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Saison 1952/1953
19. Spieltag - So., 25.01.1953, 14:30 Uhr
FC Schweinfurt 05 - SpVgg Fürth
0:0
Weshalb ich nicht nach Kaiserslautern, sondern nach Schweinfurt führe, forschten meine Redaktions-Kollegen. Nun, da mich eben in Schweinfurt, das Kupfer-Kitzinger weltberühmt gemacht haben, etwas Besonderes reizte und anzog. Gibt bestimmt einen Spiel-Abbruch, unkte ich ahnungslos.
Sieben Minuten vor dem Abpfiff drohte wirklich ein Abbruch. Das kam so: Fürths großartiger Seitenläufer Mai, übrigens einer der Fairsten der gesamten Oberliga, stand im harten Duell seinem früheren Spielkameraden Hans Nöth gegenüber. Mai blieb Sieger - da folgte Eberles Pfiff: Freistoß für Schweinfurt! Unverständlich, meinten wir alle. Es ging weiter. Mai schlug in der ersten Erregung nach dem Zweikampf in vollem Spielschwung den Ball weg. Nochmals Eberles Pfiff. Seine Hand zeigte in Richtung Kabine!
Wieder Platzverweis? Selbst die Schweinfurter schienen verblüfft. Ratlos standen die Fürther umher. Spielführer Hoffmann und Mai redeten auf Eberle ein - vergeblich! Eberle duldete keine Minute Verzögerung mehr, streckte einen oder zwei Finger in die Höhe, was bedeuten sollte, dass er nur mehr diese Zeit abwarten wolle, um das Spiel abzubrechen. Verzweifelt, den Kopf in die Hände vergraben, ging Mai vom Platz ...
Wir stellen uns keineswegs schützend vor RohIinge auf dem Spielfeld. Wir wollen auch niemals den Platzverweis Brenzkes (15. Minute) entschuldigen, der im Rücken des Schiedsrichters „Ander" Kupfer zusammentrat. Wir schätzen Sauberkeit auf dem Spielplatz und schätzen die Fairness - aber auch vom Schiedsrichter! Es wäre allzu billig, wollten alle Schiedsrichter ihr Heil in Hinausstellungen suchen wenn sie die Kontrolle über Spiel und Akteure verloren haben.
Kämpferische Rasse zeichnete stets die Treffen Schweinfurt gegen Fürth aus. Diesmal war es kaum anders. Selten jedoch erlebten wir solch ein einseitiges Anstürmen gegen das Fürther Tor. Durch das Ausscheiden Brenzkes übergab Fürth zwangsläufig den Schweinfurtern die Herrschaft im Mittelfeld. Die 05er sammelten Punkte, schoben den Ball hin und her, meist quer, und erreichten mit vier, fünf Zügen einen Raumgewinn von ganzen zehn Metern. Aller guter Rat „Ander" Kupfers, nunmehr ohne Gegenspieler, nützte nichts. Fürths Abwehr zog sich taktisch klug ausgerichtet mit dem hin- und herspielenden Gegner zurück. Am Strafraum wurde nun die Mauer aufgebaut, an der sich die Schweinfurter förmlich die Köpfe einrannten. Sie zeigten sich schließlich so entmutigt, daß sie selbst im Torraum völlig unkonzentriert daneben zielten.
Jetzt verstehen wir schon eher, weshalb Schweinfurt - auf dem dritten Rang thronend - ein negatives Torverhältnis hat. Es fehlt ein Scharfschütze, wie es einst der kleine, wuchtige Halblinke Rühr war. Geyer gab sich wohl viel Mühe, pendelte auch recht fleißig, zeigte sich jedoch in Tornähe nervös, überhastet. Nöth, erstaunlich schlank geworden, und „Molli" Kupfer trieben unaufhörlich die Bälle nach vorne, aber Burkhardt und Rath verstanden es nicht, durch kluges Stellungsspiel, durch rasche Abgaben und durch entschlossenes Handeln dieses feine Kombinationsspiel weiterzuspinnen. Der frühere Stuttgart-Bremer Rath, in Fürth beim 3:2 des Vorspiels der Quirl im Schweinfurter Angriff, verzettelte sich diesmal durch zuviel planloses Wechseln.
In der Abwehr drehte sich alles um die Achse Merz. Wenn es ihm auch Schade nicht allzu schwer machte, so verstand es der konsequente Stopper, unauffällig und ohne Effekthascherei souverän seinen Torraum abzuschirmen und dem Schweinfurter Spiel von hinten heraus Ruhe zu geben. „Ander" Kupfer führt wohl beinahe aus dem Stand Regie. Was er jedoch für die Schweinfurter bedeutet, das erkannte man, als er nach dem Tritt Brenzkes für einige Minuten fehlte. Dem Rackerer Lang wünschten wir etwas mehr Ruhe, mehr Beherrschung. Das Zuspiel würde viel klarer werden! Morgenroth-Schmitt fügten sich in das zuverlässige Abwehrspiel unauffällig ein. Torwart Käser schien uns gegenüber dem Vorjahr viel reaktionsschneller und gewandter.
