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Saison 1957/1958
10. Spieltag - So., 13.10.1957, 15:00 Uhr
SpVgg Fürth - Kickers Offenbach
2:1 (2:0)
Fürth stürmte 45 Minuten, als wollte es alles niederreißen. Ein Schwung, ein Ehrgeiz, eine Zielstrebigkeit beseelte die Elf, wie man es lang nicht mehr erlebt hatte. Man spürte das Bemühen jedes einzelnen: heute endlich einen überzeugenden Heimsieg herausholen! Wie gesagt: dieses Angriffs- und Energiefeuer brannte 45 Minuten. Dann sprach Offenbach das bestimmende Wort und diktierte die zweiten 45 Minuten das Spiel.
Wie kam es zu dieser Wandlung? Fürth verblüffte schon mit einem Manöver in der Mannschaftsdurchsage. Hörten wir richtig? Karl Mai auf dem rechten Flügel und der ewige Ersatzmann Ehrlinger als Seitenläufer! Dieser Schachzug wurde zum entscheidenden Schlag der ersten Halbzeit. Irrwisch Karl Mai schüttelte Schultheis, Sattler, Nazarenus und Schaum durcheinander, dass es schon der ganzen Energie und Übersicht des die Ruhe bewahrenden Keim und des Torwarts Zimmermann bedurfte, um einen entscheidenden Torerückstand zu verhüten. In dieser Zeitspanne lief bei Fürth alles wie gewünscht. Max Appis spann die Fäden, klug zurückgezogen, mit gestochenen Passbällen. Schneider, sprunghaft verbessert, brachte Druck und Schwung in den sonst so zierlich wirkenden Angriff. Karl Mai wurde zum schließlich zermürbenden Stoßkeil. Wenn bloß in dieser Zeit Kuhnert neben seiner raffinierten Ballführung und seinem eleganten Umspielen des Gegners mehr Mumm gezeigt hätte und vor allem Bucklisch zwei ganz klare Chancen nicht verschenkt hätte. Das Treffen hätte nach 45 Minuten mit 4:0 gelaufen sein können.
Dann zeichnete sich nach weiteren zwei Chancen, von Bucklisch kurz nach Seitenwechsel kläglich verpasst, der Umschwung an. Der souverän die Lage überblickende Keim und der drangvolle Schaum herrschten im Mittelfeld. Jetzt erst zeigten sich die Risse in der vorher zu früh bestaunten Fürther Deckung. Bei allem Kompliment für Erhards Nahkampf-Taktik, bei aller Bewunderung für die präzis und meist direkt geschlagenen Bälle Gottingers - gerade die beiden Internationalen waren es zusammen mit dem sich erst allmählich einfindenden Bauer (Krankheit erst überstanden), die zu sorglos nur den Raum decken wollten. "Berti" Kraus, Kaufhold und der nach allen Seiten nahezu übereifrig ausbrechende Preisendörfer konnten nun ihr wirkliches Können zeigen und ihr wahres Spiel aufziehen. Nach dieser beruhigenden 2:0-Führung musste der Kleeblatt-Anhang nahezu 40 Minuten um den Ausgleich bangen.
Bleiben wir bei den Nationalspielern. Erhard kann der Mittelläufer in der Nationalelf werden - er ist es noch nicht. Zu plump wirken oft seine Fouls in eigener Strafraumnähe, wenn es kaum etwas zu retten gibt. Noch beweglicher werden! Noch mehr das Kopfballspiel forcieren! Noch höher springen!
Mai war 45 Minuten lang echt der „Korla", wie man ihn, sprühend vor Ehrgeiz und EInsatzfreude, aus seinen besten Spielen her kennt. Dann resignierte er plötzlich.
"Berti" Kraus ist wieder da! Er rückte nicht so brillant in den Mittelpunkt, dazu ließ ihm die eiserne Deckung des sehr stabilen Koch (stärker und wirksamer als Erhard und Bauer!) wenig Raum. Aber seine Kondition ist erstaunlich. "Berti" kann wieder sprinten wie damals in Wien beim deutschen 3:2-Triumph.
Eine unerklärlich kurze Rückgabe Sattlers schenkte Fürth das 1:0. Zimmermann warf sich wohl reaktionsschnell rückwärts, aber Schneider stocherte unter dem Körper des Offenbacher Torhüters den Ball über die Linie. Beim 2:0 in der 35. Minute verpasste wieder Torwart Zimmermann, wie kurz vorher, einen raffiniert gezogenen Eckball von Mai. Kraftvoll sprang Schneider hoch und schoss den Ball mit dem Kopf ins Netz. Nach famoser Vorbereitung Preisendörfers zog Wade schwungvoll diese Vorlage an Ehrlinger und dem sich verzweifelt werfenden Geißler vorbei ins kurze Eck. Überzeugend, sicher, unbestechlich waren die Entscheidungen von Schiedsrichter Kreitlein.
Jenö Csaknady strahlte übers ganze Gesicht: „Diese Punkte sind für uns nicht nur Gold wert, die wiegen schon für Brillanten. Bedenken Sie doch, dass wir von Offenbach in der letzten Saison in zwei Spielen zwölf Tore kassierten. Offenbach war also für uns ohne Zweifel ein Angstgegner. Dass diese Angst berechtigt war, zeigte sich in der zweiten Halbzeit. Wie gefährlich waren die Offenbacher da! Es war ein Sieg der klugen Spielweise unserer Hintermannschaft, die ich insgesamt loben muss, ohne dabei aber den Wert der beiden Tore unseres Sturmes zu verkennen. Vor der Pause hatte Offenbach nicht viel zu bestellen. Als die Gäste nach der Pause im Feld meist überlegen waren, hatten wir aber immerhin auch noch unsere Torchancen. Insgesamt: Ich freue mich sehr über diesen Erfolg!"
Bei Paul Oßwald machten sich schon in der Halbzeit die gegenteiligen Gefühle bemerkbar: „Dieses Eigentor warf uns aus der Bahn. Bis zur Mitte des Platzes habe ich Zimmermann rufen gehört, Sattler solle ihm den Ball lassen, da tippte unser Stopper nochmal dran. Dieses Tor zerriß den eben geknüpften Faden in unserem Spiel, denn gerade zeichneten sich ja die ersten erfolgreichen Kombinationen bei uns ab."

Vorspiel der Reserven: SpVgg Fürth - Kickers Offenbach 0:1 
SpVgg Fürth: Geißler - Bauer, Koch - Ehrlinger, Erhard, Gottinger - Mai, Bucklisch, Appis, Schneider, Kuhnert - Trainer: Jenö Csaknady
Kickers Offenbach: Zimmermann - W. Nazarenus, Schultheis - Keim, Sattler, Schaum - Kraus, Kaufhold, Preisendörfer, Wade, Gast - Trainer: Paul Oßwald
Tore: 1:0 Schneider (23.), 2:0 Schneider (36.), 2:1 Wade (68.)
Schiedsrichter: Kreitlein (Stuttgart)
Zuschauer: 12000
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