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Saison 1960/1961
6. Spieltag - So., 18.09.1960, 15:00 Uhr
1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth
4:1 (1:1)
183. Derby

Wer hätte vor diesem 183. Derby an ein derart zähes, beinahe dramatisches Ringen geglaubt! Der hundertste Club-Sieg musste hart erkämpft werden. Gegen ein Kleeblatt, das keineswegs als Schlachtopfer in den Zabo kam, das wieder einmal bewies, dass es gegen den großen Club besonders ehrgeizig ist. Was behaupten doch böse Zungen in Nürnberg: „Die Fürther spielen in der Saison nur zweimal groß auf, und das ist gegen den Club ..."
Dass dies reichlich übertrieben ist, dürfte jedem objektivem Beobachter klar sein. In
zweierlei Hinsicht: Einmal finden die Fürther auch zeitweilig gegen andere Gegner den Faden; zum anderen war es keineswegs eine Superleistung, die die Elf an diesem nochmal ungewohnt heißen Spätsommertag vollbrachte.
Sicher, sie zeigte sich gegenüber der letzten Partie gegen Offenbach ein gutes Stück verbessert; doch der Angriff nahm sich die Mahnungen von Trainer Schade nur eine knappe halbe Stunde lang zu Herzen. Da wurde ideenreich, schnell und direkt kombiniert, da starteten der trickreiche Brzuske und der im Antritt viel schneller gewordene Stumptner in die Gassen, die ihnen der klug eingestellte Pohl öffnete. Das überraschende Führungstor Stumptners auf idealen Pass des Mittelstürmers war der Lohn. Viele witterten eine Sensation . . . Doch sie hatten die Rechnung ohne den Club gemacht. Einen Club, der gehandicapt erschien, weil er die Verletzten Zenger und Wild durch Reisch und Schweinberger ersetzen und zu allem Unglück von der 14. bis 33. Minute ohne Müller auskommen musste, der am Schlüsselbein verletzt wurde und den Rest der Spielzeit mit Klebeverband an Schulter und hochgehobenem Arm durchstand. Gerade deshalb erlebten wir jedoch - wie noch nie in dieser Saison - die unbeugsame Moral, die physische Kraft, die von der Clubelf ausstrahlt, Trainer Widmayer klopfte jedem einzelnen auf die Schulter, als die Mannschaft nach der Pause beim Stand von 1:1 aus den Kabinen kam.
Für jeden hatte er ein aufmunterndes Wort parat, ein „nun erst recht", weil In den ersten 45 Minuten vieles unglücklich lief. Jeder Nürnberger legte nun einen Zahn zu, man spürte förmlich, dass jeder gewillt war, die Behinderung Müllers (allen Respekt, er war beileibe kein Statist!) auszugleichen. Da musste sich einfach der Erfolg einstellen.
Bereits 13 Minuten nach der Pause war alles klar; obwohl die Club-Angriffsmaschine lange nicht so reibungslos ineinandergriff wie mit dem jungen Wild. "Waldi" Schweinberger rackerte sich redlich ab, hatte ebenso seinen Anteil an diesem wichtigen Sieg wie seine Kameraden; doch das ideenreiche Spiel seines verletzten Freundes, seine Schußsicherheit, sein direktes Weiterleiten des Balles, das alles erreichte er nicht. Wie sagte doch Trainer Widmayer zur Pause hoch mit Sorgenfalten auf der Stirn: „Keine Herabsetzung für Schweinberger: Mit Wild würden wir jetzt schon klar führen."
Im Gegensatz hierzu ließ der andere Ersatzmann Reisch, dieses schmächtige kleine Bürschchen, "Joe" Zenger nicht vermissen. Er war mit seinem Außenläuferkameraden Kreißel der Träger des Clubspiels im Mittelfeld. „Kleine Männer ganz groß", kann man da nur sagen. In der Mitte stand ein Wenauer, der zunächst im forschen Angriffsspiel der Fürther schwamm, dann aber diese Mittelachse mit zum Prachtstück des Siegers machte. Diese Achse war auch bitter nötig, denn das Verteidigerpaar des Clubs - besonders der in den letzten Wochen so groß herausgekommene Derbfuß - ließ Schwächen erkennen, die ein kaltschnäuzigerer Sturm als der Fürther unweigerlich ausgenutzt hätte.
Es war ein Glück für den 1. FCN, dass der Kleeblattangriff vor allem nach der Pause wieder jede Bindung verlor, dass man sinnlos - wie gegen Offenbach - im Querpass spielte und in die Mitte drängte, wo jetzt kein Durchkommen mehr war. Stumptners wertvolle Aufbauarbeit war das einzige Positivum. Schmidt nur ein Schatten seiner selbst, Gottinger dem Tempo zum Opfer fallend, Brzuskes Tricks von der Clubabwehr durchschaut, Pohl nicht mehr geradlinig.
Da musste die Abwehr zusammenbrechen, in der Erhard schier Übermenschliches leistete (welch ungerechte Pfiffe gegen ihn!) und der junge Gußner bis zum Umfallen kämpfte. Eine Bitte an die Fürther Verantwortlichen: lasst dieses blutjunge Talent einige Wochen pausieren! Wir merkten es schon am letzten Sonntag, dass er restlos ausgelaugt ist.
Bei Torwart Geißler kann sich das Kleeblatt bedanken, dass die Niederlage in Grenzen blieb. Die beiden Außenläufer waren derart überfordert, dass keine klaren Pässe mehr zu erwarten waren. Groß hielt sich gegen den unheimlichen Sprinter Flachenecker noch ordentlich. Der Junge versetzte schon andere ...
Wehe, wenn Max Morlock den Rechtsaußen noch mehr eingesetzt härte. Aber Max musste sich auch um die andere Sturmseite kümmern. Seine Routine, seine Ruhe sind für den Club noch Gold wert . . . -
Das Fürther Tor ist schon bekannt. Schildern wir kurz die vier Club-Tore: 1:1 (30.): Müllers Energie wird belohnt. Er fetzt einen Schrägschuss (ja, Schuss!) aus spitzestem Winkel ins Netz. 2:1 (49.): Kreißel verwandelt kaltblütig einen Handelfmeter, den Erhard verschuldete. 3:1 (58.): Morlock findet die Lücke zwischen den auf der Linie postierten Erhard und Groß. 4:1 (86.): Strehl findet endlich sein Schussglück . . .
 

Vorspiel der Reserven: 1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth 2:1
1. FC Nürnberg: Wabra - Derbfuß, Hilpert - Reisch, Wenauer, Kreißel - Flachenecker, Morlock, Strehl, Schweinberger, Müller - Trainer: Herbert Widmayer
SpVgg Fürth: Geißler - Gußner, Groß - Ehrlinger, Erhard, Bauer - O. Schmidt, Stumptner, Pohl, Gottinger, Brzuske - Trainer: Horst Schade
Tore: 0:1 Stumptner (15.), 1:1 Müller (30.), 2:1 Kreißel (49., Handelfmeter), 3:1 Morlock (58.), 4:1 Strehl (86.)
Schiedsrichter: Betz (Regensburg)
Zuschauer: 30000
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