LUDWIG LEINBERGER
Geboren 21.05.1903
Gestorben 03.03.1943
Position Mittelfeld
Im Team ab Februar 1925
Im Team bis April 1933
Nationalität Deutsch
Vorherige Vereine VfB Nürnberg/TV 1846 Nürnberg (1912-1920), FC Bayern 07 Nürnberg (1920-1924), BV Solingen 98 (1924-12/1924)
Spätere Vereine Trainerstationen: SpVgg Ansbach (1932 nebenbei), Jahn Regensburg (1932/33 nebenbei), Spielertrainer CfR Köln (5/1933-10/1933), Gausportlehrer Bayern (10/1933-1934 und 4/1937-2/1938), Gausportlehrer Hessen und Nordmark (1934-4/1937), FC Schweinfurt 05 (5/1938-4/1941), Luftwaffen-SV Rudolstadt (ab 8/1941)
Zuhause bei den Leinbergers

Heute bin ich mit Heinz Leinberger verabredet, dem Sohn des legendären Ludwig Leinberger, dem einstigen Mittelläufer aus Fürth. Also fahre ich zu seinem Haus im Westen von Fürth. Ich hoffe man kann mir dort das über Ludwig Leinberger erzählen, was ich in keinem Sportalmanach lesen, was ich in keiner Sportbiographie nachschlagen kann: Etwas aus dem Leben des damaligen Fußballidols, denn er hat immerhin mit der SpVgg den Meistertitel 1926 und 1929 geholt, aber auch schwere Zeiten durchgemacht. Nicht zuletzt auch durch den Einfluss der Nazis im deutschen Sportgeschehen.

Heinz Leinberger freut sich, mich zu sehen, bittet mich herein und legt auch gleich mal los. Er holt mehrere alte Fotoalben aus dem Schrank und beginnt sie durchzublättern, während er zu jedem einzelnen seinen Kommentar gibt. Als erstes fällt mir der DFB-Ausweis von Ludwig auf. Den hat er bekommen, als er noch in der Nationalmannschaft gekickt hat und dabei bei den Fürthern unter Vertrag stand.

Wie stolz er da mit dem Kleeblatt auf der Brust in die Linse guckt... ja, denn er war etwas besonderes, ein Fürther Nationalspieler. Dietmar Beiersdorfer, war der letzte Spieler aus der Talentschmiede Ronhof, der später dann im Laufe seiner Karriere das Trikot mit dem Bundesadler tragen durfte, doch einen Spieler, der beides zur gleichen Zeit trug, Nationalmannschafts-Jersey und Grün-Weiß, den haben wir im Ronhof schon lang nicht mehr gesehen. Bis auf unsere Jugend-Nationalspieler natürlich.

Das nächste Foto zeigt Ludwig Leinberger als Teil der Mannschaft von FC Bayern 07 Nürnberg, dem Verein, wo einst seine so große Karriere begann. Zu dieser Zeit, als dieses Foto aufgenommen wurde, war Ludwig gerade mal 21 Jahre alt. "Wie ist er zum Fußball gekommen ?", werfe ich kurz ein. "Hmm, sein Bruder, der damals auch Fußball gespielt hat, hat ihn schon ziemlich beeinflusst, aber eigentlich würde ich sagen, dass es der Sport an sich war, der ihn so faszinierte," erklärt mir Heinz Leinberger. "So," meint Heinz Leinberger, "jetzt kommen die Fürther" und er schlägt die Seiten des Albums auf, auf denen Ludwig Leinberger im Kleeblatt-Trikot zu sehen ist. "Ja, so haben die Fußball-Hemden früher ausgeschaut", bemerkt Heinz Leinberger, während er grinsend mit dem Finger auf das etwas seltsam aussehende Kleidungsstück des Akteurs auf dem Bild deutet.

