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Saison 1926/1927
Bayerische Bezirksmeisterschaft - 11. Spieltag - So., 21.11.1926, 14:00 Uhr
SpVgg Fürth - Wacker München
3:1 (1:0)
Die Regenbäche rauschten. Das Wasser schwoll allenthalben. Der Unternehmer des für Sonntag angekündigten Schaufliegens verkroch sich in die hinterste Ecke seines Defizits und trank freihändig zwölf Martini-Cocktails. Auf dem Platz der Spielvereinigung suchten um zwei Uhr sechs Ordnungsleute verzweifelt nach den Massen. Nach und nach schienen aber die Fürther ihre Regenschläfchen unterbrochen zu haben, denn es meldeten sich annähernd 5000 Leute mit wasserdichten Regenschirmen und gewaltiger Sportbegeisterung. Wenn Tore fielen, wurde nicht geklatscht. Man schwang die Regenschirme wie weiland die Bannerträger ihre Fahnen. Das war einesteils eine großartige Geste, aber andrerseits etwas unangenehm, weil die Vorderleute gewaltige Sturzbäche ins Genick bekamen.
Schon beim ersten Balltrieb merkte man, wohin die Reise ging. Die Deutschen Meister und Süddeutschen Pokalsieger spielten nicht etwa, als ob sie jederzeit zwei weitere Punkte herschenken könnten. Sie spielten, als ob es um die Deutsche Meisterschaft ginge. Auf dem Sturm lag Hochdruck. Auf der Läuferreihe lag noch stärkerer Druck und die drei Hinterleute hatten Hochfrequenzverstärker. Die Leute aus München dagegen taten, als ob sie Süddeutscher Pokalmeister wären und auf ein oder zwei Punkte mehr oder weniger keinen Wert mehr legen würden. Als Rehle die erste Ecke erzeugte, konnte man einen gefährlichen Schuss Franzens in letzter Sekunde gerade noch auf Abwege führen. Die Außenläufer der Spielvereinigung schafften wie Berserker. Besonders Knöpfle tobte auf und ab. Bald kam die zweite Ecke für die Fürther, die versandete. Kießling brachte dann erst das richtige Tempo in die Geschichte. Er raste querfeldein dein Münchner Tor zu und sein scharfer Schuss ging leider neben das Tor. Auch die Wackerstürmer rafften sich zu energischen Vorstößen auf, so dass auch Neger hinreichend Beschäftigung fand. Einige sehr gelungene Aktionen des Münchner Sturms gefährdeten den Fürther Strafraum sehr stark. Es standen aber Müller und Walz noch vor Neger. Die räumten mit seltener Energie auf. Das Tempo nahm unheimlich zu. Das Münchner Tor wurde scharf bombardiert und oft herrschte Panik im Münchner Strafraum, weil Falk so gut wie keinen sauberen Schlag herausbrachte.
Die dritte Ecke für Fürth verlief ebenfalls im Sande. Einen sehr gefährlichen Durchbruch der Münchner rettete Knöpfle in höchster Not zur ersten Ecke für Wacker. Die guten Fürther hatten bei dieser Angelegenheit einen unheimlichen Dusel. Der Ball schlich inmitten vieler Beine von Feind und Freund zynisch an der Torlinie entlang, um sich schließlich, zu empfehlen. In der 23. Minute wurde Franz am Knöchel verletzt (ohne Schuld des Gegners!) und schied aus. Trotzdem gab es gleich darauf die vierte Ecke für Fürth, die sich hinter dem Kasten niederließ. München zeigte Kampfgeist und machte gelungene Gegenangriffe, die aber immer in letzter Sekunde abgestoppt werden konnten. Das Spiel wurde ziemlich ausgeglichen und der Wackersturm war eine Zeit lang sehr gefährlich. In der 37. Minute musste auch der Mittelläufer Leinberger ausscheiden (auch ohne Schuld des Gegners!). Wacker drehte nun mächtig auf, denn gegen neun Mann musste man Chancen haben. Fürth wählte als einzig richtige Methode in dieser heiklen Lage den Angriff als beste Verteidigung. Zwei Minuten vor Halbzeit ging Kießling durch, schoss, und der sich werfende Ertl wollte den Ball an sich ziehen. Der Ball aber rutschte an der rechten Hüfte Ertls entlang in den Drahtverhau. Der Jubel der schwergeprüften Zuschauer war berechtigt. Leinberger trat dann wieder ein. Wacker brachte einige gute Angriffe an, aber der erlösende Torschuss fehlte.
