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Saison 1975/1976
8. Spieltag - Sa., 20.09.1975, 15:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
2:3 (1:1)
215. Derby

Nur eine Viertelstunde lang spiegelte sich der unterschiedliche Tabellenstand auch im Spielfilm. Der hohe Favorit aus Nürnberg schien im Ronhof einem sicheren Sieg entgegenzusteuern. Dann erfüllte sich wieder einmal der gängige Spruch von den „eigenen Gesetzen", die einem Fußball-Lokalkampf nachgesagt werden: der jeweils vermeintlich Schwächere steigert sich zu einer gleichwertigen Leistung.
Als das Derby zwischen der SpVgg Fürth und dem 1. FCN vor 25 000 auf den vollbesetzten Rängen schließlich abgepfiffen wurde, war zwar die Sensation ausgeblieben, hatte der Tabellenzweite Club seinen hauchdünnen 3:2-(1:1)-Erfolg gegen den Vorletzten aber erst wenige Sekunden vorher retten können.
Aus diesem Derby kann auch die Erinnerung keinen Klassiker in der Traditionsreihe Nürnberg-Fürther Fußballduelle machen. Es bezog seine Spannung vornehmlich aus der Torfolge. Dreimal musste der Sieger in Führung gehen, um zu gewinnen. Zuletzt gelang das schier zu seiner eigenen Überraschung, als die gesamte Versammlung sich längst mit einem 2:2-Remis angefreundet hatte und der jüngste Schiedsrichter im bezahlten deutschen Fußball schon Luft geholt hatte zu seinem letzten Pfiff. Vorher waren den Gastgebern die ersten beiden Saisontore vor eigenem Publikum gelungen, genau so viel, wie Trainer Cieslarczyk als „unbedingt notwendig" bezeichnet hatte, „um den Club schlagen zu können". Es waren zwei zu wenig.
Freilich war jeder Kleeblatt-Treffer die Folge von Abwehrschnitzern (Sturz, Müller beim 1:1, Müller beim 2:2), freilich verloren die Gäste nach jedem Ausgleich prompt ihre spielerische Linie und schafften es die Gastgeber bei allem Fleiß nicht, daraus entscheidenden Nutzen zu ziehen. Dennoch fand ich die Partie nicht so mäßig, wie sie vor allem Nürnberger Beobachter gesehen haben wollen. Die Konsequenz ihres Urteils wäre: wenn die Kleeblättler wirklich „nicht besser als bisher" gespielt haben sollten, dann hätte der Club seine mieseste Saisonleistung gezeigt. Ich glaube weder das eine noch das andere. Immerhin kam Peter Stocker, das gute neue Stück der Clubabwehr, ausgerechnet gegen den kleinen Hofmann erstmals ein bisserl ins Trudeln, immerhin kassierte der „größere Bruder" in einem Spiel so viele Tore wie die „kleinen Brüder" vorher in der ganzen Saison erzielt hatten und immerhin wollen gegen die Abwehr um Peter Löwer, den renommiertesten Fürther Mannschaftsteil, drei Tore erst einmal geschossen sein. Und es waren recht sehenswerte Treffer.
Hätte der Club seinen Stil der ersten Viertelstunde durchgehalten, dann wäre die Partie zu einer harten Bestrafung für die zunächst geradezu verängstigt wirkenden Fürther geworden. Sie wagten es kaum, den Spielaufbau des Favoriten schon in der gegnerischen Hälfte zu stören. Jeder Nürnberger wirkte beweglicher, lief mehr ohne Ball und schien mit ihm besser umgehen zu können. Nüssings Führungstor (10.) war schon zu diesem frühen Zeitpunkt vollauf verdient. Auch nachher schaffte es die offenbar auf Vorsicht getrimmte Fürther Mittelfeldbesatzung nur sporadisch, mehr für den eigenen Spielaufbau zu tun. Da aber kam ihr eine sträfliche Lässigkeit des gesamten Clubteams entgegen. Es wurde getändelt, die anfangs wirklich harmlose Fürther Gegenwirkung unterschätzt. Und als Walitza nur zwölf Spielminuten nach der kalten Dusche des 1:1-Ausgleichs die erneute Führung gelungen war, wiederholte sich dieses gefährliche Spielchen. Wieder wechselte die Initiative zu Bergmann und Co. Ein eminent fleißiger Walitza war mehr in der Abwehr beschäftigt als im Angriffszentrum. Das deutliche Ziel, eine knappe Führung zu halten, ist während der letzten halben Stunde auf fremdem Platz üblich. Sieg ist Sieg, und schließlich hatten die Fürther in drei Heimspielen kein Tor geschossen. Gewiss, ohne Müllers Ballgeschenk an Hofmann wäre ihnen auch diesmal keines mehr gelungen, aber das schien in dieser stärksten Phase der Gastgeber keineswegs sicher. Und Meiningers Siegtor war als Schlusspointe für diese Vorstellung fast eine Nummer zu groß: eine Riesendusel für die Sieger, ein faustdickes Pech für die geschockten Verlierer.
