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Saison 1961/1962
21. Spieltag - Sa., 27.01.1962, 14:30 Uhr
1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth
2:0 (0:0)
186. Derby

Tore: 59. Minute 1:0 durch Flachenecker, der aus 18 Metern einen Freistoß halbhoch hart am Pfosten der langen Ecke eindonnerte. 74. Minute 2:0 durch Morlock, der ein Zuspiel von Flachenecker nach Vorarbeit von Gettinger unhaltbar für Geißler verwertete.
Wenn die alte Theaterweisheit stimmt, daß eine verunglückte Generalprobe eine um so glänzendere Hauptvorstellung nach sich zieht, dann müsste der Club am Donnerstag in seinem Europacupspiel gegen Benfica Lissabon mit Gloria bestehen. Denn dieses 186. Derby der beiden Rivalen - 102 Spiele hat nun der Club gewonnen, der 52mal verlor und 32 Unentschieden zulassen musste, war alles andere als eine mitreißende Partie.
Nun hatte man vorher schon gewusst, dass der Akzent dieser 90 Minuten auf der kämpferischen Seite liegen würde. Denn es stand für beide Mannschaften zuviel auf dem Spiel, als dass man an dem Risiko interessiert sein konnte, das eine elegante Auseinandersetzung immer in sich birgt. Der Club durfte keinen Punkt verlieren, um den Anschluss an Eintracht Frankfurt zu behalten, den "Kleeblättlern" musste wenigstens an einem Punkt gelegen sein, um möglichst den Omnibus zum Mittelfeld zu erwischen.
So wurde zunächst beiderseits aus der Defensive gearbeitet, um Überraschungen vorzubeugen. Dabei verblüfften die "Kleeblättler" durch ein geradliniges, weiträumiges Sturmspiel, mit dem sie des öfteren die Nürnberger Hintermannschaft ganz schön in Schweiß brachten, zumal weder Zenger, noch Wenauer, noch Hilpert, der sich später dann aber großartig steigerte, ihre sonstige Form besaßen. Allerdings war der Clubstopper mit einem angebrochenen Daumen angetreten, der es ihm manchmal geraten erscheinen ließ, sich nicht allzusehr auf Zweikämpfe einzulassen, und Hilpert war erst im Laufe der Woche nach einer Blutvergiftung aus dem Bett geklettert.
Es gab noch mehr Entschuldigungen für den Deutschen Meister: Strehl, der sich beim Training eine leichte Oberschenkelzerrung zugezogen hatte, wurde vorsichtshalber nicht eingesetzt, und Haseneder am linken Flügel war wegen Grippe nicht einsatzfähig. Gerade die auf diesen beiden Posten aber eingestellten Spieler, Gettinger und Rost, vermochten gar nicht zu überzeugen, wobei Gettinger zugute gehalten werden muss, dass er nach seiner Verletzung erstmals wieder spielte. Da Flachenecker auch noch manchen Wunsch offen ließ, brauchte sich die Fürther Hintermannschaft nicht sonderlich anzustrengen, um die zudem noch zu breit und umständlich aufgezogenen Clubvorstöße immer wieder abzufangen.
Dass die Fürther in diesen ersten 45 Minuten auch zu keinem Tor kamen, das durchaus verdient gewesen wäre, haben sie ihrer Schwäche zuzuschreiben, die in ihrem Sturm ja nicht neu ist, der bekanntlich keinen Vollstrecker besitzt. Selbst, als Hilpert einmal über den Ball schlug und damit Schneider freie Bahn zum Tor verschaffte, kam der Fürther an dem allerdings blitzartig reagierenden Wabra nicht vorbei.
Nach der Pause steckte etwas mehr Dampf hinter den Aktionen der Heimelf. Aber überraschenderweise boten sich gerade nun, da die Vorstöße des Deutschen Meisters dynamischer wurden, den "Kleeblättlern" einige Torchancen. Als Fürther gefährlich aufs Tor flankte, gelang es Wabra nur mit Mühe, den Ball unter der Latte herauszuheben. Dann entglitt dem Clubtorsteher das Leder nach einer Schmidt-Bombe, ohne dass Unheil entstand, und wenig später war Brzuske, als ihm nach der dabei entstandenen Ecke der Ball wenige Meter vor dem Gehäuse auf den Brustkasten fiel, zu verdutzt, um daraus Kapital schlagen zu können.
Das waren die letzten Möglichkeiten für die Gäste, vielleicht eine Überraschung zuwege zu bringen. Als wenig später der erste Treffer fiel, kam der Club, nunmehr auf steiles Direktspiel umschaltend, immer besser in Fahrt, zumal offensichtlich auch die Kräfte einiger Fürther Hinterleute nicht mehr ganz ausreichten, um dem nun auch forcierten Tempo folgen zu können.
Als der Club dann ein bisschen zurücksteckte und den Fürthern das Mittelfeld wieder überließ, hatten die Clubabwehrleute sogar nochmals zu tun, um einen Anschlusstreffer zu verhindern. Es reichte aber nurmehr zu einigen Eckbällen für die "Kieeblättler", die aber auch hier mit dem Endstand von 3:5 zurücklagen.
Die Nürnberger Anhänger dürften mit gemischten Gefühlen nach Hause gegangen sein: Gegen Lissabon wird eine letzte gute halbe Stunde wie diesmal kaum genügen, um zu einem Erfolg zu kommen. Das Erfreulichste an der Begegnung war die Fairness, mit der sie ausgetragen wurde. Clubtrainer Widmayer, dem ja besonders daran gelegen sein musste, seine Leute ohne Verletzungen über das Spiel zu bringen, sah in dieser Tatsache das schönste Erlebnis.
Nun, am Donnerstag kann er mit Strehl ja wieder rechnen, nur die Besetzung des linken Flügel macht Sorge, denn für Gettinger, der während des Spiels vorübergehend mit Rost gewechselt hatte, ist dieser Platz so ungewohnt wie für den Ex-Bamberger Rost, der auch Halbstürmer ist.

Vorspiel der Reserven: 1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth ausgefallen
1. FC Nürnberg: Wabra - Derbfuß, Hilpert - Zenger, Wenauer, Reisch - Flachenecker, Morlock, Gettinger, Wild, Rost - Trainer: Herbert Widmayer
SpVgg Fürth: Geißler - Bauer, R. Schmid - Erhard, Emmerling, Gottinger - O. Schmidt, Fürther, Stumptner, Schneider, Brzuske - Trainer: Jenö Vincze
Tore: 1:0 Flachenecker (59.), 2:0 Morlock (74.)
Schiedsrichter: Fischer (Augsburg)
Zuschauer: 26000
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