Nach der Pause kam auch Franz wieder, der trotz seiner Verletzung unheimlich schaffte. Die erste Minute brachte gleich eine Überraschung: Lindner bekam eine Vorlage von Altvater, es gab einen kleinen Krieg im Fürther Strafraum und der sehr geschickte Lindner jagte den Ball diagonal durch eine Lücke im Kampfgetümmel in den Fürther Kasten. Auch für den sich werfenden Neger unerreichbar. Nun aber begann die Leidenszeit der Münchner: sie wurden mit Angriffen der Fürther direkt überschüttet. Die Fürther brausten wie Rachegötter daher und im Münchner Strafraum gab es mörderische Verwirrung. Auer hatte eine glatte Chance, fand aber nicht den Eingang zum Paradies. Die fünfte, sechste und siebente Ecke brachten keine Entscheidung.
Der Schiedsrichter beendete einige Gegenangriffe der Münchener durch falsche Abseitsentscheidungen. Der Wackersturm kam sehr selten mehr durch. Hinten ballte sich alles zusammen und zwischen Wackersturm und Wackerstrafraum klaffte ein tiefes Loch. Hin und wieder erschien Rehle auf der Bildfläche und versuchte das Loch auszufüllen, was ihm aber in den seltensten Fällen gelang. Die achte Ecke wurde von den Fürthern verschossen. Einen überraschenden Durchbruch des Münchner Sturms konnte Neger in höchster Not noch klären. Chance auf Chance feierten die Fürther, aber sie waren unfähig, ihre Überlegenheit in Toren auszudrücken. Ertl rettete auch verschiedene ganz salzige Sachen in famoser Weise. Fürth stellte dann Krauß auf den Mittelläuferposten und Leinberger auf den rechten Läuferplatz. Diese Umstellung entschied das Schicksal der Münchner. Der Ballvirtuose Krauß führte die Münchner Läuferreihe nur noch am Gängelband. Was Krauß wollte, geschah auch. Die neunte Ecke kam sehr gefährlich, wurde aber verköpft. Ascherl hatte verschiedene klare Chancen, konnte aber nicht ein einziges Mal den Ball eindrücken.
Die zehnte Ecke wurde gefeiert. Sie ging als Jubiläumsecke hinter das Tor. Sieben Minuten vor Schluss nahte das Schicksal unerbittlich: Auer bekam eine gute Vorlage, und sein scharfer Schuss landete hoch oben in der rechten Torecke. Für Ertl unhaltbar. Wacker erwachte auf diesen Kanonenschlag etwas aus seiner Lethargie, aber es reichte nicht zu Entscheidungen. Als Kießling eine Minute vor Schluss wieder einmal wunderbar durchging und zu Auer flankte, brauchte Auer nur rasch den Ball leicht berühren und das dritte Tor saß.
Die Fürther Hintermannschaft Neger—Müller—Walz war ohne Fehl und Tadel. Überraschend gut hielt sich der als verletzt gemeldete Neger, Müller war wieder der überragende Verteidiger und Walz, der Novize, spielte wie ein ausgekochter Routinier. Manches mal etwas zu übereifrig und dadurch störend, aber im Gesamteindruck sehr gut. Die Läuferreihe hatte einen ausgezeichneten Kampfgeist. Dass Krauß seine beiden guten Nebenleute noch beträchtlich übertraf, muss unbedingt festgestellt werden.
