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Saison 1946/1947
33. Spieltag - So., 01.06.1947, 16:30 Uhr
1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth
5:1 (2:0)
Niemann im Hagel Nürnberger Torschüsse.
Das Erfreulichste dieser 155. Rivalen-Begegnung Club-Fürth: Kein Misston, keine unschöne Handlung trübte, wie so oft in früheren Derbys, den Ablauf dieser (ungleichen) Stadion-Partie. Wohltuend und geradezu vorbildlich, besonders für die nacheifernde Jugend, wurde die sportliche Haltung der jeweiligen Spielpartner Carolin-Pöschl, Schnitger-Morlock und Popp-Winterstein, empfunden. Begegnungen, die solch ritterlicher Sportgeist auszeichnet und die fair abrollen, wünschte man sich öfter.
Eine weitere Seltenheit bot dieses Nürnberg-Fürther Lokalderby: Selten noch beherrschte eine Mannschaft ihren Widerpart mit einer derartigen Überlegenheit und technischen Vorteilen, wie der jetzt bereits feststehende neue Süddeuschland-Meister 1. FCN den Fürther Gast. Zeichnete sich im ersten Spielabschnitt wenigstens noch teilweise ebenbürtiges Angriffsspiel und zähe, verbissene Gegenwehr ab, so nahm das Treffen in der zweiten Halbzeit die Gestalt eines einseitigen Stürmens an. Jedoch dieses Angreifen, dieses Einleiten und Vorbereiten, diese Harmonie der einzelnen Mannschaftstelle, dieser verwirrende Quer- und Steilpass-Stil wurde von einem wahren Meister mit großartigen Solo-Kräften vorgeführt. Wenn auch die Abwehr durch das Pausieren Billmanns manchmal erschüttert schien, da der sachliche Baptist Uebelein bei aller Bemühungen noch nicht seinen Spielführer ersetzen konnte, so trat dieses Manko bei der schwachen Fürther Sturm-Gegenwirkung noch nicht so deutlich hervor.
Lindner im Club-Tor gefiel wieder durch seine elegante Art der Ball-Aufnahme, Knoll mit rasantem Dazwischenfahren und Kennemann durch seine konsequente Einhaltung der Stopper-Rolle. Die überragenden Figuren des Nürnberger Kombinations-Kreisels und zugleich die Punkte, wo das Kleeblatt nichts Gleichwertiges entgegenzustellen hatte, entdeckte man jedoch auf den vier wichtigen Mittelfeld-Positionen. Die beiden Läufer und Halbstürmer-Paare Bergner-Gebhardt und Julius Uebelein-Morlock, im Grunde wohl jeder andersgeartet, ergänzten sich in hervorragender Weise und waren unermüdliche Motore des aufreibenden Schnellpass-und Direktspiels. Gebhardt konnte es sich gar erlauben, unmittelbar hinter den Stürmern, Fürths Abwehrschläge aufzufangen und mit immer neu wechselnden Angriffsvarianten die Fürther Verteidigungskraft langsam abzuschwächen. Fast immer am Ball, gerade dort, wo man ihn nie wähnte, war der kleine Bergner. Unscheinbar und ohne jede Effektkomplexe stellt er seine Leistung ganz in den Dienst der Mannschaft.
So unterschiedlich in der Anlage und Einteilung des Spielaufbaus wirkte auch das Verbinder-Paar. Julius Uebelein, der sich mit Winterstein schon fein versteht, entwickelt sich immer mehr zum überlegten Regisseur seiner jungen Mitspieler. Wie er den Ball von einem auf den anderen Fuß jongliert und um die anstürmenden Abwehrspieler dribbelt, das erinnert an die Art des Wiener Hahnemann. Mit noch mehr Wucht und kraftvollen Einsätzen wirkte Morlock. Enorm sein Antritt, das Einschalten in die Kombination und das uneigennützige Handeln in verlockenden Schuss-Positionen. Stets gefährlich wurde Pöschl, wenn er im 100-Meter-Tempo um seinen Bewacher Carolin jagte und selbst aussichtslosen Bällen nachstellte. Nur noch etwas mehr Überlegung, nicht soviel eigensüchtiges Handeln, wünschte man ihm zuweilen. Herbolsheimer verblüffte durch seine Flankenläufe und technischen Einlagen, Winterstein imponierte durch das frische, ungehemmte Außenstürmerspiel.
Wohl in keinem der bisherigen 32 Fürther Oberliga-Treffen musste sich die überanstrengte Kleeblatt-Abwehr so oft gegnerischen Vorstößen entgegenstemmen, wie bei diesem 5:1. Niemann parierte trotz der fünf Treffer noch zahlreiche Fern- und Nahschüsse, in seiner bekannten kraftvollen, temperamentsprühenden Art. Seine tatkräftigsten Helfer fand er im Spielführer Popp, der auf allen Seiten rettend einsprang und mit Weitschlägen wenigstens für kurze Zeit Luft schaffte, sowie dem Eifrigsten in der Fürther Elf - Pfeiffer. Schnitger, der noch viele Zweikämpfe mit letzter Kraft gegen Morlock bestand, Pröll, der langsam wieder seine gewohnte Form findet und Carolin den Hand-, Fuß- und Kopfverletzung abwechselnd behinderten, konnten noch im Fürther Mannschaftsbau ab und zu gefallen.
Ob es ratsam war Fürths Sturmstütze Hoffmann trotz schmerzlicher Hüftverletzung mitwirken zu lassen? Nachdem auch Meier-Faul ohne Zusammenhang und Verständnis auftraten, verteilte sich das Hauptgewicht der Sturmtätigkeit zu Vorläufer-Spitz. Der Fürther Rechtsaußen versuchte immer wieder mit raschen AIleingängen die Club-Abwehr zu sprengen, während Spitz mal im eigenen Strafraum, dann wieder als eigentlicher Stürmer auftauchte.
Von den sechs Treffern, wobei das zweite von Fürths Seite angezweifelt wurde (vordere Torkante?), fällt es schwer, das Wirkungsvollste in Entwicklung und Ausführung herauszugreifen. Effektvoll die beiden Torschüsse zum 2:0 von Pöschl sowie der Ehrentreffer von Spitz, reaktionsgewandt der Julius-Uebelein-Schuss (3:0) und begeisternd die Pöschl Flanke mit abschließendem Morlock Kopfball.
Schiedsrichter Schmetzer leitete das Lokalderby wie man es von ihm gewohnt war.

Pitt

1. FC Nürnberg: Lindner - Knoll, B. Uebelein - Bergner, Kennemann, Gebhardt - Herbolsheimer, Morlock, Pöschl, J. Uebelein, Winterstein - Trainer: Dr. Karl Michalke
SpVgg Fürth: Niemann - Popp, Pröll - Pfeiffer, Carolin, Schnitger - Vorläufer, Spitz, Hoffmann, Faul, H. Meier - Trainer: Erich Koch
Tore: 1:0 Pöschl (3.), 2:0 Pöschl (22.), 3:0 J. Uebelein (51.), 4:0 Morlock (67.), 5:0 Herbolsheimer (70.), 5:1 Spitz (84.)
Schiedsrichter: Schmetzer (Mannheim)
Zuschauer: 15000
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