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Saison 1949/1950
8. Spieltag - So., 06.11.1949, 14:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
2:1 (2:1)
159. Derby

Es bleibt Deutschlands populärstes Duell: 1. FC Nürnberg gegen Spielvereinigung Fürth. Wenn auch inzwischen Fürth einmal im Wellental der Landesliga untertauchte, wenn auch der 1. FCN seit geraumer Zeit nur mehr Mittelfelder beansprucht, wenn auch andere Derbys aufleuchten (wie z. B. HSV gegen St. Pauli!) und wenn auch andere Städte ebenso längst ihre traditionsreichen Zweikämpfe immer wieder in neuem Glanz feiern: Die Münchener ihr 1860-Bayern (worauf man jetzt gar einen Schlager komponierte!) die Frankfurter ihr FSV-Eintracht, die Mannheimer ihr VfR-Waldhof, die Stuttgarter ihr VfB-Kickers, den jahrzehntealten Nimbus Club-Fürth entzaubert niemand in Deutschland!
Und die Eingeweihten meinten heute, seit mehr als zehn Jahren habe Nürnberg/Fürth dem Derby aller Derbys nicht mehr mit solcher Erregung entgegengefiebert wie diesmal! Und wer im Laufe der Woche die Ohren spitzte, fand das längst bestätigt. Fürths meteorengleich steiler Aufstieg aus dem Dunkel der Landesliga ins grelle Licht der Oberliga-Tabellenspitze alarmierte erst recht die engere Heimat und die ehrgeizige Nürnberger Konkurrenz. Und für beide stand viel auf diesem Spiel der Spiele! Für die Fürther winkte der erste Tabellenplatz (und er wurde erreicht!), den Nürnbergern drohte das Abrutschen in abstiegsüberschattete Tabellengefilde. Zweikämpfe bedeutender Spielerpersönlichkeiten lockten Feinschmecker der Schönspielerei: Gottinger gegen Morlock, Kennemann gegen Schade, Gebhardt gegen Brenzke, Knoll gegen Hoffmann.
Es gab viele Propheten, Unrecht behielten alle jene, die eine schwere Schlacht, eine Auflösung des Spiels in hitzige Zweikämpfe und Zuschauer außer Rand und Band voraussagten. Was geschah? Die beiden erbitterten Rivalen lieferten sich einen Strauß reich an spielerischen Schönheiten, ein hartes aber betont ritterliches Duell, ein Treffen, würdig seinem klangvollen Ruf. Und 32000 Zuschauer standen eher ehrfürchtig als streitsüchtig rings umher.
Dass nicht weitere 30000 den viel zu kleinen Ronhof stürmten, dafür sorgte die Umsicht der sportkundigen Fürther Polizei mit Nürnberger Assistenz. Hans Fiederer, der Nachbar, meinte gar, selbst zu seinen Club-Fürth-Zeiten - als er noch Fürths Sturm selber dirigierte - erhob sich das Derby selten auf so ansehnliches spielerisch-ritterliches Niveau wie dieses.
Schade griff einmal Schaffer so ungestüm an, dass dem Nürnberger Hüter die Mütze vom Kopf flog. Schade hob sie auf und reichte sie im Zurücklaufen seinem Gegner zu. Wir nehmen das als hoffnungsvolles Symbol für Wiederkehr des fair play - auch bei uns. Uns leider gar zu oft Rückfälligen. Dem Schiedsrichter Fink, er war mehr der klug lenkende Regelweise als ein Richter, kam ein hohes Verdienst hierfür zu!
Der Anhang der Nürnberger kam unbestreitbar seltener dazu, anfeuernde Trompeten zu blasen als die heimische Gilde. Fürth beherrschte die Partie zeitweilig so souverän wie in seinen größten Tagen, wie zu "Resi" Franz und Seiderers und Langs und Hans Hagens und "Sepp" Müllers Zeiten. Die Nachkommen dürfen stolz sein auf diesen Sieg, der ihnen (durch Stuttgarts Remis) die Tabellenführung eintrug. Sie dürfen noch stolzer darauf sein, wie sie Nürnberg niederzwangen: Zwingend und fair.
