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Saison 1946/1947
19. Spieltag - So., 09.02.1947, 14:00 Uhr
SpVgg Fürth - Karlsruher FV
4:0 (3:0)
Frischer Wind im Ronhof. Fürths Mannschaftsumgruppierung bewährte sich beim 4:0 gegen den Karlsruher FV.
Vor einigen Wochen erlitt der Süddeutsche Meister, VfB Stuttgart, im Ronhof eine jähe Unterbrechung seiner Erfolgskette, heute ereilte dem KFV an derselben historischen Stätte das gleiche Geschick. Aber schwerer als das 0:4 traf den Altmeister der Verlust seines prächtigen Torhüters Becker, der ihm auf Wochen hinaus arg fehlen wird. Der Unglücksfall - ein Armbruch nach knapp einer halben Stunde Spielzeit - warf einen Schatten auf das Spiel. Die wenigsten hatten ihn bemerkt; der Fürther Stürmer war schuldlos an dem unglücklichen Zusammenprall und Becker spielte obendrein tapfer weiter. Erst als er beim zweiten Treffer liegen blieb, am Ende seiner Kräfte fortgetragen wurde, erfuhr man, dass zehn Minuten zuvor etwas geschehen war.
Binnen knapp zehn Minuten überspielte Fürth so den Gegner 3:0. Lange nicht mehr herrschte solch Jubel in Ronhof, die Kleeblättler boten ihren besorgten (und wohl daher auch so nervösen) Anhängern mehr als die kühnsten Optimisten unter ihnen erwarteten. Die Gäste mögen einwenden, dass ihr Spiel bis zum Zwischenfall und bis zum 0:1 überlegen aussah, die klareren Chancen aber erspielte sich bis dahin der Fürther Angriff und Karlsruhes Torhüter kam öfter in Bedrängnis als der während des ganzen Spiels beinahe unbehelligte kleine Niemann zwischen den Fürther Pfosten. Und wenn auch Fürth nachher gegen die zehn Karlsruher nicht die erwartete Feldüberlegenheit herausspielen konnte (und sogar bloß durch einen - von Popp prachtvoll geschossenen - Freistoß den Ersatztorwart überwand), Fürth verdiente sich den Erfolg, vor allem durch seine kämpferische Leistung, durch den Einsatzwillen seiner ehrgeizigen Spieler.
Das Hauptverdienst an dem wertvollen Erfolg kommt der Dreiverteidigerkette Popp-Zollhöfer-Pröll zu, die einem im Feld überlegenen KFV-Sturm keine Chance ließ. Namentlich Popps wuchtig sicheres Spiel, Zollhöfers Umsicht und bedachtes Abspiel stachen immer wieder hervor. Wenn Fürth im Feldspiel zerfahren wirkt, der Pass immer schon im Ansatz steckenzubleiben pflegte, so liegt dies daran, dass in den vier Schlüsselstellungen modernen Fußballs - Flügelläufer-Halbstürmer - zwar eifrige aber keine Spieler mit ausreichend weitem Spielradius stehen; dazu gehören z. B. vor allem, genaue Steil- und Querpassbälle, blitzschnelles Verstehen untereinander in diesem Viereck, Platztausch, sodann: Freistellen, wenn der eigene Mann den Ball hat, sofort markieren, wenn der Gegner im Ballbesitz ist. Beide Flügelläufer, Pfeiffer und Spitz, zeigten gegen Ende, als KFV zwar nach dem vierten Tor resigniert abfiel, dass sie hierfür wohl die Spielauffassung mitbringen, aber Pfeiffer spielt viel zu nervös, verliert sich in Ball- und Rededuellen.
Fürths Angriff packt den Gegner am empfindlichsten von den Flügeln her, wenngleich Hoffmann immer noch vorwiegend ein - allerdings zwingender - Solospieler ist, dem das Einfügen in Kombinationen Fürther Musters schwerer fällt. Sehr begabt scheint der kleine wendige Meier linksaußen, und in Faul, dem jungen Halblinken (auch aus dem Fürther Nachwuchs) könnte ein echtes Halbstürmertalent heranwachsen. Ballgefühl, Übersicht und Kombinationsinn. Der Ausfall der Mitte, bei allem Eifer Vorläufers, zerriss aber die Angriffszüge immer wieder.
Die Karlsruher übertrafen ihren Gegner an mannschaftlicher Geschlossenheit. Die Unterlegenen zeigten ruhigeres, fließenderes Zusammenspiel, spielten also so weit dies auf dem klebrig-holprigen Schneeboden möglich ist - eigentlich "fürtherischer" als die Fürther. Die Ursache? Das Gegenexempel: KFV war außerordentlich stark gerade auf den Schlüssel Positionen, hier stand der überragende Spieler des Tages: der robuste, umsichtige, technisch gewandte Herberger als das Modell eines modernen Außenläufers. Und er fand bei Scherer dem ausgezeichneten Halbrechten das richtige Verständnis. In der Hinternmannschaft glänzte Stopper Biedenbach durch sein leichtflüssiges energisches Zerstörungsspiel, sein gewandtes Ballabnehmen und ein Sich-Stellen. Fritschi demonstrierte anfangs (bis er für den ins Tor wandernden Verteidiger Schmitz zurück musste), das zurückgezogene Mittelstümerspiel, das freilich durch den Ausfall des eigenwilligen, verspielten AIbert Janda wirkungslos blieb, zumal bei der hohen Klasse der Fürther Abwehr.
Dem Schiedsrichter fehlte das Beurteilungsvermögen für Vergehen im Nahkampf: Unterlaufen, Abdrängen, Schieben, Haken. Manches korrekte, wenn auch scharfes Duell pfiff er unnötig ab. Die Zuschauer reklamierten seine (leider recht häufigen) Fehlgriffe im Herausfinden des wahren Sünders allerdings bloß, wenn Fürth benachteiligt wurde, sonst schwieg man. Das äußerst gefährliche Spiel des Linksaußen vom KFV - Drüberhalten, Reinsteigen - hätte den Platzverweis gerechtfertigt.
Die Karlsruher verdienten als Mannschaft aber alle Bewunderung für ihre Haltung, mit der sie den schweren Schlag des Torhüterverlustes hinnahmen und dann sogar  noch über lange Strecken hinweg feldüberlegen spielten. Den vierten Verlusttreffer mussten sie obendreid in einer Phase hinnehmen, als sie zweimal ihrem mehr als verdienten Ehrentreffer ganz nahe waren.
KFV bewies jedenfalls, dass man auch in kurzer Zeit an der Vervollkommung des Mannschaftsspieles erfolgreich arbeiten kann, denn vergessen wir nicht: KFV hing lange am Tabellenende und strebt jetzt unaufhaltsam aufwärts.

Pitt

SpVgg Fürth: Niemann - Popp, Pröll - Pfeiffer, Zollhöfer, Spitz - Hoffmann, Jahn, Vorläufer, Faul, H. Meier
Karlsruher FV: Becker - Stephan, Schmitz - Herberger, Biedenbach, Schön - Benz, Scherer, Fritschi, A. Janda, Ehrmann - Trainer: Max Breunig
Tore: 1:0 Jahn (35.), 2:0 Vorläufer (40.), 3:0 Spitz (42.), 4:0 Popp (75.)
Schiedsrichter: Schellmann (Stuttgart)
Zuschauer: 6000
Besondere Vorkommnisse: Schmitz ab 40. Minute als Torwart für den verletzten Becker
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