Als Ludwig Leinberger in Fürth auftauchte, hatte er eine gehörige Portion Wut im Bauch. Es war nicht unbedingt seine Idee zu den Fürthern zu gehen, doch beim 1. FC Nürnberg hatten sie bereits einen starken Mittelläufer und so signalisierten sie Leinberger, dass sie in Zukunft auf seine Dienste verzichten wollen. Es war in der Tat ein Mann, der die Karriere Leinbergers entscheidend beeinflusste. Hans Kalb, der gewichtige Clubberer stahl Leinberger seine Position beim FCN, so dass dieser sich in Fürth eine Klub-Alternative suchen musste.

Doch gerade diesem Umstand verdankte Leinberger den positiven und erfolgreichen Weiterverlauf seiner Karriere, denn der gebürtige Franke avancierte in Fürth auf Anhieb zum Hoffnungsträger und Publikumsliebling. Bei der SpVgg entwickelte sich Ludwig Leinberger zum unverzichtbaren Stützpfeiler der Mannschaft, so dass sie später mit seiner Hilfe sogar zwei Mal den Meistertitel erringen konnte. Durch seine durchschlagende und wuchtige Art war er auch innerhalb kürzester Zeit auch aus der deutschen Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken. Dort traf er allerdings auf den alten Erzfeind Kalb. Auch im Nationalteam bekam der Nürnberger den Vorzug und durfte die von beiden Konkurrenten umstrittene Position des Mittelläufers einnehmen. Doch weil Leinberger als Spieler zu wertvoll war, um auf der Ersatzbank Platz zu nehmen, wurde er vom Nationaltrainer auf die rechte Außenbahn verbannt. Doch auch dort wusste der schlaksige Torgarant zu überzeugen und bot von Mal zu Mal bessere Leistungen.

Heinz Leinberger zeigt mir hierzu einen alten Zeitungsbericht, der diese Entwicklung des Ausnahmeathleten mit viel Spott gegenüber seinem Widersacher aus Nürnberg, auf eine recht belustigende Weise dokumentiert: " [...] Doch eines hat der Fürther dem Nürnberger voraus: Während der Nürnberger konstant seine Leistungen zu bringen versucht, ist ein Fürther darauf bedacht konstant starke Leistungen zu bringen und darüber hinaus seine Form stetig zu verbessern." Der Mann der damals diese Zeilen verfasste, wusste anscheinend sehr gut wovon er schrieb, denn im Laufe der Jahre kam es wirklich zu dieser vorher gesehenen Entwicklung. Leinberger spielte noch lange Zeit auf sehr hohem Niveau, während Kalb allmählich immer dicker wurde und mit der Zeit nur noch damit beschäftigt war, seiner Form hinterherzulaufen. Ein signifikantes Bild dafür hält Heinz Leinberger auch schon parat. Ich muss schmunzeln, als ich das Photo mit der Überschrift "Ringen mit Kalb" erblicke. Es zeigt die zwei fränkischen Stürmer im Clinch am Strand während eines Trainingslagers der Nationalmannschaft. Die beiden Konkurrenten Leinberger und Kalb messen ihre Kräfte bei einem inszenierten Ringkampf wobei der gut gebaute Fürther dem mittlerweile ziemlich gewichtigem und bierbäuchigem Clubberer über ist. "Und der Fürther macht am Ende doch die bessere Figur...", denke ich mir nebenbei während ich mich an Ludwigs persönlichen Triumph über den Club erfreue.

In der Nationalmannschaft wurde Ludwig zur festen Größe, obwohl er am Ende seiner Nationalmannschaftskarriere nur 24 Länderspiele vorweisen konnte. Heinz Leinberger zeigt mir anschließend stolz einen fast 70 Jahre alten Spielball, den sein Vater als Geschenk nach seinem 10 Länderspiel als Spielführer des deutschen Nationalteams erhielt. In seiner Laufbahn erlebte der Ausnahmestürmer in Diensten des Kleeblatts so manch ein kurioses Spiel. Er hatte mit der deutschen Nationalmannschaft viele Höhen erlebt aber auch einige schmerzhafte Niederlagen durchmachen müssen. Wie das 0:5 gegen Österreich, als die deutsche Mannschaft im Wiener Praterstadion kläglich unterging. Heinz Leinberger kommentiert die entscheidende Szene des Spiels und die Rolle seines Vaters mit einigen ironischen Sätzen und einem gönnerhaften Lächeln. Wir können uns das Lachen nicht mehr verkneifen.