Die ersten zwanzig Minuten beider Spielhälften zog Fürth so unwiderstehlich im Mittelfeld seine Kreise wie das dem FCN schon lange nicht mehr widerfahren sein dürfte. Und nur der großartigen Schlagkraft der Dreiverteidigerkette Baumann-Kennemann-Knoll dankte es der Gast, dass - namentlich nach den Pause - der Torvorsprung der Fürther sich nicht vergrößerte. Dieses Kompliment für die drei Verteidiger, von denen Baumann besonders augenfällig herausragte, kann selbst durch Kennemanns Selbsttor, ein grotesk schön mit Flugköpfler verwandelter Ball, nicht beeinträchtigt werden!
Freilich bedeutete das nicht den einzigen Schönheitsfehler des Fürther Sieges. Auch das zweite Tor schoss nämlich nicht etwa ein Fürther Stürmer, sondern der in letzter Minute doch genesene elegant-aufbauende Flügelläufer Helbig. Dass beide Treffer des 2:1 ohne Stürmerkernschuss zustande kamen, mag den Fürther Siegesrausch und auch das Vertrauen auf den Bayernsturm (den Fürth nächsten Sonntag gegen Sachsen darstellt) ein wenig dämpfen. Trösten mag sich das Quintett freilich damit, dass Missgeschick ihm die Quittung manch prächtig aufgezogenen Angriffs versagte. Namentlich Appis Angriffsregie vor der Pause (später ging er mehr abwartend in die zweite Linie zurück) erinnerte an der Feinheit der Ballführung, dem undurchsichtigen Abspiel und der Umsicht an die Spielkunst seiner großen Vorgänger in der Fürther Verbindung, an "Resi" Franz und Hans Fiederer. Von Appis ging diesmal weit mehr das Einfädeln des Kombinationsgestrickes aus als von der rechten Seite. Hoffmann, sonst so selbstbewusst, verzagte vor Knolls großer Kunst. Nicht zu Unrecht stöhnte "Resi" Franz neben Dr. Tröger: Wenn die Unseren doch mehr an das alte Geheimnis dächten: Stoppen, flach halten, schauen, abspielen! Ja, in dieser Hinsicht sündigte auch der viel zu oft rückwärts abspielende Fürther Sturm. Schade wurde natürlich argwöhnisch überwacht und Kennemann kann sich trotz des Selbsttor-Missgeschicks rühmen, den Aktionsradius des immer wieder ausweichenden, ballgewandten, denkenden Mittelstürmers beschränkt zu haben. Brenzke, im Mittelfeld oft geschickt, verlor in Tornähe an Übersicht, Nöth setzte sich gegen den starken Baumann oft erfolgreich zur Wehr.
Einer aber überragte, so klein er ist, an spielerischem Einfluss alle: Gottinger. Dieser nach alter Kitzinger-Art aber womöglich noch geschmeidiger, spritziger angreifende, abspielende, lauernde, überschauende Seitenläufer wuchs, zusammen mit dem prächtigen (manchmal etwas deckungsleichtsinnigen) Helbig häufig in ausgesprochene sechste und siebte Stürmerposition hinein. Und Gottinger konnte das Mittelfeld um so unbesorgter beherrschen, als hinter ihm auf Schneider, Vorläufer, Frosch Verlass war. Alle Hochachtung vor dem starken Spiel des alten Schneider, der als Trainer und Regisseur (sonst aus dem Hintergrund), diesmal übrigens als einziger Internationaler des Feldes, zusammen mit dem sehr selbstsicheren Frosch entschlossen aufräumte.
Die Nürnberger seufzten vor allem über den Sturm ihres Club. Wo blieben die einst jauchzend gefeierten Solis von Pöschl und Morlock? Und die alles aufreißenden Wirbel-Zick-Zack.

Vorspiel der Reserven: SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg 5:0
SpVgg Fürth: Goth - Frosch, Schneider - Helbig, Vorläufer, Gottinger - Hoffmann, Brenzke, Schade, Appis, Nöth - Trainer: Helmut Schneider
1. FC Nürnberg: Schaffer - Baumann, Knoll - Bergner, Kennemann, Gebhardt - Herbolsheimer, Morlock, Pöschl, Ucko, Gehring - Trainer: Lori Polster
Tore: 1:0 Kennemann (10., Eigentor), 1:1 Pöschl (17.), 2:1 Helbig (20.)
Schiedsrichter: Fink (Frankfurt)
Zuschauer: 32000
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