Auch im Vorjahr stand das Vorspielderby am 8. Spieltag auf dem Programm. Der Club gewann im Stadion 2:0. Die Situation damals: der 1. FCN lag mit 15:8 Toren und 10:6 Punkten schon fünf Zähler hinter Spitzenreiter KSC; die SpVgg Fürth wies als Tabellensechzehnter 4:11 Tore und 4:12 Punkte auf. Sie hatte also nicht mehr Treffer erzielt als in den acht Spielen dieser Saison. Ein schwacher Trost. Gewichtiger ist da schon die gute Leistung im Spiel gegen den in diesem Jahr wesentlich besser dastehenden Lokalrivalen.
Ein erfreuliches Merkmal des Derbys aber gilt für beide Mannschaften wie für ihr Publikum. Es gab kein bewusstes Revanchefoul, keinen Krawall, keine Rakete, keinen Büchsenwurf, womit sich dieser Nachmittag wenigstens zwei Superlative verdient hat: die ruhigste Partie mit dem sichersten Schiedsrichter seit Jahren. Hans Cieslarczyk machte seiner Mannschaft ein Kompliment: „Wir wussten, dass der Club 90 Minuten Dampf machen kann. Unsere Elf hat das Tempo mitgehalten. Endlich zwei Stürmer-Tore. Das halbe Geschenk Müllers ist durch Pechtolds Rettung auf der Linie ausgeglichen ... seit langem unser stärkstes Spiel."
Aber der Fürther Trainer sah recht unzufrieden aus dabei. Ihm fehlte ein Punkt, um sich über den spielerischen wie kämpferischen Aufschwung seiner Männer wirklich freuen zu können: „Es ist bitter für uns, wie in Völklingen wieder durch ein Tor in den letzten Sekunden verloren zu haben; um so deprimierender, als jetzt die Brocken VfB, Saarbrücken und Pirmasens angegangen werden müssen." Schäfer habe sich einen Stammplatz gesichert. Heinlein seine Aufgabe gegen Meininger gut erfüllt und auch Bopp gegen Nüssing gefallen können: „Wir sind nicht in der glücklichen Lage wie der Club, auf der Bank gleichwertigen Ersatz sitzen zu haben. Deshalb wagte ich auch nicht, Efferenn zu bringen, denn Bergmann war angeschlagen, bei seinem Ausfall hätte Heinlein Libero spielen müssen. Und wer hätte dann Meininger bewachen sollen? Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen. Mit der Einstellung von heute werden auch wir noch unsere Punkte holen."
SpVgg Fürth: Löwer - Klump, Lausen, Bergmann, Jensen - Heinlein, Unger, Grimm, Bopp - Schäfer, Hofmann - Trainer: Hans Cieslarczyk
1. FC Nürnberg: Müller - Stocker, Pechtold, Rüsing, Sturz - Geinzer, Nüssing, Eder (79. Krstic), Majkowski - Walitza, Meininger - Trainer: Hans Tilkowski
Tore: 0:1 Nüssing (10.), 1:1 Hofmann (39.), 1:2 Walitza (52.), 2:2 Hofmann (70.), 2:3 Meininger (90.)
Schiedsrichter: Schröder (Lahnstein)
Zuschauer: 25000
Gelbe Karten: Bopp
Gelbe Karten (Gast): Rüsing
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