Heinz Leinberger fährt fort mit Bildern seines Vaters, auf denen er neben großen Persönlichkeiten der deutschen Fußballgeschichte zu sehen ist. Sepp Herberger, Helmut Schön oder Dr. Otto Nerz sind hier nur die bekanntesten von ihnen. Auch so manch einen Zweikampf mit ausländischen Weltstars aus der damaligen Zeit, wie z.B. dem englischen Topstürmer Dixie Dean projektieren die Zeitzeugen in den Photoalben. Randgefüllte, prächtige Stadien mit euphorischen Zuschauern und hochkarätigen Akteuren auf dem Platz sind auf ihnen zu sehen. Und immer ein Fürther mittendrin - ein auf jedem Bild kämpfender Kleeblatttrikotträger in Aktion zieht den Blick des Betrachters auf sich. Bilder die einen jeden Anhänger der SpVgg stolz machen.

Es sind aber auch Bilder dabei, die den Betrachter nicht unbedingt in Freudentaumel ausbrechen lassen. Der Reichsportführer kontrolliert die Geschicke des Fußball-Aushängeschilds im Ronhof auf einem Bild, auf einem anderen signalisiert er mit einem Handschlag seine Loyalität zu seinen Gautrainern, zu denen u.a. Ludwig Leinberger und Sepp Herberger gehören. In der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland war Ludwig Leinberger bereits als Trainer tätig, denn man erkannte nach seinem Karriereende seine besondere Begabung als Sportlehrer und so förderte man ihn und nahm ihn anschließend in den Trainerstab der deutschen Reichssportabteilung Fußball. Weil Leinberger sehr intelligent war, eine absolut professionelle Einstellung, sowie das gewisse Gespür für Spieler und den Fußball besaß, und auch auf einer Trainerschule zusammen mit Herberger bewies, dass er in absehbarer Nähe zum erfolgreichen Trainer heranreifen würde, übertrug man ihm sehr viel Verantwortung. Die rechtfertigte er sodann auch durch achtbare Erfolge mit dem bis dahin recht erfolglosem FC Schweinfurt 05, den er von 1938 bis 1941 trainierte.

Der Trainer, der Ludwig Leinberger wiederum als Spieler entscheidend beeinflusst hat, war Heinz Leinbergers Meinung nach Will Townley, der Meistermacher der frühen SpVgg-Jahre. Er erkannte das Talent Leinberger und leitete für ihn eine so erfolgreiche Karriere in die Wege. Zusammen errangen sie in Fürth die deutsche Meisterschaft und feierten so manch einen Sieg im Ronhof. Unter seiner Führung und durch sein Vertrauen gestärkt gelang es Leinberger, sich als wertvolles Juwel aus der Masse herauszukristallisieren, und zu einem unersetzbaren Teilstück eines großen Teams zu werden. Und dieses Vertrauen wusste der kantige Scorer mit Toren zu rechtfertigen.

Weitere Photos zeigen Ludwig Leinberger umringt von seinen Fürther Mannschaftskameraden. Ludwig ist immer vorn dabei, lacht sehr oft. "Ja, das war ein ganz lustiger, mein Vater !", bemerkt Heinz Leinberger lachend. "Immer vorn dabei, immer da wo was los war, war für jeden Spaß zu haben." "Ein echter Fürther halt", denke ich mir und grinse zurück. Nun werden den Gesichtern auf den Mannschaftsphotos vom Heinz Leinberger Namen zugeordnet. Hagen, Kießling, Bauer, Fürther Urgesteine eben. "Ja, die habe ich fast alle noch persönlich gekannt. Als zehn, zwölfjähriger Bengel hab ich mich oft unter ihnen aufgehalten." So gibt mir Heinz Leinberger wiederum nicht die Chance eine erneute Frage zu formulieren, da er sie bereits selbst beantwortet. "Also hat die Tatsache, dass ihr Vater ein derart legendärer Spieler war ihr Leben stark beeinflusst ?", wage ich aber dennoch zu fragen. "Natürlich, einige von den Spielern hatten ein Lokal, wo ich mich auch aufgehalten habe und dort konnte ich ja auch etliche Mitspieler meines Vaters kennenlernen.", erwidert Herr Leinberger.

