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Saison 1972/1973
30. Spieltag - Sa., 07.04.1973, 17:30 Uhr
1860 München - SpVgg Fürth
5:0 (3:0)
So begrüßenswert Familienausflüge von Fußballmannschaften sein mögen. Wenn ein Punktespiel auf dem Programm steht sollte sie man tunlichst vermeiden.
Für die Kleeblatt-Kicker, eingestellt auf einen gemütlichen München-Trip mit eingestreuter Überprüfung des von den olympischen Gaul-Hupfern geschundenen Stadion-Rasens, gab es ein böses Erwachen. Eine scharf gemachte "Löwen-Mannschaft", mit unerhörtem Tempo und großer Kampfkraft aufwartend, zeigte die derzeitigen Grenzen der im Feldspiel wohl einigermaßen mithaltenden, jedoch völlig ohne Biss spielenden Fürther Mannschaft schonungslos auf.
Nach der kläglichen Leistung von Freiburg war beim TSV München 1860 alles auf Rehabilitation eingestellt. Trainer Elek Schwartz (64) raffte sich am Abend seiner langen Profilaufbahn (er setzt sich nach Saisonablauf zur wohlverdienten Ruhe) nochmals zu einem flammenden Appell an die 60er auf. Schließlich wollte man im zweiten Spiel dieses Samstags im Olympiastadion nicht zuletzt auch den Bayern-Anhängern zeigen, dass man noch wer ist. Das ist den „Löwen" gelungen.
Allerdings kamen die Gäste hierin den Einheimischen beträchtlich entgegen. Allzu unbekümmert suchten die "Kleeblättler" die Offensive, vernachlässigten dabei sträflich selbst die einfachsten Gebote des Safety first.
So kam es zwar im Gegensatz zum Vorspiel - wo meist neun Hamburger überängstlich am eigenen Strafraum standen um die Bayern-Angriffe abzufangen - zu einem überaus abwechslungsreichen Match, bei dem allerdings die Fürther für ihre an sich anerkennenswerten Bemühungen in München gepflegten Fußball zu zeigen mit der höchsten Saison-Niederlage zahlen mussten.
Gewiss - dem Spielverlauf nach war das 5:0 zweifellos zu hoch. Allerdings war in noch keinem Spiel der SpVgg Fürth das eigene Paradestück, die Mittelreihe, der gegnerischen derart unterlegen wie am Samstag im Olympiastadion. Bernhard Bergmann stand eindeutig im Schatten des überragenden Spielers auf dem Feld, Hanjo Weller, der wohl sein bisher bestes Spiel im „Löwen"-Dress lieferte. Nachdem sich auch Detsch und Unger um ihre direkten Gegenspieler Brozulat und Hohenwarter herzlich wenig kümmerten, fiel es den Münchnern wahrlich nicht schwer, mit brillanten Spielzügen aufzuwarten.
Hier gab es in der Spielanlage zwischen beiden Mannschaften einen eklatanten Unterschied festzustellen: Während die Fürther meist auf engem und engstem Raum zum Erfolg zu kommen suchten, waren die Aktionen der „Löwen" weiträumig angelegt.
Die Objektivität gebietet festzuhalten, dass die drei Treffer der 60er vor der Pause doch etwas glücklich für sie zustande kamen. In der 28. Minute leistete sich Ammon ein unnötiges Foul an Hohenwarter. Dieser schoss den Freistoß zwar plaziert, jedoch hatte der Ball so wenig Fahrt, dass er haltbar schien. Löwer später: „Mit den Fingerspitzen war ich noch dran." Schlimmer noch das 2:0 in der 39. Minute: Weller hatte sich vor dem Strafraum an zwei Fürthern vorbeigemogelt, feuerte einen Schuss ab, der genau in der Tormitte einschlug und Löwers Brust getroffen hätte, wäre der Kleeblatt-Keeper nicht vorzeitig in die linke untere Ecke getaucht. Eine Kopie des Führungstores der Nationalmannschaft gegen die CSSR war das 3:0 kurz vor der Pause. Einen Flankenball Metzgers wollte Marchl an der Fünfmeterlinie abwehren, schoss dabei Keller an, von dem der Ball am verdutzten Löwer vorbei ins Netz sprang.
