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Saison 1955/1956
6. Spieltag - So., 09.10.1955, 15:00 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
0:3 (0:0)
173. Derby

Morlocks Tatendurst machte Fürth sturmreif!
Schmolkes vorzeitiges Ausscheiden vereitelte den Plan, Hoffmann als Stoßkeil einzusetzen.

Was will es schon heißen, dass im Moment der Club die Spitze anführt und Fürth das Schlusslicht bildet. Derby-Spiele haben ihren eigenen Charakter. Man darf dieses 3:0 keineswegs all normales Ergebnis, das den Stand in der Tabelle ausdrücken soll, werten. Das 3:0 trügt! Es sei uns erlaubt, heute mit einem Trostwort an den Verlierer zu beginnen. Fürth ging im wahrsten Sinn des Wortes mit fliegenden Fahnen unter. Es kämpfte ehrgeizig wie selten gegen einen Gegner an, der die klarere, zielbewusstere Spielkonzept vorführte. Aus diesem anfänglichen Kämpfen und Würgen schälte sich Mitte der ersten Halbzeit eine deutliche Überlegenheit der Fürther heraus. Und hier verpasste das Kleeblatt die Führung und verschenkte den durchaus möglichen Sieg. Wir wissen nicht, welchen Verlauf diese Partie genommen hätte, wenn Engelhardt (17. Minute) ganz allein vor dem Tor der Einschuss geglückt wäre, und wenn nicht Schiedsrichter Hörn das in der 25. Minute von Schmidt erzielte Tor annulliert hätte. Wir dürfen jedoch Hörn bestätigen; auch wir sahen eine Abseitsstellung Schmidts, nachdem vorher Hoffmann glänzend Schaffer umspielt hatte.
Vielleicht hätte Fürth auch nach dem Wechsel die Kraft und Moral gehabt, die nötig gewesen wäre, um diesen selbstbewusst auftretenden Club noch schlagen zu können. Aber eine Stunde lang fehlte den Fürthern Stopper Schmolke! Damit wurde der Plan von "Bumbes" Schmidt zerstört, der vorsah dass Hoffmann den Stoßkeil in der Sturmmitte bilden sollte. Schmolke wankte in der 37. Minute vom Platz und Hoffmann wurde Stopper.
Der Club erkannte klar, dass die Entscheidung gleich nach der Pause fallen musste. Morlock in Bundschuh wurden die Träger des Sieges. Selten erlebten wir Max Morlock so drangvoll, so uneigennützig, so spurtkräftig, so blitzartig denkend und handelnd wie diesmal - immerhin gegen einen großartig aufgelegten Gottinger. Und Bundschuh nutzte das Spiel ohne Gegenspieler zu einer brillianten Aufbaurolle aus. Immer wieder stieß er durch die oft wie aufgescheucht umherlaufenden Fürther Deckungsspieler. Und aus dieser überlegenen Haltung von Morlock-Bundschuh reifte die Entscheidung. Das 1:0, 120 Sekunden nach der Pause, war das Verdienst von Morlock, der Mai, Gottinger, Koch und dann schließlich Geißler ausspielte - Schade brauchte nur den Innenrist hinzuhalten.
Das 2:0 war eine raffinierte Sache Schades. Geißler berührte den Ball außerhalb des Strafraums - Freistoß. Geißler war noch immer mit dem Stellen seiner Mauer beschäftigt, da schlug schon in der von ihm bewachten Ecke Schades placiert geschobener Ball ein. Das war die endgültige Entscheidung. Obwohl Fürth noch mit letzter Verzweiflung anstürmte und zwei Lattenschüsse (Koch und Landleiter) herausholte - an dem 2:0 (das Schweinberger mit eine feinen Schrägschuss auf 3:0 erhöhte) war nichts mehr zu ändern. Das 3:0 ist das Verdienst zweier Persönlichkeiten (Morlock, Bundschuh) sowie der zäh sich währenden Club-Deckung. Vetter wirkte zwar etwas nervös, verstand es aber immer wieder kraftvoll einzugreifen, übertraf diesmal im Einsatz und im befreienden Abschlag den bedächtiger wirkenden Knoll. Baumann wurde, solange Hoffmann noch mitstürmte richtig eingeheizt. Ucko schaltete sich klug in den Angriff ein, wenn es nach vorn ging. Gleich zog er sich aber mit dem im Gegenzug Anstürmenden zurück.