Und natürlich dürfen Bilder von Spielen der Fürther gegen den Club nicht fehlen. Die Rivalität war schon früher sehr stark ausgeprägt und die Derbys waren sowieso immer von entsprechender Brisanz begleitet. Nicht nur dass Leinberger dort auf den alten Rivalen Kalb traf, es war ein Prestigeduell das es zu gewinnen galt. Und obwohl Ludwig Leinberger wieder eine gute Figur machte, war das Endergebnis doch nicht ganz so erfreulich. 1:3 gegen den Club in Zabo lautet die Notiz neben einem Photo aus dem Spiel. Obwohl beide Konkurrenten immer "eine besonders harte Klinge schlugen" blieben sie jedoch fair, was im Profisport nun nicht mehr immer der Fall ist, damals aber Ehrensache war. Auch in den weiteren Derbys wie gegen Bayern, 1860, oder auch Wacker München. Doch auch große internationale Mannschaften besuchten den Ronhof, wie mir Photos von Spielen gegen Rapid Wien oder Slavia Prag beweisen. Oder eben auch die Anstecknadeln der jeweiligen Gegnervereine, die Ludwig Leinberger früher so leidenschaftlich gesammelt hat.

Ludwig Leinberger verstarb im Jahre 1943, rückblickend auf eine glanzvolle Karriere, im Lazarett Bad Pyrmont an den Folgen seiner Kriegsverletzungen. In Fürth wird man wohl nie vergessen, was der "Haberer", das war früher sein Spitzname gewesen, für das Kleeblatt geleistet hat und jeder der ihn noch spielen gesehen hat, wird sich mit viel Freude an den kräftigen Mittelläufer in Weiss-Grün erinnern. Er war ein Stück unserer Geschichte und es ist ihm zu verdanken, dass das Kleeblatt auf eine ruhmreiche Tradition zurückblicken kann. In der Hoffnung, dass dieser Artikel wieder eines großen Spielers gedenken soll und die neuen Helden im Ronhof dazu inspirieren darf Leinbergers Spuren zu folgen, verabschiede ich mich von meinem Gastgeber Heinz Leinberger. Es war ein sehr netter Abend und ich genoss es wahrlich, so viel neues über den Fußball und seine Geschichte zu erfahren. Ganz besonders wenn es darum ging die schönen, doch leider vergangenen Tage der ruhmreichen Meistermannschaft aus Fürth, unserer SpVgg, wieder aufleben zu lassen.

Markus Zabron

Spitzname Haberer
Saisonhistory
Saison Verein Liga Liga-
Spiele
Liga-
Tore
Pokal-
Spiele
Pokal-
Tore
Weitere
Spiele
Weitere
Tore
1924/1925  SpVgg Fürth Bezirksliga Bayern 0 0 3 2 0 0
1925/1926  SpVgg Fürth Bezirksliga Bayern 23 6 6 1 4 0
1926/1927  SpVgg Fürth Bezirksliga Bayern 27 5 3 1 3 0
1927/1928  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 26 1 2 0 0 0
1928/1929  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 30 14 0 0 4 0
1929/1930  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 27 6 0 0 4 0
1930/1931  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 22 3 0 0 2 0
1931/1932  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 21 4 0 0 0 0
1932/1933  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 29 2 0 0 0 0
1933/1934  CfR Köln Gauliga Mittelrhein 4 1 0 0 0 0


Aufschlüsselung "weitere Spiele":

1926: Deutsche Meisterschaft
1927: Deutsche Meisterschaft
1929: Deutsche Meisterschaft
1930: Deutsche Meisterschaft und Tournoi International in Genf
1931: Deutsche Meisterschaft
1933: Nürnberg-Fürther Stadtmeisterschaft
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