Wie schon im ersten Spielabschnitt, so hatte die SpVgg Fürth auch nach Wiederbeginn Torchancen. In der 56. Minute brach Bergmann unwiderstehlich durch, doch Helmschrot stürzte aus dem Tor und holte ihm den Ball vom Fuß. Gleich darauf ein wuchtiger Dennerlein-Kopfball knapp über die Latte. Dann großes Glück für Löwer, als ein abgefälschtes Weller-Geschoss vom Pfosten ins Aus sprang. Einen Schuss von Unger konnte Helmschrot nur mit Mühe zur Ecke lenken. Dann in der 76. Minute ein Höhepunkt der Begegnung: Der unerhört wuchtige und bewegliche Keller ließ hintereinander Marchl und Ammon aussteigen und knallte den Ball mit Vehemenz in die Maschen. Ein tolles Tor! Gleich darauf zwei Glanzleistungen von Helmschrot: Ungers Schuss aus kurzer Entfernung boxte er reaktionsschnell weg, Popps Nachschuss meisterte er ebenfalls. Drei Minuten vor Schluss schließlich das 5:0 durch Hohenwarter.
Es gab eine überragende Erscheinung auf dem Platz: Weller. In dieser Verfassung gebührt ihm ein Platz in der ersten Reihe der Mittelfeldspieler dieses Landes. Nach ihm Torjäger Ferdinand Keller, dynamisch, stark im Dribbling, einsatzfreudig, mit Bums in beiden Beinen.
Hier hatte Fürth nichts gleichwertiges entgegenzusetzen. Zwar lief der Ball innerhalb der weiß-grünen Reihen gar oft recht gefällig von Mann zu Mann, doch war es am Münchner Strafraum meist zu Ende. Lediglich Unger bildete eine wirkliche Gefahr für Helmschrot. Heubeck - besser als zuletzt gegen Schweinfurt - gelangen wohl einige Dribblings, mit dem Abschluss haperte es wie so oft zuvor. Popp, der diesmal Jäger vorgezogen worden war, schaltete sich wohl mit in das Kombinationsspiel ein, der Drang zum Tor wurde allerdings vermisst. Wie angedeutet, hat man Peter Löwer Schüsse, die zu den beiden ersten Treffern führten, schon halten sehen. Die anderen waren absolut unhaltbar. Marchl setzte sich gegen Keller voll ein, konnte ihn jedoch nicht immer stoppen. Der sonst so souveräne Ammon verlor bei den stürmischen „Löwen"-Attacken mitunter die Übersicht. Klump hatte mit dem quirligen Metzger viel Mühe, während Schülke in dem Bestreben, das eigene Spiel anzukurbeln, die Abwehraufgaben zu sehr vernachlässigte.
Der TSV München bot - das war einhellige Auffassung im „Löwen"-Lager - die beste Leistung dieser Saison. Kein Zweifel, so stark war noch kein Gegner der SpVgg Fürth. Allerdings: So leicht machte es den „Löwen" in München bisher niemand. Offensivspiel in allen Ehren. Es darf jedoch nicht so weit gehen, den Gegner zum Toreschießen förmlich einzuladen
1860 München: Helmschrot - Seelmann, Sohnle, Hiller, Schuhmann - Brozulat, Hohenwarter, Weller - Metzger, Keller, Meininger (63. Bopp) - Trainer: Elek Schwartz
SpVgg Fürth: Löwer - Schülke, Marchl, Ammon, Klump (78. Schöpe) - Detsch, Bergmann, Unger - Heubeck, Dennerlein (70. Pieper), Popp - Trainer: Heinz Elzner
Tore: 1:0 Hohenwarter (28.), 2:0 Weller (39.), 3:0 Keller (43.), 4:0 Keller (76.), 5:0 Hohenwarter (87.)
Schiedsrichter: Aldinger (Waiblingen)
Zuschauer: 15000
Spielort: Olympiastadion
Besondere Vorkommnisse: Das Spiel fand als Doppelveranstaltung mit dem Bundesligaspiel Bayern München - Hamburger SV (1:0) im Olympiastadion statt. Deshalb anfangs 22000 und am Schluss 3000 Zuschauer.
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