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Saison 1973/1974
28. Spieltag - Sa., 16.03.1974, 15:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
0:1 (0:0)
212. Derby

Die erste Fürther Heimniederlage in der Rückrunde, die zweite der Saison (nach 1:2 gegen Hof) ist der erste Clubsieg im Ronhof seit viereinhalb Jahren (Herbst 69, 4:0).
Das 212. Derby der heute zweitklassigen Fußball-Hochburgler hatte mit offiziell angegebenen 13 500 „Zahlenden" 1000 Besucher weniger angelockt als im Herbst 1973 die Haller-Elf und gar 9000 weniger, als zur Abbruch-Partie im Vorjahr gekommen waren.
Die SpVgg verlor 0:1 (0:0) durch das 12. Veriteidiger-Tor von Sturz in dieser Saison. Das Treffen stand beiderseits auf bemerkenswert gutem spielerischen Niveau, bot überdurchschnittlich viele Torszenen und verlief bei allem Einsatz samt Publikumsengagement rundum auffallend friedlich.
Dazu eine charakteristische Szene aus den letzten Minuten: Nüssing und der Ex-Nürnbe-ger Popp rannten nach einer Flanke. Nüssing stürzte im Strafraum. Volkes Stimme forderte Elfmeter. Aber der Clubkapitän deutete selbst zur Ecke, ging auf Popp zu, ein freundlicher Klaps, Händeschütteln. Die Proteste verstummten.
Es gab drei Verletzte, doch kein bösartiges Foul. Heubeck bekam einen Scharfschuß Majkowskis aus kürzester Entfernung in die Magengrube (41.). Tilkowski machte von der Trainerbank als erster darauf aufmerksam, daß der Getroffene — nach Atem ringend — liegenblieb, während das Spiel weiterlief. Heubeck wurde hinausgetragen, ist aber wieder voll erholt.
Majkowski bekam nach Duell gegen Adjulovic einen Wadenkrampf (70.). Er wurde wegen einer Zerrung ausgetauscht, kann nach Auskunft von Clubarzt Dr. Lobenhober aber am nächsten Samstag wieder spielen.
Nüssing erlitt beim Sturz nach Zweikampf mit Dennerlein (32.) eine Schulterprellung. Nach wei Minuten Behandlung konnte er weitermachen.
Auf den Rängen keine Lücken, aber nur lokkere Besetzung. Der Besuch blieb hinter der Fürther Faustregel zurück: „Wir setzen jeweils 40 Prozent Karten im Vorverkauf ab", sagt Schatzmeister Gerhard Linz. Es waren über 8000 Karten während der Woche verkauft worden. Kleeblatt-Vorsitzender Dr. Röllinger: „Offiziell zugelassen sind 28 000. Wir hatten schon 30 000 hier. Sie passen auch rein. Dann aber sieht man nur noch Köpfe auf den Stehplatzrängen. Die angegebene Zuschauerzahl stimmt, auch wenn Sie sich fragen, wo da nochmals 14 000 unterkommen sollen."
Ein Conferencier des bunten Nachmittags hätte die anwesenden 14 000 — darunter vermutlich mehr Nürnberger als Fürther — mit dem Kompliment verabschiedet: „Sie waren mein bestes Derby-Publikum." Viel Anfeuerung, aber keine Rakete, weder Pfeif-Orgien noch Spielfeldstürmer. Die Organisation flutschte. Mit viel Polizei und verstärktem Ordnungsdienst auf alles Arge vorbereitet, wirkte der Aufwand vor soviel Bravheit schier überzogen. Aber wer kann das vorher wissen!
Auch auf dem Rasen ging es dank der gemäßigten Atmosphäre gelöster zu als befürchtet. Die Folge: ein gutes Fußballspiel ohne die Verkrampfung, von der so manches Derby-Niveau gedrückt worden ist.
Ein paar Kuriositäten: Adjulovic wurde ein-und ausgewechselt. Er kam für Heubeck und machte später Heinlein Platz. Elzner: „Ich hoffte auf seine Schußkraft, aber der Jugoslawe spielt zu eigennützig und bremst damit nur das Tempo."
Die Freitags-Auf Stellungen unterschieden sich ziemlich davon, wie die Mannschaften einliefen. An das Duell Sturz—Adjulovic hatten Experten ohnehin nicht geglaubt. Schuster blieb zunächst auf der Bank, weil Bergmann (mit Bewacher Schabacker) nicht spielte. Der Nürnberger Verteidiger erfuhr das erst in Fürth; der Club gab seine Besetzungsliste im letzten zulässigen Moment ab: eine halbe Stunde vor Spielbeginn. Dann erschien Geyer mit Nr. 9 als Linksaußen und Petrovic (11) zusätzlich im Mittelfeld. Elzner: „Deshalb stellte ich nach 20 Minuten Schöpe zu Geyer und Popp zu Nüssing."
Der Club-Kapitän, seit seinem Daumenbruch mit den Beinen nicht voll im Tritt, verhinderte zwei klare Torchancen für seine Elf. Vor dem Wechsel nahm er Bittlmayer den Ball vom Schußbein, nacher „foulte" er Geinzer in aussichtsreicher Position. Nüssing selbst: „Ich hab laut ,weg!" gerufen, aber die hören ja nicht auf mich."
Gemeinhin heben sich Wirkung und gleich große Gegenwirkung auf. Beim Duell Geinzer—Unger war es anders. Obwohl sie laut Dekkungsschema direkt miteinander zu tun hatten, zählten beide zu den Stärksten ihres Teams. Ein bißchen gilt das auch für das Duell Rüsing gegen Dennerlein, der erst in der 80. Minute zu seinem einzigen gefährlichen Torschuß kam. Die große Leistung von Sturz hatte dagegen günstigere Voraussetzungen: Jäger war ihm schon im Laufvermögen unterlegen.
Der Club wurde nach dem Schock des ersten Getümmels vor seinem Tor spielbestimmend. Schon hier deutete sich die Gefährlichkeit seiner stürmenden Verteidiger und aus dem verstärkten Mittelfeld an. Dazwischen Ungers abgefälschter Pfostenschuß, dem Neef erstarrt nachschaute, bis ihm der Ball wieder entgegensprang. Im Rückblick erscheint diese Glücks-Sekunde für den Club und Pech-Sekunde der Fürther entscheidend für den weiteren Verlauf. Bis lange nach dem Siegtreffer wurde Neef nicht mehr geprüft. Erst als Heinlein kam, bliesen die Fürther zum Endspurt. Aber die Flügel lahmten und vor dem Tor fehlte das Glück, man kann auch sagen: die Ruhe, ohne die erkämpfte oder überraschende Gelegenheiten eben meistens überhastet vergeben werden.
Aber das gilt ja auch nicht gerade als Stärke der Siegermannschaft. Sie schaffte immerhin das vierte „Auswärts-1:0" nach solchen Erfolgen in München, Freiburg und Schweinfurt. Die Kleeblätter dagegen blieben nach zwölf Treffern in den letzten beiden Heimspielen diesmal ohne Torerfolg. Vielleicht haben sie sich ein paar davon für den nächsten Gast aus der Spitzengruppe aufgehoben: die Münchner Löwen.
In Nürnberg hätte man ganz sicher nichts dagegen.

