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Saison 1954/1955
21. Spieltag - So., 13.02.1955, 14:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
2:1 (1:1)
172. Derby

Alles drehte sich um die Mittelfeldpole Mai - Gottinger.

Wir wollen keineswegs mit einem Federstrich die Vergangenheit vergessen machen, dennoch aber: Selten standen bei einem Derby - 20 000 lockte seine Popularität in den Ronhof! - so wertvolle Punkte auf dem Spiel. Beim Club schürte man den glimmenden Hoffnungsfunken, im machtvollen Endspurt doch noch den begehrten zweiten Tabellenplatz zu schaffen. Und Fürth brauchte die Punkte, um alle Sorgen wie unnötigen Ballast von sich werfen zu können. Nicht diese Überlegungen auf beiden Seiten jedoch beeinflussten das Spiel der alten Rivalen, sondern - wie entscheident wirkte es sich aus - die Vorbereitung beider Vereine während der Woche. Der Club ohne Regisseur Schade! Ohne Winterstein! Und Fürth? Wie triumphierten die Ränge, als Karl Mai, endlich wiedergenesen, wenn auch etwas schmächtiger als früher wirkend, den Rasen betrat, auf dem nicht nur wir ihn so scnmerzlich vermisst hatten ...
Das ließ den Kenner schon schnell die spätere Entscheidung ahnen. Und wie rasch fand er seine Meinung bestätigt! Die „Kleeblättler", durch Mai sichtlich in ihrem Selbstvertrauen bestärkt, entschlossener, ballgewandter, legten alle Scheu vor Ihren großen Gegenspielern ab und spielten, ja spielten mit solch eleganten, schnellen Kombinationen auf, dass es wirklich grotesk klingt: diese Mannschaft gehörte vor einer Woche nun Kreis der Abstiegsgefährdeten ...
Wie musste doch Fößel vor den schussstarken Appis, Gottinger (der immer wieder einen Kernschuss wagte), Landleiter und selbst Baumgärtner auf der Hut sein! Zwei-, dreimal tauchte er in Schüsse, die wir schon im Tor sahen. Und welche Aufmerksamkeit, welche Zähigkeit wurde von Kraft-Ucko allein zur Bewachung von Hoffmann-Landleiter verlangt. Während Ucko seinem blonden Gegenspieler Zügel anlegen konnte, gelang es Kraft während der 90 Minuten fast nie, so stürmisch und elanvoll löste sich Landleiter in blitzschnellem Antritt von ihm. Landleiter war diesmal der gefährlichste Fürther Stürmer. Weil auch Bergner, durch Verletzung behindert, sich nicht voll entfalten konnte und sich auf seine Defensiv-Aufgabe beschränkte, fehlte dem Club die entscheidende Herrschaft im Mittelfeld. Das Mittelfeld gehörte Appis, dem technisch beschlagenen, taktisch ungewöhnlich klugen Spieler, es gehörte auch Gottinger-Mai, die sich (es wirkte beinahe wie eine Selbstverständlichkeit) wie früher offensivstark als fünfte, sechste Stürmer in das Angriffsspiel einschalteten. Wie schnell wäre die Entscheidung bei dieser einseitigen Kräfteverteilung gefallen, hätte nicht Schober, umsichtig und beherrscht, seine Vorderleute gelenkt, sie geführt und lange eine schier unzerreißbare Kette um den eigenen Strafraum gelegt - Schober, der durch weite Vorlagen in den freien Raum versuchte seinen Angriff wirkungsvoll einzusetzen, der einmal wie entfesselt in die Fürther Hälfte eindrang, zwei Gegner täuschte und Herbolsheimer mit millimetergenauem Pass den Weg zum (wie kläglich vergebenen) Torschuss öffnete ...
Auch wenn der Club in Führung ging, die spielerischen Vorteile hielt nur Fürth in der Hand. Von wenigen systemvollen Angriffen abgesehen, erstarrte der Club-Sturm zu unbeholfenen Aktionen. Ihm fehlte der Lenker Schade überall. Herbolsheimer ohne körperliche Kraft, Glomb überhastet, kopflos (welche Chancen vergab er leichtfertig, unentschlossen!), Mirsberger wohl mit viel gutem Willen, aber ohne Wissen, welche Aufgaben einem modernen Halbstürmer übertragen sind, und Baumann, der sich auf dem harten Boden schwer zurecht fand, der keine Nebenspieler hatte, die auf sein Spiel eingingen und der zudem gegen einen so routinierten Mai zu bestehen hatte - verstehen auch Sie, lieber Leser, warum der Club verlor?
Zudem stand Fürths Abwehr eisern wie aus einem Guss! Bauers kaltschnäuzige Abschläge, Erhards Temperament, Kochs Ruhe, Gottingers effektvolles Nachdrängen in den Sturm und Mais Konzentration auf Baumann. Wie klar wirkte doch dieses erstarkte, selbstbewusst auftrumpfende Fürth! Es verlegte sich keineswegs auf eine harte Gangart, wie vielleicht der Elfmeter vermuten läßt. Spielen, Ball laufen lassen - und dann doch mit etwas mehr Schuss Schnelligkeit und Kraft, ja Fürth gewann verdient, im Ergebnis sogar noch um ein Tor zu wenig.
Und wie seltsam mag es jetzt klingen, nach diesem ehrlichen Lob für das Kleeblatt: Der Club konnte mühelos 4:2, ja 5:2 gewinnenl Übertrieben? Keineswegs!
Hier bitte: Baumanns Drehschuss in der 5. Minute, als Geißler den Ball fallen ließ, ging am leeren Tor vorbei. 30.: Schobers Musterpass an Herbolsheimer - vorbei.
50.: Schiffer allein vor Geißler - vorbei. 58.: Mirsbergers Pfostenschuss!
70.: Bergner-Pass, Glomb allein vor Geißler - vorbei. 73.: Bergner-Pass, Glomb allein vor Geißler - vorbei. 75.: Mirsberger steuert allein in den Strafraum - vorbei.
Vorbei, vorbei, vorbei! Wer solche Chancen vergibt, kann kein Derby gewinnen ...
Eine Sonderkritik über Schiffer. Dieser junge Spieler, lange in der Reserve und an sich doch voll Kraft (oder irren wir?), war eines Derbys nicht würdig. Ihm gelang kein Pass, keine Vorlage, er verlor reihenweise Zweikämpfe, verstolperte die Bälle - und zeigte keinen Einsatz, keinen Willen zur Leistung. Sein Mitspielen - es ist ein hartes Wort - wirkte wie eine Beleidigung auf jenen Posten, wo einst Sutor, Kund ihren Ruhm begründeten.

(aus "Sport-Magazin Ausgabe A Nr. 7/55 vom 14.02.1955) 

Vorspiel der Reserven: SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg 6:2

Pitt

SpVgg Fürth: Geißler - Bauer, Erhard - Mai, Koch, Gottinger - Hoffmann, Appis, Gawell, Baumgärtner, Landleiter - Trainer: Willi Hahnemann
1. FC Nürnberg: Fößel - Kraft, Ucko - Bergner, Schober, Zeitler - Herbolsheimer, Glomb, Mirsberger, Baumann, Schiffer - Trainer: Franz Binder
Tore: 0:1 Mirsberger (58., Foulelfmeter), 1:1 Baumgärtner (40.), 2:1 Appis (65.)
Schiedsrichter: Handwerker (Ketsch)
Zuschauer: 20000
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