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Saison 1976/1977
29. Spieltag - Sa., 12.03.1977, 15:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
0:2 (0:0)
Die Verteilung der Gewichte im Fußball zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Fürth stimmt wieder, zumindest nach Punkten in der 2. Liga Süd. Durch einen 2:0-Erfolg im 218. Derby im Fürther Ronhof behält der Club Kontakt zur Spitze, während sich die Fürther endgültig mit einer Mittelfeldrolle begnügen müssen.
Das Duell konnte die hochgeschraubten Erwartungen der rund 18000 fränkischen Fußballfans nicht erfüllen. Die Derbystimmung auf den Rängen ertrankt im strömenden Regen und dem gastgebenden Herausforderer fehlten die Mittel, diesem Kraftakt seinen Stempel aufzudrücken.
Zweifellos kamen die widrigen Bodenverhältnisse der taktischen Marschroute der Nürnberger entgegen, die nach dem Ausfall von Walitza, Nüssing, Geinzer und Eder gezwungen waren, aus einer verstärkten Abwehr heraus zu operieren.
Und das machten die Gäste großartig, wenn es auch nicht nach dem Geschmack der Zuschauer sein konnte. Im Abwehrblock lag das deutliche Plus des Clubs, was schließlich auch den Gesamterfolg rechtfertigte. Dass er zu klar ausfiel, mag ein Trostpflaster für die Fürther sein, ändert aber nichts an der Tatsache.
Die Kleeblattdeckung hatte ihre Schwächen, obwohl sie keiner Dauerbelastung ausgesetzt war. Auffallend die Unsicherheiten von Löwer in seinem unmittelbaren Aktionsfeld, vielleicht als Folge des allgemeinen Konzentrationsmangels seiner Vorderleute. Als Löwer dann auch noch beim spielentscheidenden 0:1 zumindest eine unglückliche Figur machte, hatte der enttäuschte Trainer Hans Cieslarczyk seinen Haupt-Sündenbock gefunden.
Doch die Niederlage der Fürther hatte mehrere Wurzeln. Vom spielenden Libero Bergmann ging am Samstag keine Wirkung aus. Auch Heinleins Bemühungen blieben ohne Erfolg; er gab sogar die Vorlage zum zweiten Tor für den Club. Die gute Gesamtleistung, die den Fürthern zum Erfolg gegen 1860 München verholfen hatte konnte im Prestigekampf gegen den 1. FCN leider nicht wiederholt werden.
Natürlich waren die Gastgeber keineswegs chancenlos. Die besten Möglichkeiten hatte Lambie. Aber Club-Torwart Müller gab seinem Deckungsblock den nötigen Rückhalt. Bei Heubeck war diesmal wenig zu entschärfen und mit Lorenz Hilkes wurde nach einer Stunde die letzte Geheimwaffe der Fürther stumpf, als sich der Mittelstürmer verletzte und nach einer Behandlungspause nur noch mit bandagiertem Knie weitermachen konnte.
Während der Wiederbelebungsversuche an Hilkes mag Cieslarczyk die bis dahin schwersten Minuten in diesem Derby durchgemacht haben, denn der erzwungene Wechsel von Klump gegen Schäfer (33. Min.) und der Start in die zweite Hälfte mit Jensen für Geyer hatte das Auswechselkontingent bereits erschöpft. Nun, gerade ein Trainer muß mit dem Risiko leben, wenn er kein Hellseher ist - und diese Begabung hat wahrlich Seltenheitswert.
Mit zunehmender Spielzeit stiegen die Aktien der Nürnberger im Ronhof, obwohl die Clubfans von den Stürmerleistungen wenig angetan waren. Gerade in dem Moment, als sie mit „Walitza"-Rufen zum rettenden Strohhalm greifen wollten, ließ sich Weyerich die passende Antwort einfallen. Sein Geschoss aus etwa dreißig Metern passierte Löwer und klatschte vom Innenpfosten der Torgambel zum 0:1 ins Fürther Netz. Ernsthafte Warnschüsse von Zivaljevic und Pechtold waren kurz zuvor am langen Eck des Kleeblattgehäuses knapp vorbeigewischt.
Nürnbergs Jubel schien verfrüht, denn Lambie stand kurz darauf vor dem Ausgleich. Am Geiz eines Schotten kann es nicht gelegen haben, dass auch diese Möglichkeit vertan wurde. Dann schnappte sich Majkowski einen verirrten Heinlein-Pass, wurde beim Alleingang von Löwer hart attackiert, doch Kapitän Petrovic behielt die Nerven und vollstreckte überlegt zum Endstand von 0:2.
Vom Niveau her ließ dieses 218. Derby viele Wünsche offen, dafür wurde hart aber fast ausschließlich fair gekämpft. Dass Schiedsrichter Meuser (Ingelheim) die Gelben Karten spät und einseitig verteilte - Grimm (74.) und Grabmeier (80.) - ist seine Sache. Die Nürnberger nahmen ihm dafür den anullierten Treffer von Lieberwirth in der ersten Hälfte übel.
Bemerkenswert eine Szene am Rande des Geschehnisses: Als Weyerich in der 20. Minute benommen zu Boden geht, schlägt Heinlein den Ball ins Seitenaus, um dem jungen Nürnberger eine Behandlungspause, zu verschaffen. Der Club revanchiert sich beim Einwurf.
Die Einwürfe der Fans waren weniger lobenswert: Meißel, Maßkrug, Stuhlbein und ein Ei, das im Clubtor landete. Müller nahm den vorösterlichen Boten und beförderte ihn aus seinem Hoheitsbereich. Im Spiel mit Ball brauchte der Nürnberger Torhüter allerdings nicht hinter sich zu greifen.
Die erste Überraschung erlebten die Fürther bereits am Samstagmorgen. Die Torpfosten waren in der Farbe des Clubs - rot - angestrichen. Die Gastgeber nahmen ihre Kontrastfarbe zum Kleeblatt - weiß - und überpinselten den Schandfleck in einer Sonderschicht.
Als Glücksbringer ließ das Kleeblatt die Fürther gleich zweimal im Stich: auf dem regennassen Rasen kassierten die cleveren Nürnberger, auf den Rängen füllten Regenschirme die Plätze von Zuschauern, die bereits vor zwei Wochen im Schlagerspiel gegen die Münchner Löwen wegen Schlechtwetters nicht zum Marsch in den Ronhof angetreten waren.

Konrad Vogelsang

SpVgg Fürth: Löwer - Grabmeier, Geyer (48. Jensen), Bergmann, Klump (34. Schäfer) - Grimm, Heinlein, Unger - Heubeck, Hilkes, Lambie - Trainer: Hans Cieslarczyk
1. FC Nürnberg: Müller - J. Täuber, Stocker, Rüsing, Pechtold - Weyerich, Petrovic, Majkowski, Sturz - Zivaljevic, Lieberwirth - Trainer: Horst Buhtz
Tore: 0:1 Weyerich (83.), 0:2 Petrovic (87.)
Schiedsrichter: Meuser (Nieder-Olm)
Zuschauer: 18000
Gelbe Karten: Grimm, Grabmeier
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