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Saison 1949/1950
23. Spieltag - So., 12.03.1950, 14:30 Uhr
1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth
1:2 (0:1)
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160. Derby

Namentlich in der ersten halben Stunde, bis zum Führungstor, konnten einem durch den zeitweilig prächtigen Ablauf des Fürther Kombinationsflusses Visionen kommen.... So ähnlich spielten einst, vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren die großen Vorfahren auch: so wie hier Schade schob damals Seiderer gefühlvoll die Bälle, so gescheit; weitschauend, elegant, unauffällig wie da vor uns der kleine, blonde Appis dirigierte einst der "Resl" Franz die sprichwörtlichen Fürther Kombinations-Zeremonien. So wuchtig wie damals der forsche Wellhöfer räumte jetzt hier der stark verbesserte Plawky in der Verteidigung auf. Und erinnert nicht der tändelnde (oft zu viel jonglierende) Helbig an den Hans Lang alter Tage? Nur einen "Sepp" Müller der Ruhmeszeit, einen grimmen Hans Hagen, einen "Teddy" Lohrmann als Hünen im Tor -  solche Typen der Antike brauchte der kommende Süddeutsche Meister noch in seiner heutigen Elf.
Unser Optimismus selbst nach Fürths jüngster Niederlage gab uns Recht. Die Krisen-Unkenrufe verstummen. Spielte Fürth in dieser Saison überhaupt schon so selbstbewusst zwingend wie heute weite Strecken im Spiel? Zum Genuss für den Kenner wurde das gegenseitige Belauern und Umlisten von Schade und Kennemann. Beide zeichneten sich hierbei aus, bewiesen ihr Können, jeder auf seine Art. Schade wurde aber auch von beiden Sturmseiten in häufig wechselnden Positions-Tauschmanövern wirkungsvoll unterstützt. Und die Überraschung: von der zweiten Angriffswelle Helbig-Sieber ging unerwartet starke Wirkung aus. Klug und energisch unterstützte der Ersatzmann für Gottinger seinen Angriff. Dabei hätte er doch nebenbei einen Morlock zu bewachen!
Wem nicht nur einseitig das Club-Herz pochte, der empfand das Führungstor der Fürther als gerechten ersten Höhepunkt. Herrlich fädelte der Sturm diese torbedrohende Szene ein! Herrlich schloss sie Hoffmanns Fallrückzieher ins Tor ab! Man fühlte immer stärker, wer in dieser klassischen deutschen Lokalmachtprobe derzeit der Herrschende ist.
Und "Bumbes" Schmidt, der Club-Trainer, gab das in der Halbzeit indirekt durch eine grundlegende Umstellung zu: Knoll zog sich auf seinen Verteidigungs-Stammposten zurück, nachdem er von seinem Kollegen Plawky als Rechtsaußen ausmanövriert worden war, Gehring ging an den Flügel, Baumann in die mittelfeldbeherrschende Außenläuferstellung, Ucko in die Sturm-Verbindung. Das war des Clubs Eingeständnis: So wie bisher ist dieses Fürth nicht zu schlagen! Vielleicht anders?.....
Und tatsächlich sah es bald so aus, als wende sich das Blatt. Nach zehn Minuten glich Gehring in seiner neuen Rolle als impulsiv hereinspurtender Flügelmann aus. Und Fürths Spiel bekam sofort einen Knick. Es lief nicht mehr so wie vorher. Der Club bekam die Oberhand. Immer mehr tauchte Kennemann drängend auf. Baumanns vitale Kraft, Brenzke bremsend, stieß durch. Helbig schien matter zu werden. Und bei Torbedrohungen spürte man schon, dass Goth einen mutigen, aber doch verwundbaren Vertreter zwischen die Pfosten schicken musste.
Und nach Gehrings frenetisch bejubeltem 1:1 empfanden wir als dritten Höhepunkt des 160. Club-Fürth-Dramas: Als Gehring einen großartigen, scharfen Schrägschuss aufs Tor donnerte, der .... um Millimeter die Latte rasierte.
Aber es sollte nicht sein. In dieser Phase, als das Schicksal schwankte, ob es den schon als sicheren Sieger dahinstürmenden Fürthern den Erfolg nehmen solle, da kam es auch zu einigen wenigen hitzigen, allzu hitzigen Szenen. Schiedsrichter Schmetzer sah hier manchmal etwas gar zu großzügig über versteckte Unsauberkeiten hinweg, und beim Kapitel Torwart-Angriff waren wir auch nicht immer mit ihm einig. Nicht ob und wie schwungvoll ein Torwart stürzt oder sich stürzen lässt, kennzeichnet Fairness oder Unfairness eines Angriffs auf den Torwart, sondern die Art, wie man ihn attackiert. Sonst aber brachte der Mannheimer Unparteiische, vor allem mit dem Versuch Vorteil zu beachten, das hitzige Duell mit Geschick und Sicherheit über die Strecke.
