiligst verpflichtet worden, und sorgte im Mittelfeld noch für die größte Gefahr. Kromheer erahnt die richtigen Laufwege, ist aber eigentlich Libero und zu langsam, um seine Ideen umzusetzen. Stefan Leitl als offensiver Mittelfeldspieler wäre schnell, ist aber zu jung, unsicher und überfordert, ebenso wie Stoilas, der nur auf der Bank saß. In seiner Rolle als Antreiber fühlt sich Kromheer überhaupt nicht wohl. „Wir brauchen hier dringend mehr Leute, die Verantwortung übernehmen,“ erklärte er. Alle ließen sie hinterher die Köpfe hängen, weil sie wussten, dass dieses Unentschieden nur zustande kam, weil die Fürther plötzlich einen Blackout hatten. „Das war ein totaler Schnitt, ein seltsames Umschalten im Kopf“, sagte Möhlmann, „und ich weiß noch nicht, warum.“

Immerhin ist den Fürthern mit Carsten Klees Kopfballtor zuvor der erste Treffer nach fünf torlosen Spielen gelungen. Zudem sind in Mittelfranken die Rollen ja noch klar verteilt, weshalb Möhlmann auch in Ruhe darüber nachdenken kann, „wie das Kopfproblem zu lösen wäre.“ Seine Mannschaft ist jung, aufstrebend und steht keineswegs unter Druck. Völlig unklar ist unterdessen, wie der Club mit dieser Mannschaft jemals den Aufstieg schaffen will. Schon gibt es erste Meldungen, Rausch bastele ein Team 2000, wolle überschüssiges Personal fortkomplimentieren, stattdessen zwei Klassespieler holen. Eiligst dementierte der Trainer und erklärte, er habe schon mit dem Team ’99 genügend zu tun.

Spiegel Online: Dounern hald nai - Das Wochenende der Fußballderbys ging am Montag mit dem traditionsreichen Frankenderby zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg zu Ende. Im Frankenstadion trennten sich die beiden ambitionierten Zweitligisten leistungsgerecht mit 1:1.

Stillstand statt Befreiungsschlag - das 243. Franken-Derby brachte weder den zum Aufstieg verdammten 1. FC Nürnberg noch die SpVgg Greuther Fürth voran. "Club-Trainer Friedel Rausch steht auch nach dem 1:1 des Bundesliga-Absteigers im Montag-Spiel der Zweiten Fußball-Bundesliga weiter in der Schusslinie, Kollege Benno Möhlmann drückt trotz des ersten Treffers nach 507 Minuten Torflaute weiterhin im Sturm der Schuh. "Wir haben in der zweiten Halbzeit bedeutend schlechter gespielt. Wir dürfen uns nicht beklagen, dass der Ausgleich fiel", meinte Möhlmann enttäuscht.

SpVgg Greuther Fürth: Reichold - Sbordone, Skarabela, Meichelbeck - Hassa, Walther, Reichel, Azzouzi (50. Ruman), Felgenhauer (53. Surmann) - Türr, Klee (68. Lamptey) - Trainer: Benno Möhlmann
1. FC Nürnberg: Köpke - Kromheer - Kos, Nikl - Driller (71. Christ), Leitl, Krzynowek, Störzenhofecker - Feinbier (86. Marsch) - Hobsch (76. Günther), Beliakow - Trainer: Friedel Rausch
Tore: 1:0 Klee (20.), 1:1 Hobsch (55.)
Schiedsrichter: Merk (Kaiserslautern)
Zuschauer: 21000
Gelbe Karten (Gast): Kos, Feinbier
Spielort: Nürnberg
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