Der „triebkräftigste" Mann im Sturm war unbedingt Kießling. Sein Spurt, seine Taktik und sein gefährlicher Schuss sind Faktoren, mit denen auch der härteste Gegner rechnen muss. Man kann ruhig sagen, dass die drei Tore auf das Konto Kießlings gehen. Ascherl war zwar sehr fleißig, verzettelte sich aber zu stark. E i n Tor hätte er mindestens machen müssen. Anzuerkennen war sein Kampfeifer und sein Elan. Seiderer dirigierte ohne große Geste, aber sehr verständnisvoll. Franz, arbeitete trotz seiner Verletzung noch mehr wie der beste Wackerstürmer. Auer wurde lange Zeit gar nicht warm. Nach der Pause aber wurde er von den übrigen Stürmern mitgerissen.
Der Sturm des Besiegten war wie eine Maschine, bei der lediglich ein Rad ununterbrochen arbeitete, während die übrigen Räder von Zeit zu Zeit vollkommen stillstanden. Was zum Beispiel Dorer und Bergmaier zeigten, sahen wir schon vom FC Bayreuth, bevor er sich die Oberliga erkämpft hatte. Die Leute ließen die Tatsachen an sich herankommen, anstatt ihnen entgegenzueilen. Sie machten in passiver Resistenz und demonstrierten Arterienverkalkung, anstatt jugendliche Frische. Dass unter diesen Umständen natürlich die beiden kampferprobten Kanonen Altvater und Nebauer schwer leiden mussten, war leicht erklärlich. Deshalb warteten diese beiden Leute auch nur sporadisch mit guten Leistungen auf, während sie sonst von innen heraus selten Verstanden wurden. Lindner war der erfolgreichste Mann. Sein herrlicher Torschuss zeugte von großer Intelligenz. Auch sonst waren seine Läufe immer vielverheißend. Lindner hatte lediglich das große Pech, die Fürther Hintermannschaft in glänzender Verfassung anzutreffen.
Der zuverlässigste Mann der Läuferreihe war Weber. Er stand in der Dreierreihe seinen Mann, er half in schwierigen Fällen hinten gut aus und trieb seine Sturmflanke unermüdlich ins Gefecht. Rehle hielt vor der Pause verhältnismäßig gut durch. Nach der Pause war Rehle wie vom Erdboden verschwunden. Er tauchte hin und wieder im Schlachtgetümmel auf, um sich doch einmal einen Ball zu sichern. Es wurde meistens eine Pleite. Schließlich bekam er gegen Ende des Spiels doch einige Kopfbälle. Rehles Zusammenbruch bedeutete auch eine Entscheidung. Rehle vermochte nicht, die tiefe Lücke zwischen Sturm und Verteidigung auszufüllen. Rehle ließ seine Mannschaft einschnüren und es blieb nur bei einigen verzweifelten Ausfällen, die indessen nichts einbrachten, weil hinten die ganzen Legionen standen, während vorne ein winziges. Fähnlein um Tore kämpfte. Klingseis ragte als trotziger Fels hervor und rettete seinen Verein vor einer argen Katastrophe. Falk versuchte sich auch in gleicher Weise, reichte aber lange nicht an seinen Nebenmann heran. Falk hatte einen höchst unreinen Schlag und oft Glück. Ertl ging vor der Pause einige Male höchst unsicher heraus. Er wurde natürlich durch die Fehlschläge seiner Vorderleute nervös. Nach der Pause aber spielte Ertl den Stil, wie wir ihn von einem internationalen Tormann verlangen.
Der Schiedsrichter Uhl hatte einige sehr schwache Abseitsminuten, war aber sonst gut zu zensieren.
SpVgg Fürth: Neger - Müller, Walz - H. Krauß, Leinberger, Knöpfle - Auer, Franz, Seiderer, Ascherl, Kießling
Wacker München: Ertl - Falk, Klingseis - Weber, Rehle, Ostermaier - Lindner, Bergmaier, Dorer, Nebauer, Altvater
Tore: 1:0 Kießling (43.), 1:1 Lindner (46.), 2:1 Auer (83.), 3:1 Auer (89.)
Schiedsrichter: Uhl (Karlsruhe)
Zuschauer: 5000
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