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Saison 1975/1976
27. Spieltag - Sa., 20.03.1976, 15:30 Uhr
1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth
3:2 (2:1)
Seit Samstag gibt es wieder Leute, die den Begriff Derby nicht aus dem Englischen, sondern Schlichtweg von dem Wörtchen derb ableiten. Lokalderb wäre dann die erste, Lokalderby das Hauptwort für die zweite, die höchste Steigerungsform. Die 216. Fußballbegegnung zwischen dem 1. FCN und der SpVgg Fürth war „lokalderb". Und zweifellos haben sich die Fürther - im Vergleich zu ihrem sonstigen Stil - in dieser Hinsicht stärker „gesteigert" als die Nürnberger. Den Gastgebern reichte es dennoch - wie im Vorspiel - zu einem glücklichen 3:2-(2:1)Sieg. Wieder fiel der entscheidende Treffer kurz vor Schluss. Am 20.9.75 im Ronhof war Meininger (90.) der glückliche Schütze, diesmal war es Sturz (87.).
Die Gästespieler standen nach dem Schlusspfiff zehn Minuten deprimiert und verärgert vor der versperrten Kabinentür. Ihr Mann mit dem Schlüssel war verschwunden. Der Reserveschlüssel von Stadionplatzwart Weigler musste geholt werden. Schlimmer war die tiefe Enttäuschung der Kleeblättler. Sie erschien vollauf verständlich. Da hatten sie einen hoffnungslos erscheinenden 0:2-Rückstand mit einer außerordentlichen Energieleistung egalisiert, das Remis fast eine halbe Stunde lang mit nur zehn Mann zäh verteidigt - und wenige Minuten vor Schluss doch noch den dringend benötigten, sehnlichst erhofften Punkt verloren. Beim Club dagegen ist, dank des „Abstaubers" von Sturz, auch nach dem 50. Punktespiel unter Trainer Tilkowski auf eigenem Platz das 1:4 gegen Neunkirchen der einzige Fleck auf einer sonst weißen Heimspielweste geblieben.
Die Partie hatte vor 30000 Zuschauern, darunter nur ein paar tausend aus Fürth, keine Minute Zeit, um ruhig anzulaufen: nach 40 Sekunden 1:0 für den Club! Und nach nur einer halben Stunde drei Treffer (2:1), ein Elfmeter (von Meininger verschossen), Bergmann angeschlagen, Nüssing am Spielfeldrand behandelt. Schwarzwälder am Kopf verletzt und Petrovic auf der Bahre vom Platz getragen. Die souveräne Spielweise der Nürnberger bis zum 2:0 hatte die Fürther, deren Anschlusstor und der Ausfall von Petrovic die Nürnberger zu mehr Lokalderbheiten gereizt. Als Hofmann auch noch der Ausgleich gelang, die Kleeblättler weiter drängten und schließlich Lausen durch Feldverweis verloren, war von den guten Vorsätzen, ein „sauberes Spiel" zu liefern, nur noch der viel zitierte „letzte Einsatz", das Entweder-oder des „bedingungslosen Kampfgeistes" übrig geblieben.
Auch wenn niemandem mit Absicht in die Knochen getreten worden sein sollte, die allseitige Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst hat kaum eine bessere Wirkung auf den Spielfluss. Eine solche „Kampfesweise" geht zwangsläufig auf Kosten der spielerischen Klasse. Und sie ist noch immer das wesentlichste Kriterium für die Qualität eines Fußballspiels. Jedenfalls sah - zum Beispiel - die erstklassige Begegnung Bayern München - Borussia Mönchengladbach auf dem Bildschirm weit weniger derb aus als das zweitklassige Nürnberger Derby in natura.
Der Club hatte auf Geinzer verzichten müssen, verlor bald Regisseur Petrovic, musste Jung-Torwart Bucher in der Derby-Atmosphäre debütieren lassen (Schwarzwälders Empfindlichkeit am Kopf wirkt allmählich bedenklich) und schließlich den humpelnden Hannakampf vom Jensen als Rekonvaleszenten an, Bergmann war schon nach elf Minuten angeschlagen, Lausen fehlte während der letzten halben Stunde ganz. All das erklärt schon ohne die unnötige Hackerei, dass da keine optimale spielerische Leistung mehr möglich war. Zuletzt bewachte Mittelstürmer Hilkes Mittelstürmer Walitza.
Weil Pechtold und Sturz in den letzten Begegnungen gegen Fürths Linksaußen Hofmann nicht gut ausgesehen hatten, stellte Tilkowski diesmal Stocker gegen ihn. Mit einigem Erfolg. Weil Jensen gegen solche Renner wie Majkowski schlechte Erfahrungen gemacht hat, vertraute ihm Cieslarczyk diesmal Petrovic an. Das ist einigermaßen schiefgegangen. Dieses Fürther Problem hat sich freilich nach 34 Minuten von selbst erledigt. Da lag Petrovic auf dem Platz und der Schiedsrichter ließ weiterspielen. Erst als sich Dani gar nicht mehr erheben wollte, winkte Aldinger die Helfer aufs Feld. Offenbar hatte der Referee geglaubt, der Jugoslawe spiele den „toten Mann". Dieser Irrtum brachte dem Pfeifenmann wüste Pfiffe ein. Man rief sogar „Schieber!" Auf Schiedsrichter-Reizungen reagiert der deutsche Fan zur Zeit eben allergisch.
Die Fürther waren Aldinger wegen der roten Karte für Lausen böse. Wer will, kann diesen Ausschluss auch so deuten: „Als „ausgleichende Gerechtigkeit" für das vergleichbare Pech von Sturz beim Pokalspiel in Darmstadt (13. 12. 75). Dort hatte Schiedsrichter Meßmer gedroht: „Der Nächste fliegt!" Dort war Sturz mit einem harmlosen Foul „der Nächste". Am Samstag hat Herr Aldinger, der von fünf gelben Karten keine zuviel verteilte und um sein Amt nicht zu beneiden war, nichts gesagt, aber vermutlich Ähnliches gedacht. Für ihn war eben Lausen „der Nächste". Dass Sturz dann auch noch das Siegtor schoss, passt freilich nicht mehr in diesen Vergleich. Die SpVgg Fürth kam - nach eigener Ansicht - als Außenseiter ins Stadion und trägt jetzt doch schwer an der unglücklichen Niederlage. Das Abstiegsgespenst ist noch nicht verscheucht. Der Club bleibt weiter im Stand der Hoffnung. Vielleicht also war dieses 216. Derby vorerst einmal das letzte um Punkte. Das „schönste" war es gewiss nicht.
1. FC Nürnberg: Schwarzwälder (46. Bucher) - Stocker, Rüsing, Hannakampf, Pechtold - Sturz, Petrovic (37. Eder), Nüssing - Majkowski, Walitza, Meininger - Trainer: Hans Tilkowski
SpVgg Fürth: Löwer - Klump, Lausen, Bergmann, Grabmeier - Jensen (87. Schäfer), Heinlein, Unger - Heubeck, Hilkes, Hofmann (78. Popp) - Trainer: Hans Cieslarczyk
Tore: 1:0 Meininger (1.), 2:0 Walitza (21.), 2:1 Lausen (28.), 2:2 Hofmann (52.), 3:2 Sturz (87.)
Schiedsrichter: Aldinger (Waiblingen)
Zuschauer: 30000
Gelbe Karten: Walitza, Pechtold
Gelbe Karten (Gast): Grabmeier, Hilkes, Lausen
Rote Karten (Gast): Lausen (65.)
Besondere Vorkommnisse: Meininger verschießt einen Elfmeter (15.)
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