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Saison 1946/1947
14. Spieltag - Do., 26.12.1946, 14:00 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
1:3 (0:2)
153. Derby

Nürnberg-Fürths langersehntes Lokal-Derby, schon Tage vor dem Zusammenprall der Gesprächsstoff an vielen Punkten des öffentlichen Lebens, fand im Spielkalender den günstigsten Termin. Gastgeber Fürth befand sich seit fünf  Wochen im vielverheißenden Vormarsch zur Spitzengruppe, während der Club nach dem Ausrutscher in Aschaffenburg vom nachdrängenden 1860 München bedroht schien. Wer deshalb an eine gleichwertige Auseinandersetzung dieser beiden mächtigen Rivalen, ähnlich des Stils früherer unvergesslicher Fußballtage, glaubte, blieb bitter enttäuscht. Über weite Strecken des 90-Minuten-Films beherrschte nur eine Elf meisterlich den Ball und Gegner: Nürnberg. Zu rasch resignierten die Kleeblatt-Träger, zu schnell zerriss ihr Mannschaftsspiel. 3:1 drückt noch nicht die klaren technischen und taktischen Club-Vorteile aus. Und diese zeitenweise zu einseitige Spielüberlegenheit ließ unter den 20.000 nicht die fiebernde Hochstimmung aufkommen, die Deutschlands berühmtestes Lokaltreffen in früheren Tagen immer auszeichnete.
Ein vorbildlicher Gedanke von Nürnberg-Fürths Stadtoberhäuptern Dr. Levie und Dr. Bornkessel, die vor Beginn der Begegnung die Zweiundzwanzig zu ritterlichem Spiel ermahnten, war die Auszeichnung der fairsten Spieler mit Ehrenpreisen. Das Treffen verlief denn auch außer belanglosen Zusammenstößen, in sportlich feiner Form.
Wie Rennpferde starteten die Jungtalente Herbolsheimer, Morlock, Pöschl, Julius Uebelein und Gebhardt. Dem Spielpartner ließ man keine Zeit zum Einstellen auf die Art ihres Spiels, er wurde von den immer wieder anbrausenden Sturmwellen förmlich niedergewalzt. Am letzten Spieltag kapitulierte selbst die international erfahrene Stuttgarter Kickers-Abwehr mit Jahn-Sing vor diesem kühnen Angriffsplan und den Fürthern erging es diesmal nicht besser. Nach drei Minuten 1:0 (durch entschlossenes Ausnützen Herbolsheimers) und nach 16 Minuten bereits 2:0 (durch Pöschl, nach Zuspiel von Zollhöfer). Kleeblatt-Freunde hielten diesem überraschenden 2:0 entgegen, dass die Treffer auf recht glückliche Art zustandekamen und keiner zwingenden Spielkombination entsprangen: Diese Einwendung stimmt zu einem Teil. Wie aber der wieder im traditionellen Rot spielende 1. FCN durch taktisch geschickte Raumausnützung und vorbildliches Spielen ohne Ball - es dünkte zuweilen, als ob mehr Nürnberger als Fürther Spieler auf dem Felde ständen - seinen Vorsprung erzwang, das forderte Bewunderung und Beifall selbst der Club-Gegner ab.
Bis zum 2:0 imponierten die Fürther mit klug angesetzten Vorstößen, dienen nur der krönende Abschluss fehlte. Dieser vielgelobte Kleeblatt-Angriff schrumpfte durch das Zurückhängen des Mittelstürmers Spitz und die konsequente Abschirmung des gefürchteten Hoffmann (er blieb durch eine kurz überstandene Krankheit in seiner Entfaltung beschränkt) durch Knoll, auf eine harmlose Drei-Mann-Linie zusammen. Winkler-Popp fanden sich fast nie zu geschlossenem Flügel-Einsatz zusammen und Vorläufer, in Vorhut auf Weitbälle lauernd, fand im souverän stoppenden Kenneman ein zu mächtiges Gegenüber. Spitz rackerte und mühte sich im Mittelfeld ab, jedoch ohne viel Erfolg. Wie bei allen Kleeblatt-Spielern mangelte auch bei ihm genaues Zuspiel. Dieses Im-Felde-Herumstehen aller Fürther Spieler erschwerte schon den Ansatz zu Kombinationen und zwang zu nutzlosen, kräftezehrenden Dauer-Dribblings. Trotz dieser bedeutenden Spielnachteile eröffneten sich Fürth mehrere Gelegenheiten zum Torerfolg. So, als der Schrägschuss von Spitz, kurz vor dem 2:0, knapp am Lindner-Tor vorbeizischte und als in der 29. Minute ein bombiger Hoffmann-Strafstoß an das Torkreuz krachte. Doch auch der 1. FCN. vergab die Chancen zur Erhöhung des 2:0-Vorsprungs. Winterstein, plötzlich allein vor dem Fürther Kasten auftauchend, verschoss überhastet, durch das Entgegenstürzen des wieder im großen Stil abwehrenden Fürther Torhüters Niemann irritiert.