Sturmspiel steht und fällt mit Morlock. Diesmal war Max nicht zu halten. An des Nürnbergers Leistung, alles in den Dienst seiner Mannschaft sollte sich der Nationalspieler auf der Gegenseite, Karl Mai, ein Beispiel nehmen. Horst Schade wurde erst richtig warm und beweglich, als er den kraftvoll eingreifenden Schmolke nicht mehr im Nacken wußte. Aber im Ausnützen von Torchancen und in der Kombinationsbewegung ist er immer noch vor den jüngeren, unerfahreneren Wagner zu stellen. Auf den Flügeln lahmt der Club noch etwas. Schweinberger spielt wohl sehr gescheit mit, ihm fehlt der Zug zum Tor. Und Wagner ist schüchtern, zu wenig selbstbewusst, um das richtige Kapital aus der Morlockschen Vorarbeit zu schlagen. Fürth erlitt eine der unglücklichsten Derby-Niederlagen. Dennoch sollte man nicht verzweifeln. Mit dieser Einstellung, kämpferisch und spielerisch, wird in den nächsten Wochen manch unerwarteter Punkt gesichert werden. Das Schlussdreieck wirkte mit dem bei hohen Bällen etwas unsicher wirkenden Geißler wieder kompakter. Als der kompromisslos aufräumende Schmolke verletzt war, war auch die Deckungsmoral dahin. Einmal war Hoffmann, dann wieder Appis, dann auch mal Engelhardt hinten zu sehen.
Aber dieser Verlust war durch nichts wieder gutzumachen. Fürths Lichtblicke: der Sturm mit dem Stoßkeil Hoffmann in der Mitte wirkt gefährlicher. Wenn bloß Appis energischer wäre! Landleiter, kaum zu bremsen, war Fürths gefährlichster Stürmer. Engelhardt fehlt etwas die Moral. Zweimal verpasste er frei vor dem Tor den Einschuss ...
Fürths Schatten: Bauer hat doch dieses unfaire Angreifen über 90 Minuten nicht nötig; Er versucht damit sein mangelhaftes Deckungsspiel zu verwischen. Karl Mai ist mit diesem Auftreten kein Gewinn für die Fürther Mannschaft. Mai ist Nationalspieler, und das verpflichtet. Er sollte sich mal sagen lassen, was so große Internationale wie Ludwig Leinberger oder Hans Hagen oder „Allan" Frank gerade für ihren Verein geleistet haben. Sein Auftreten und Benehmen muss geradezu provozierend und aufreizend auf seine Kameraden wirken. Wir glauben, dass hier Herberger mal ein ganz energisches Wort sprechen müsste ...

(aus "Sport-Magazin Ausgabe A Nr. 41/55 vom 10.10.1955)

Vorspiel der Reserven: SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg 2:4

Pitt

SpVgg Fürth: Geißler - Bauer, Koch - Mai, Schmolke, Gottinger - Engelhardt, Appis, Hoffmann, Schmidt, Landleiter - Trainer: Hans Schmidt
1. FC Nürnberg: Schaffer - Knoll, Vetter - Bundschuh, Baumann, Ucko - Wagner, Morlock, Schade, Glomb, Schweinberger - Trainer: Franz Binder
Tore: 0:1 Schade (47.), 0:2 Schade (61.), 0:3 Schweinberger (78.)
Schiedsrichter: Horn (München)
Zuschauer: 23000
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