Mitten in die alarmierende Zwischenoffensive des Club kreuzten aber immer wieder jene oft kreiselnden, hin- und zurücklaufenden Kombinations-Züge der Fürther, ganz besonders temperamentvoll von dem oft einfach nicht zu haltenden Nöth forciert. Und so entschied sich das Schicksal in den letzten Minuten doch noch für Fürth - und zu Recht. Es war ein prächtiger Vorstoß von links, der Brenzke freimanövrierte, so dass der schussgewaltige Halbrechte aus 14 Metern klare Bahn hatte und auch stahlhart einkanonierte - ein Prachttreffer!
Dann fluteten in den letzten Minuten Fürths Angriffszüge über die resignierenden roten Reihen hinweg, und nur ein Glücksengel bewahrte den Club vor einem dritten Treffer, der Brenzke nach faszinierend geistesgegenwärtig-kaltblütigem Überspielen vor leerem Tor aus nächster Nähe um Millimeter missglückte.
Fürth siegte Im Meisterstil. Und wer genau weiß, wie schwer es ist, gerade in dem oft so verkrampften, nervösen Lokalderby spielerische Linie zu zeigen, der weiß Fürths Spiel und Sieg doppelt zu würdigen. Tapfer zog sich Ersatzhüter Seidel aus der Affäre. Plawky vertrieb Knoll aus dem Sturm und bremste den gefährlichen Gehring. Frosch legte mit Helbigs Hilfe die linke Clubflanke lahm. Sieber baute mit Helbig ein Mittelfeld-Zentrum von erstaunlicher Kraft auf, um so angriffssouveräner, als der ehrgeizige, emsige Vorläufer Pöschl beherrschte und sich keinen Stopper-Fehlzug zuschulden kommen ließ.
Hinter solcher Hintermannschaft konnte Fürth sein Glanzstück aufspielen - den Sturm, der seine fließende, rollende, wirbelnde Sicherheit der Fürther Klugheit verdankt, dieses Quintett sich in fast unveränderter Standard-Besetzung als Ganzes einspielen zu lassen. Die Palme des Groß-Regisseurs solchen Angriffs möchten wir heute Appis reichen, dem Spielmacher aus dem Hinterhalt, dem Einfädler, dem Zubringer. Immer selbstbewusster, kunstvoller passt sich Nöth in seiner sonderbaren Art als Rechtsfüßler am linken Flügel den Appis-Schadeschen Operationen an, heute oft überragend angriffsbeherrschend. Brenzke wuchs wie selten hinein, und von Hoffmann kam, wie meist, die vitale Stoßkraft. Schade, wie verwandelt, ging zu seinem und seiner Mannschaft Segen ganz im uneigennützigen, gescheiten, witzigen Dirigieren und Passen auf.
Entgegen aller Tradition lahmt der 1. FC Nürnberg, der deutsche Verein der gewaltigen Stürmerasse unserer Vergangenheit, heute mehr und mehr im Angriff. Pöschl und Morlock fehlen die Mittelfeld-Einfädler - sie brauchten einen Appis! Weder Ucko noch Gehring bringen diese Knüpfkunst vom Club-Kombinations-Teppichen mit. Und typische Außen, Flügel-Reißer von Lehner- oder Gußner- oder Kund- oder Sutor-Art, die fehlen erst recht. Da nutzt auch die Baumannsche Stoßkraft, Bergners unermüdliches Balltreiben nichts. Mirsberger kam selten so in Nöte wie gegen Nöth, und Kennemann behielt diesmal von allen den klarsten, ruhigsten Kopf. Schaffer und Knoll (als Verteidiger) treffen auch keine Schuld daran, dass Fürth nun erneut seine derzeit unbestreitbare Vorherrschaft dokumentierte ...

Vorspiel der Reserven: 1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth 2:3
1. FC Nürnberg: Schaffer - Mirsberger, Baumann - Bergner. Kennemann, Ucko - Knoll, Morlock, Pöschl, Gehring, Eichelsdörfer - Trainer: Hans Schmidt
SpVgg Fürth: Seidel - Frosch, Plawky - Helbig, Vorläufer Sieber - Hoffmann, Brenzke, Schade, Appis, Nöth - Trainer: Helmut Schneider
Tore: 0:1 Hoffmann (23.), 1:1 Gehring (56.), 1:2 Brenzke (86.)
Schiedsrichter: Schmetzer (Mannheim)
Zuschauer: 38000
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