Nicht so zwingend und vollendet wie vor dem Wechsel, drängte der Club die Kleeblatt-Mannschaft auch in den zweiten 45 Minuten zurück. Wehrten Zollhöfer-Pfeiffer mit Niemann, die beiden Säulen im Fürther Abwehr-Netz, mühevoll einen Angriff ab, so leiteten die überragenden Beherrscher des Mittelfeldes und Kenner des schnellen Flächpasses Gebhardt-Hans Uebelein in harmonischer Zusammenarbeit mit dem betriebsamen Halbstürmer-Paar Morlock-Uebelein II einen Vorstoß nach dem anderen ein. Schwab-Roth dagegen vergeudeten bereits in der energievollen Zerstörung Nürnberger Angriffe ihre Kräfte und besaßen nicht mehr den Druck und die Übersicht, um das eigene Stürmerspiel anzutreiben. Jeder Pass endete zudem beim Gegner. Zeitenweise nahm das Spiel den Charakter eines Trainingstreffens für die Rotjacken an. Kennemann, erst nach dem Fürther Anschlusstreffer (durch Vorläufer-Kopfball nach Winkler-Flanke) reichlich nervös, probierte sich in mustergültigem Zuspiel zum weit vorne liegenden Innensturm. Billmann-Hans Uebelein-Morlock übten das verwirrende Dreieckspiel und Herbolsheimer, technisch glänzend und wieder voll sprühender Einfälle, reizte die Spielüberlegenheit (gegenüber dem steif angreifenden Pröll) zu beifällig aufgenommenen Attraktionen.
Und doch wankte nach dem 2:1 die Club-Abwehr, obwohl doch von dem zahmen Fürther Stürmchen wenig Gefahr drohte. Morlock-Julius Uebelein tauchten im eigenen Strafraum auf, Pöschl half hinten aus, Hans Uebelein-Gebhardt wuchteten die Bälle ins Aus. In diesem Punkt muss die Nürnberger Mannschaft erst noch reifer, bedachter, überlegter werden. Hätte Fürth diesen Schock der Club-Elf in strafferer Angriffsführung und wuchtigeren Vorstößen anstatt der zurückhängenden Abwarte-Stellung, ausgenützt, so wäre der vorher in keinem Augenblick bedrohte Vorsprung in Gefahr gewesen. Hoffmann wenn auch noch oft ungenügend ins Spiel gebracht, konnte es allein nicht schaffen. Es zeigte in Fürths Vorderreihe eben keiner Sinn für Zusammenarbeit, jeder stürmte, wühlte und kämpfte auf eigene Faust.
Das Elfmeter-Tor durch Morlock vier Minuten vor Abpfiff, nach unnötigem Foul von Pröll, drückte wenigstens zum Teil die überlegene Spielführung des Nürnberger Gastes aus.
Mustergültig schaltete sich der 23. Spieler - Schiedsrichter Pennig aus Mannheim - in das Spielgeschehen ein: sicher und bestimmt in seinen Entscheidungen bei Regelverstößen, großzügig in der Auslegung der Vorteilregel.
SpVgg Fürth: Niemann - Pfeiffer, Pröll - Schwab, Zollhöfer, Roth - Hoffmann, Vorläufer, Spitz, Popp, Winkler - Trainer: Hans Hagen
1. FC Nürnberg: Lindner - Billmann, Knoll - H. Uebelein, Kennemann, Gebhardt - Herbolsheimer, Morlock, Pöschl, J. Uebelein, Winterstein - Trainer: Dr. Karl Michalke
Tore: 0:1 Herbolsheimer (3.), 0:2 Pöschl (16.), 1:2 Vorläufer (68.), 1:3 Morlock (86., Foulelfmeter)
Schiedsrichter: Pennig (Mannheim)
Zuschauer: 20000
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