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Saison 1957/1958
6. Spieltag - So., 15.09.1957, 15:00 Uhr
SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg
0:1 (0:1)

177. Derby

Das war ein echter Club-Sieg, einer der Erfolge, die die Nürnberger in der letzten Saison zun Meistertitel brachten: Ein Erfolg der klagen, nüchternen Spielführung, verbunden mit einem Quentchen Glück und Schwächen des Gegners in den entscheidenden Positionen. Hätte Fürth im Sturm auch nur einen Vollstrecker gehabt, wäre es kaum bei diesem 0:1 geblieben. Aber dieser Mann fehlte dem Kleeblatt. Der ob seines Schussvermögens einst gefürchtete Max Appis kann nicht mehr an frühere Tage anknüpfen, Bucklisch hemmte durch seine Umständlichkeit im entscheidenden Moment das Spiel seiner Nebenleute, und der junge Schneider hat noch keinen Mumm, keinen Biss, wenn es darauf ankommt, die erarbeitete Chance in Tore umzumünzen. Da nützte die ganze Vorarbeit der beiden Flügel nichts, von denen Kuhnert der wirkungsvollere war, bei Zeitler allerdings nicht die starke Gegenwirkung fand wie Schmidt bei dem seine Routine restlos ausspielenden Ucko. Ja, im Sturm lag das Handicap der Fürther in dieser Partie, aus der sie nach dem ganzen Ablauf des Geschehens einen Punkt nicht nur verdienten, sondern geradezu holen mussten. Wer kann es Mai und Erhard verdenken, dass sie in der zweiten Halbzeit mehr und mehr ihre  Deckungsarbeit für einige Augenblicke zurückstellten, um mit nach vorne zu preschen und das Manko des schußschwachen Sturmes auszugleichen. Mit diesem Moment aber konnten sich der Club von der Fürther Umklammerung, in der er zeitweise steckte, freimachen, weil jetzt Morlock und Schweinberger, die zuvor im Schatten von Mai-Erhard gestanden hatten, die Fäden in die Hand nahmen.
Csaknadys Schachzug, Mai und Erhard den Nürnberger Spielmachern entgegenzustellen und dafür lieber das Risiko eines nach der Papierform schwächeren Stoppers (Schmolke) einzugehen, glückte trotz der Niederlage vollauf. Nicht nur, weil die Fürther Außenläufer tatsächlich die Motore des Clubsturmes stoppten, sondern weil Schmolke an der ihm übertragenen Verantwortung wuchs und gegen Glomb eines der besten Spiele lieferte, die wir bisher von ihm sahen. Da Koch sich zudem auf Schmid glänzend einstellte und Müller überlastet war (oft betätigte er sich zusätzlich als Ballschlepper und Abwehr-Stütze), blieb der Clubsturm, obwohl in der Art seines Spieles reifer und sachlicher wirkend, genauso ohne den zündenden Funken wie der Kleeblatt-Angriff.
Der Club begann die Partie, wie es sich für den Favoriten dieses Derbys gehörte: Selbstbewusst, ruhig. Die Fürther wirkten dagegen in diesen ersten Minuten nervös, unkonzentriert. Und gerade da hätten sie das Spiel schon für sich entscheiden können, denn trotz der leichten Feldüberlegenheit der Nürnberger hatte Fürth gleich zu Beginn einige Chancen. Wabra verhinderte aber durch seine mutigen Paraden einen frühen Rückstand, und vor ihm wurde Knoll durch seine ruhige Überlegenheit mit dem Fürther Innentrio gut fertig.
Allmählich kehrte bei den Fürthern mehr Ruhe ein, im Mittelfeld erzwangen die „Kleeblättler" langsam deutliche Vorteile, und ihr Führungstreffer rückte in greifbare Nähe. Beim Club kam die Abwehr zeitweise etwas aus der Fassung. Aber gerade in diesem psychologisch wichtigen Moment fiel Nürnbergs Tor: Glomb angelte sich gegen den gestürzten Schmolke einen schon verloren geglaubten Ball und schoss scharf in die lange Ecke, genau auf den Fuß des dort postierten Gottinger. Aber der Fürther Verteidiger traf den Ball so unglücklich, dass er fast senkrecht unter die Latte spritzte. Wohl kam der Ball wieder aus dem Tor und wurde nun von Gottinger wegbefördert, aber Schiedsrichter Kandlbinder hatte - wie wir uns später bestätigen ließen, zu Recht - bereits auf Tor erkannt.
Fürth ließ sich durch diesen Treffer nicht aus der Fassung bringen. Bis in die zweite Halbzeit hinein beherrschten die Platzherren das Feld, und in der ersten Viertelstunde nach der Pause knisterte das Ausgleichstor der Fürther geradezu In der Luft. Aber Wabras frappierende Sicherheit, Glück und Fürths Sturmschwäche ließen den Club diese Minuten überstehen.
Schließlich konnten die Nürnberger auch im Feldspiel wieder ein ernstes Wort mitreden. Zenger und Kreißel hatten jetzt ihre stärksten Momente, zumal sie mit Morlock-Schweinberger nun besser ins Spiel kommen konnten. Aber die Nürnberger riskierten nichts mehr, und die Fürther konnten die Schußschwäche nicht für einen Moment von den Schuhen schütteln.
So blieb es bei diesem 0:1 nach einem sehr interessanten Derby, das spielerisch nicht ganz die Linie des 2:2 im Frühjahr erreichte, immerhin aber gute Fußballkost bot und in Kandlbinder einen korrekten Schiedsrichter hatte.

Vorspiel der Reserven: SpVgg Fürth - 1. FC Nürnberg 0:2

 

SpVgg Fürth: Geißler - Gottinger, Koch - Mai, Schmolke, Erhard - Schmidt, Bucklisch, Appis, Schneider, Kuhnert - Trainer: Jenö Csaknady
1. FC Nürnberg: Wabra - Zeitler, Ucko - Zenger, Knoll, Kreißel - Schmid, Morlock, Glomb, Schweinberger, Müller - Trainer: Franz Binder
Tore: 0:1 Gottinger (35., Eigentor)
Schiedsrichter: Kandlbinder (Regensburg)
Zuschauer: 25000
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