Fürth gewann einen Punkt, verlor jedoch zwei sehr, sehr wertvolle Glieder seiner Mannschaft. Was wohl schwerer wiegen wird? Fürths Plan schien sich zu verwirklichen! Man erwartete mit sorgfältiger Deckung ein stürmisches Schweinfurt und wollte durch konsequent flaches, rasches Kombinationsspiel den aufgerückten Gegner überraschen und schlagen. Beinahe wäre dieser Plan erfüllt worden. Einige Male standen Hoffmann und Schade recht günstig. Sie zielten jedoch knapp vorbei oder Käser hielt in großartiger Manier.
Sprunghaft verbessert hat sich Torwart Höger. Seine Ruhe, sein bestechend sicheres Eingreifen, sein Sprechen mit den Vorderleuten hat die Fürther Abwehr wesentlich gehoben. Wer noch imponierte? Zunächst der ungemein fleißige Mai, der im Mittelfeld großartig nach links und rechts weite Pässe verteilende. Appis, der energisch dazwischenfahrende Knoll, der immer zwei Mann auf sich ziehende Hoffmann und der nach der Pause geschickt sich den „Polizisten" entziehende Schade.
Die Höhepunkte des Spielfilms? Schon in der 2. und 7. Minute waren einmal Rath und dann „Molli" Kupfer durch etwas sorgloses Decken der Fürther bis zu Höger vorgedrungen. Zweimal begrub der Fürther Schlussmann den Ball unter sich.
15. Minute: Brenzkes Platzverweis. Nachschlagen an „Ander" Kupfer, während das Spiel 70 Meter weit entfernt anrollte. Des Linienrichters Aussage war für Eberle bestimmend: Klarer Platzverweis!
30. Minute: Den Fürthern scheint gar kein Mann zu fehlen, so zügig, planvoll und sicher kombinieren sie. Aber nicht lange. Gleich stürmen wieder die Schweinfurter. Zunächst aber ein Freistoß für Fürth - Schade war gelegt worden. Fein lupft Schade den Ball über die Mauer in die Torecke - Käser hatte aufgepasst und hielt.
31. Minute: Wieder ist Rath ganz frei, er schaut - Geyer steht frei noch günstiger: Schuss in die Wolken.
41. Minute: „Ander" Kupfer zeigt seinen Stürmern, wie man schießen muss. An der Strafraumgrenze knallt er volley einen Ball aufs Tor - an den Pfosten, wo der Ball mit unheimlicher Schärfe zurück- und in die Hände Högers springt.
In der zweiten Halbzeit gestalten die Fürther das Geschehen ausgeglichener. Drei Mann (Osterhorn, Schade, Hoffmann), lauern vorne und kombinieren mit dem weit zurückhängenden Appis recht schwungvoll zusammen und werden auch stets gefährlich. Einmal schießt Hoffmann knapp vorbei und dann trifft Schade (64. Minute) nur den Pfosten. In den letzten 20 Minuten fällt ein Ball nach dem andern in den Fürther Strafraum. Die Schweinfurter rennen verzweifelt, wild, blindlings an - eisern und konzentriert steht die Fürther Abwehrmauer. In der 73. Minute endlich schien die Entscheidung sicher: vier, fünf Schweinlurter stehen dicht vor Höger - abgewehrt! Nachschuss - der stürzende Knoll rettet. Wieder fällt der Ball in das Schweinfurter Spieler-Knäuel - wieder treffen sie den Ball nicht oder ein Fürther Bein stemmt sich dazwischen. Pech, Unvermögen! Doch dieses eine Tor hatten sie auf jeden Fall verdient.
Schiedsrichter Eberle zürnen die Fürther seit fünf Jahren, seit dem vielumstrittenen Mühlburger Spiel, das Fürth bekanntlich den Abstiegsstoß versetzte. Und heute zwei Platzverweise? Aber auch auf Schweinfurter Seite zeigte man sich wegen der unentschlossenen, wenig regelsicheren Haltung Eberles enttäuscht.
FC Schweinfurt 05: Käser - Morgenroth, Schmitt - A. Kupfer, Merz, Lang - Rath, M. Kupfer, G. Geyer, Nöth, Burkhardt - Trainer: Andreas Kupfer
SpVgg Fürth: Höger - Knoll, Erhard - Mai, Vorläufer, Gottinger - Hoffmann, Osterhorn, Schade, Appis, Brenzke - Trainer: Hans Krauß
Schiedsrichter: Eberle (Stuttgart)
Zuschauer: 12000
Rote Karten (Gast): Brenzke (15.), Mai (83.)
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