5. Minute: Majkowski zwingt Löwer mit einem 20-m-Schu6 erstmalsi auf Tauchstation.
6. Turbulente Momente im Clubsfrafraum. Hannakampf, Rüsing, Neef bringen den Ball nicht weg, Jäger, Detsch, Unger, Dennerlein nicht im Tor unter.
11.: Sturz spielt sich allein an Löwer vorbei, wird jedoch zu weit abgedrängt.
12.: Löwer kann einen 20-m-Schuß Schabackers nur mit Mühe zur Ecke lenken.
23.: Sturz bleibt an einem Fürther Bein hängen. Bittlmayer kommt zum Schuß, trifft jedoch das Tor nicht.
25.: Popp setzt zu einem Sturmlauf an, verfehlt aber ebenfalls das Ziel.
29.: Hannakampf rettet gegen Popp, Neef begräbt Jägers Nachschuß unter sich.
33.: Fließband-Kombination über Majkowski, Bittlmayer, Sturz. Löwer ist erneut auf dem Posten.
34.: Hannakampf fälscht einen Unger-Schuß ab. Der Ball klatscht an den Pfosten und von dort Neef in die Arme.
38.: Geyer zieht alleine in Richtung Fürther Tor; seinen Linksschuß wehrt Löwer mit den Fäusten ab.
47.: Der Club eröffnet auch die zweite Halbzeit wie ein Hausherr. Klump kann vor dem einschußbereiten Geyer retten. Popp wehrt einen Nüssing-Fallrückzieher mit Parterre-Kopfball auf der Torlinie ab, Geyer drischt den Ball in die Wolken (49.).
58.: Geyer stürmt mit einem Petrovie-Paß seinen Bewachern davon; Flachpaß von der Auslinie nach innen; Majkowski springt über den Ball und Sturz ist mit dem rechten Außenrist zum 1:0 erfolgreich.
68.: Ein schwerer Neef-Fehler ohne Folgen. Einer Ammon-Flanke springt der „Schotte" mit Anlauf entgegen und — faustet am Ball vorbei.
72.: Drei Kleeblatt-Angreifer schlagen vor Neef Luftlöcher, bringen den Ball nicht ins Netz.
87.: Die Partie endet, wie sie begonnen hat: mit einer feinen Löwer-Parade (Hannakamof-Schuß).

Pitt

SpVgg Fürth: Löwer - Popp, Schöpe, Ammon, Klump - Schülke, Detsch, Unger - Heubeck (42. Adjulovic, 75. Heinlein), Dennerlein, Jäger - Trainer: Heinz Elzner
1. FC Nürnberg: Neef - Sturz, Rüsing, Hannakampf, Schabacker - Geinzer, Petrovic, Majkowski (72. Schuster) - Bittlmayer (75. Michl), Nüssing, Geyer - Trainer: Hans Tilkowski
Tore: 0:1 Sturz (57.)
Schiedsrichter: Aldinger (Waiblingen)
Zuschauer: 13500
Gelbe Karten: Ammon, Adjulovic
Gelbe Karten (Gast): Hannakampf
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