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Saison 1933/1934
Gauliga Bayern - 6. Spieltag - So., 22.10.1933, 14:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
1:2 (1:0)

113. Derby

Heute ist Emil Leupold in der Laune, die genügt, um die ganze gegnerische Hintermannschaft zur Verzweiflung zu bringen. Er ist stets gut bewacht, findet aber immer wieder Gelegenheit, mit dem Leder ganz plötzlich vor Köhl aufzutauchen.

Im Augenblick ist der Hauptmann der meistbeschäftigte Spieler. Er hält und boxt und wirft sich und zeigt Paraden in einer Häufigkeit und meisterhafter Sicherheit, wie wir sie nur vom Heiner zu sehen gewohnt waren.

Nach den gezeigten bravourösen Abwehrleistungen Köhls möchten wir ihn ernsthaft neuerdings für die Nationalmannschaft in Vorschlag bringen, wenn er nicht wiederum einige schwache Momente gezeigt hätte, welche seinen Mitspielern nur Gelegenheit gaben, entsetzt den Kopf zu schütteln und in früheren Spielen dem Mannschaftsdirigenten Kalb Veranlassung waren, sein donnerndes: Hauptmann!, über den Platz zu rufen.

In der 20. Minute geht Fürth unter großem Jubel in Führung.

Von irgendwoher rollt der Ball aufs Tor, Köhl spaziert ihm gemächlich entgegen, bückt sich und tätschelt ihn auf dem Boden von der linken in die rechte Hand, und jetzt steht fünf Meter vor ihm Worst, und während Köhl weiter mit dem schönen neuen Leder liebäugelt, schiebt sich ein Fuß zwischen seine Arme, und die Kugel hängt im Netz!

Das Kleeblatt spielt mit Rückenwind und zeigt weiterhin eine leichte Feldüberlegenheit. Aber auch die Nürnberger zeigen verschiedene nette Ansätze, welche jedoch stets vor dem 16-m-Raum im Sand verlaufen.

Der von der Reservemannschaft aufgerückte Burk hat die eine und die andere Chance, er ist aber sehr langsam, langsamer nochmals Schmitt. Im Übrigen hat er sehr vage Begriffe erfolgreichen Zusammenspiels und muss seine ihm nachgerühmte Schuss- und Durchschlagskraft in den nächsten Kämpfen unter Beweis stellen, den er diesmal schuldig blieb.

Billmann immer besser

Billmann muss viel in der Verteidigung aushelfen. Er schafft unermüdlich und auch intelligent. Man erblickt ganz allgemein gerne in ihm lediglich den guten Arbeiter und spricht ihm sonstige Qualitäten für den Mittelläuferposten ab. Heute war er gleich gut in Abwehr und Aufbau und hat gezeigt, dass er, ein gut Stück vorangekommen ist. Natürlich das stilfeine Spiel eines Urbel Krauß besitzt er nicht. Die letzten Minuten vor der Pause verlaufen recht harmlos. Die Clubanhänger sehnen die Halbzeit heran, alles schwört auf die zweiten 45 Minuten.

Die hinreißende Offensive des Clubs

Anscheinend hat Schaffer in der Kabine wiederum seine fünf Sorgenkinder „angehaucht". Das sind immer noch die fünf Stürmer. Bewegten sie sich vordem, als seien sie eben aus dem Bett gestiegen, so glaubten sie sich jetzt sicher auf die Rennbahn versetzt. Bezwingend einfach, diese fein ausgeklügelten Schachzüge, die nun auch mit dem notwendigen körperlichen Einsatz vorgetragen wurden. Alle Tricks und Raffinesse müssen herhalten. Das Spiel bekommt eine ganz große Note.

Diese wundervollen Spielhandlungen, die mit unerhörter Wucht vor dem Auge abrollen, müssen auch zählbare Erfolge einbringen. Schon zeigt Hagen einige Schwächen. Gußner umgeht ihn wie er mag, läuft ihm, wiederholt einfach davon. Er wird aber auch von Eiberger, welcher sowohl als Spieler als auch als Kämpfer, am meisten in Erscheinung tritt, ausgezeichnet, bedient.

Die 7. Minute, nach der Pause bringt bereits den Gleichstand. Eiberger kommt wiederum angeprescht, umgeht Kraus und schießt zwischen Hagen und dem herbeieilenden Billmann, einem Bruder des Clubmittelläufers, platziert neben dem Pfosten ein.

Im „Deutschen Eck", der oberen Platzkurve, dem Stammplatz der Nürnberger Anhänger dröhnt brausender Jubel auf, der noch anhält, als die Rotjacken nach dem Anstoß bereits wieder vor dem Fürther Kasten stehen. Jetzt ist der Club nicht mehr, zu halten. Fürth kämpft verzweifelt um offenes Feldspiel.

Wer hat den Clubsturm in dieser Geschlossenheit und dieser alles niederzwingenden Hingabe seit Jahresfrist kämpfen sehen?

Diesem Ansturm ist die Fürther Verteidigung nicht gewachsen. Wenz eilt zu Hilfe aus dem Tore, und ist nicht ganz wieder zurückgekehrt, als Schmitt den Ball erhält und von der Strafraumgrenze über vier Gegner den Ball ins Tor hebt. 2:1 für den Club!

Und noch haben die Nürnberger, zwei, ja drei: todsichere Chancen, die unzweifelhafteste Gußner, der, drei Meter vor dem Tore, unbedrängt daneben schießt, - Fürth ist während dieser zwanzig Minuten vollkommen zurückgedrängt und kommt zu keinerlei geschlossenen Gegenangriffen.

Fürths Verzweiflungskampf.

Und dann kommt nochmals die große Wendung im Spielverlauf. Max Leupolds prachtvoll exakte Vorlagen gehen an die Vorderleute, wieder und immer wieder. Er beherrscht jetzt das Mittelfeld, gut unterstützt von seinen beiden Nebenleuten, von denen allerdings Wolf mehr mit Kraft als mit Technik arbeitet. Indessen hat auch Hagen durch wiederholtes scharfes und einige Male unfaires Angehen Gußner die Schneid abgekauft, und auf der anderen Seite lässt Kund mehr und mehr nach, so dass nach der Lahmlegung, der beiden Flügel das Innentrio auf sich selbst angewiesen ist, damit aber nicht sehr weit kommt. Köhl steht jetzt im Brennpunkt der Geschehnisse. Er übersteht das Bombardement der Frank, Ernst Leupold und Emmert mit unzweifelhafter Größe und verwischt damit den schlechten Eindruck des ersten Tores vollkommen.

Kaum einer hatte geglaubt, dass dieses Derby so dramatisch schön werden würde.

SpVgg Fürth: Wenz - Billmann, Hagen - Wolf, M. Leupold, K. Krauß - Worst, Emmert, E. Leupold, Frank, Sesselmann
1. FC Nürnberg: Köhl - Munkert, Popp - Oehm, Billmann, Weiß - Kund, Schmitt, Burk, Eiberger, Gußner
Tore: 1:0 Worst (20.), 1:1 Eiberger (52.), 1:2 Schmitt (53.)
Schiedsrichter: Hertlein (Augsburg)
Zuschauer: 8000
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