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Saison 1950/1951
15. Spieltag - So., 03.12.1950
1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth
2:2 (2:1)
Das 162. Derby Club gegen Kleeblatt begann mit einer, wir möchten sagen, symbolischen Ouvertüre. Dem Handvoll Brieftauben, die man vor Platzwahl davonflattern ließ, hätte man ebenfalls den Ölzweig einer Friedensbotschaft in den Schnabel stecken können, denn die beiden Erbfeinde aus der Hochburg taten in diesem an kämpferischen Höhepunkten reichen Treffen alles, um das seit Jahren vergrabene Kriegsbeil weiterrosten zu lassen . . .
Man halte sich doch einmal vor Augen, was für die beiden Gegner auf dem Spiele stand, dass ein Sieg für den einen wie den andern fast gleichbedeutend mit dem Herbstmeister-Titel gewesen wäre, dann erscheint einem die hochanständige Gesinnung dieses Spiels erst im richtigen Lichte.
Glückt dem Club auch heute ein Blitzstart? Diese Frage konnten die Fürther sicher schon beim Einlaufen von den meisten Lippen ablesen. Nun, sie ließen das Publikum nicht lange auf Antwort warten, und ihre Antwort kam überraschend schlagfertig und selbstbewusst: Warum soll diesmal nicht uns, den Fürthern, ein Blitzstart glücken? Der Reiz, den Club mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, schien jedenfalls den „Kleeblättlern" mächtigen Ansporn zu geben. Während sich die Club-Abwehr noch fragend umschaute, wer nun eigentlich decken sollte, wirbelten die ersten ungestümen Angriffs-Lawinen bereits auf Fischers Tor zu. Da, Nöth spritzt in eine gewagte Rückgabe hinein, Fischer kann gerade noch mit den Fingerspitzen zur Ecke abwehren. Gleich darauf brennt Bauer durch, Schade läuft seiner Vorlage entgegen, dribbelt ein paar Schritte, schießt - Tor-Tor! Verfrühter Jubel! Zu unplaciert, zu überhastet kam der Schuss.
Das Kleeblatt scheint geradezu zum Symbol des Schuss-Pechs zu werden, denn nacheinander vergeben seine Stürmer aussichtsreiche Bälle. Aber, vergessen Sie nicht, wer sich dem Fürther Ansturm entgegenstemmt! Ein Sippel, der Schade auf Schritt und Tritt wachsam verfolgt, ein ehrgeiziger Vetter, der mit Hoffmann kompromisslos um jeden Meter Bodens ringt, ein sich im Lauf des Spiels in immer bessere Form hineinsteigernder Bergner, der nicht nur die Kreise des technisch glänzenden Regisseurs Appis stört, sondern ebenso wie seine offensiven Gegenüber Helbig-Gottinger in den Sturm nachdrängt, ein Baumann, der kaltschnäuzig und spritzig Bauer in die Parade fährt und schließlich ein gegenüber dem Vorsonntag weit verbesserter Mirsberger. An ihnen zerschellt die anbrandende Springflut, obwohl Hoffmann voller Vitalität und Temperament steckt und kaum zu bändigen ist, obwohl Nöth zu spritzigen Sololäufen ansetzt, Schade seine raffiniertesten Hackentricks probiert und Bauer mit dem Ball ausgezeichnet umzugehen Versteht.
Nach 20 bangen Minuten kommt Ruhe ins Nürnberger Spiel. Das Kombinations-Räderwerk läuft nicht so reibungslos wie gegen Mühlburg, aber es sitzt Druck, gefährlicher Druck hinter den Aktionen. Das merkt Fürth, als Morlock eine Ucko-Hereingabe kurzentschlossen zum Führungstreffer ausnutzt. Fast im Gegenzug ist der Ausgleich fällig, den Sippel auf der Tor-Linie noch mit der Hand verhindern will. Appis täuscht den Elfmeter geschickt ein: 1:1! Wieder Stürmt der Club und die Waage scheint sich endgültig auf seine Seite zu senken, als Morlock eine weiche Herbolsheimer Flanke mit der Brust zum 2:1 eindrückt und die Angriffe der Weinroten immer energischer und zielstrebiger werden.
Ohne Schnaufpause geht es nach dem Wechsel weiter. Fürths Übergewicht wird stärker, denn Helbig und Gottinger schalten sich immer häufiger in die zweite Angriffs-Linie ein, da Knoll und Plawky ihren eifrigen Außen nicht mehr viel Spielraum überlassen. Die Dämmerung kriecht bereits in den Zabo herein, da flammt nochmals der unbeugsame Kampfgeist der prächtig durchtrainierten Fürther auf. Nöth erläuft sich an der Aus-Linie einen fast aussichtslosen Ball, Appis jagt in vollem Lauf herbei und schmettert einen Direkt-Schuss - daneben! Dem warnenden Wetterleuchten folgt bald der Blitzschlag von Schades 2:2, der den spielerisch oft bestechend kunstvoll über das Feld wirbelnden Fürthern die verdiente Punkteteilung bringt.

Vorspiel der Reserven: 1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth 1:1
1. FC Nürnberg: Fischer - Mirsberger, Vetter - Bergner, Sippel, Baumann - Herbolsheimer, Morlock, Brenzke, Winterstein, Ucko - Trainer: Hans Schmidt
SpVgg Fürth: Höger - Knoll, Plawky - Helbig, Vorläufer, Gottinger - Hoffmann, Bauer, Schade, Appis, Nöth - Trainer: Helmut Schneider
Tore: 1:0 Morlock (36.), 1:1 Appis (38., Handelfmeter), 2:1 Morlock (44.), 2:2 Schade (86.)
Schiedsrichter: Pennig (Mannheim)
Zuschauer: 34000
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