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Saison 1956/1957
21. Spieltag - So., 17.02.1957, 14:30 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
2:2 (0:1)
176. Derby

Eine bewegte Woche liegt hinter uns. Selten hörten wir von soviel Wetten, selten vernahmen wir so handfeste Schwüre, dass der Club sich für das 7:2 in der Vorrunde revanchieren werde. Die anderen wieder wollten wissen, Fürth habe sich einverstanden erklärt, dass das Ergebnis vorher bereits abgestimmt worden sei. Schließlich, so versuchten diese Besserwisser zu erklären, man müsse doch dem Club in dieser Lage helfen. Wer an Fürths Stelle täte das nicht...
Alle Wetten, alle Schwüre, alle Versprechungen, alle Prophezeiungen wurden durch dramatische, kampfreiche 90 Minuten hinweggefegt. Gerade weil die Spieler sich unter der Woche inmitten dieser nervenaufreibenden Gespräche bewegen müssen, verwunderten uns die Klasse, die Reife, die unerbittlichen Duelle dieses populärsten deutschen Derbys. Man schenkte sich gegenseitig nichts. Wir erkannten, dass der Club zielbewusst, klar, mit nüchternem Rezept seine Aufgabe, sein Ziel anstrebte: Einen Sieg zu erzwingen, eine Revanche zu vollbringen. Fürth dagegen stemmte sich leidenschaftlicher, temperamentvoller und nach dem Abfangen von Angriffen im Mittelfeldspiel künstlerischer entgegen. Was der Club geradlinig mit zwei, drei Konterschlägen zu erreichen versuchte, das wollte das elegante Fürth mit gefälligem Kombinationsspiel herausholen. Deshalb möchten wir das 2:2 als das gerechteste Ergebnis bezeichnen.
Derbys schreiben ihre eigenen Gesetze. Deshalb fällt es schwer, unmittelbar nach Spielschluss bereits einen Vergleich des Club mit Offenbach und dem KSC anzustellen. Vielleicht werden wir dann klarer sehen, wenn in den nächsten Wochen Offenbach und der KSC im Ronhof aufgespielt haben. Eines trat jedoch sehr deutlich hervor: der 1. FCN hat seine Krise (1:3 in Straubing, 1:1 gegen den FSV, 0:1 bei Bayern München) überwunden. Die Elf wirkt wieder stabiler, allerdings noch nicht so mannschaftlich geschlossen, dass man ihr uneingeschränkt einen der vorderen Plätze heute bereits zuerkennen könnte. Dazu wirkt manches zu unvollkommen, zu verkrampft, zu abgehackt, zerrissen.
Ein Glück, dass hinten der sich vor Ehrgeiz förmlich zerreißende Schaffer (unerhörte Reaktion) und Adolf Knoll selbst in den tollsten Situationen klaren Kopf behalten. Ucko hat zwei Gesichter. Einmal spritzt er selbstbewusst in die fein aufgezogenen Fürther Kombinationen, dann wieder wirkt er zögernd, als wollte er sagen, nein, hier greife ich nicht ein, ich möchte nichts riskieren. Vetter übertreibt wie sein Verteidiger-Kollege Schmolke das unfaire, körperliche Spiel.
Eine kluge, ganz in den Dienst der Mannschaft gestellte Partie lieferte Schober. Keine Kunststücke, kein vertrödeltes Zuspiel - ganz nach dem Vorbild großer Nürnberger Seitenläufer. Kreißel riskiert wenig. Er drischt zu sehr die Bälle planlos in die Gegend. Er schuftet brav, treu, bieder. Im Angriff überraschte uns der mal als Spitze, mal in der Hidegkuti-Rolle auftauchende Zenger. Sein tatkräftigster Helfer wurde Schweinberger. Er brillierte keineswegs mit kräftezehrenden Dribblings oder technischen Einlagen - bei Schweinberger war alles auf den Einsatz des auf völlig falschem Posten stehenden Müller und das In-die-Gasse-Schicken von Zenger abgestellt. Morlock trat gleich in den Mittelpunkt, sobald er seine körperlichen Mittel einsetzen konnte. Sollte er in technischen Dingen eine Entscheidung oder besser, die Krönung eines Spielzuges vollziehen, dann versagte er. Zuviel Respekt vor Erhard zeigte der junge Schmid.
Fürth war von Kopf bis Fuß auf Kampf und im richtigen Moment auf sein ureigenstes technisches Spiel eingestellt. Drossel hat Geißler klar übertroffen. Drossel reagiert schneller und riskiert mehr. Gegen den allzu wild angreifenden Schmolke möchte ich nicht spielen, oder besser, ich würde spielen, wenn ich einen Partner wie den technisch gewandten Kuhnert neben mir hätte (dann sähe Schmolke sicherlich nur mehr den Ball). Mit klarem Blick, mit feiner Einstellung zu dem gefährlichen Schmid zeichnete sich Erhard aus. Bauer ist unbeherrscht. Zuweilen wirkt er brav und unschuldig, womit sein Spiel gleich an Wirkung gewinnt. Dann wieder stürmt er planlos gegen den Gegner an, unfair, hässlich - so fiel Nürnbergs Führungstreffer. Mai ist wieder fast ganz der alte geworden. Spritzig im Antritt mit weiten, die Abwehr aufreißenden Flügelbällen.
Fürths Angriff arbeitete und schuftete 90 Minuten lang. Ehrlinger blieb auf dem ungewohnten Flügelposten hilflos. Bucklisch müsste öfter explodieren, nicht zögern. Kuhnert ist ein zweiter Alfred Pfaff, mit wenig kämpferischen Mitteln, dafür aber klug den Ball und den Gegner meisternd. Die größte Laufleistung vollbrachte Gettinger. Landleiter war mal Durchreißer, dann wieder harmlos, kopflos.
Und so kam es zum 2:2: 0:1 (16.): Fürths Deckung rückt auf, alles ruft „Abseits". Der Schiedsrichter winkt ab, Müller läuft weiter, bis kurz vor Drossel und jagt dem Fürther Hüter den Ball durch die Beine. 1:1 (55.): Typisch Karl Mai! Temperamentvoll treibt er den Ball im Duett mit Kuhnert durch die Nürnberger Reihen. Ein feiner Pass, Kuhnert knallt kaltblütig ein. 1:2 (65.): Der Ball ist bereits im anderen Feld, da schlägt der am Boden liegende Bauer den über ihm liegenden Müller unfair an - Elfmeter. Kreißel placiert wohl den Schuss, aber Drossel hätte den Ball beinahe gefasst. 2:2 (67.): Ehrlinger flankt zur Mitte, Kuhnert köpft direkt aufs Tor. Schaffer ist etwas verdutzt und lässt den Ball über seinen Arm ins Tor springen.

Vorspiel der Reserven: SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg 0:2
SpVgg Fürth: Drossel - Schmolke, Erhard - Mai, Bauer, Gottinger - Ehrlinger, Bucklisch, Kuhnert, Gettinger, Landleiter - Trainer: Hans Schmidt
1. FC Nürnberg: Schaffer - Ucko, Vetter - Schober, Knoll, Kreißel - Schmid, Morlock, Zenger, Schweinberger, Müller - Trainer: Franz Binder
Tore: 0:1 Müller (16.), 1:1 Kuhnert (55.), 1:2 Kreißel (65., Foulelfmeter), 2:2 Kuhnert (67.)
Schiedsrichter: Reichert (Frankfurt)
Zuschauer: 26000
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