HANS KRAUß
Geboren 25.05.1903 in Fürth
Gestorben 24.12.1981
Position Abwehr
Im Team ab Juli 1924
Im Team bis Juni 1932
Nationalität Deutsch
Vorherige Vereine SpVgg Fürth (1916-1922), Stuttgarter Kickers (1922-1924)
Spätere Vereine 1. FC Nürnberg (1932-1934), SpVgg Fürth (1934-1937, von 1935-1937 als Spielertrainer); weitere Trainerstationen: VfB Ingolstadt-Ringsee (1937/38), FSV Nürnberg (1938-1940), SpVgg Fürth (12/1947-8/1948), Bayern Kitzingen (10/1948-1949), VfL Ingolstadt-Ringsee (1949-3/1950), Jahn Regensburg (4/1950-12/1950), VfB Eichstätt (1/1951-6/1951), 1. FC Lichtenfels (1951-2/1952), SpVgg Fürth (2/1952-1953)

An Weihnachten 1981 starb im Alter von 78 Jahren Hans "Urbel" Krauß, eine der letzten herausragenden Persönlichkeiten aus der großen Zeit des Fürther Fußballs. "Urbel" Krauß gehörte den beiden Kleeblatt-Mannschaften an, die 1926 und 1929 die zweite und dritte Deutsche Meisterschaft nach Fürth holten. Anlässlich der fünfzigsten Wiederkehr der letzten Meisterschaft im Jahre 1979 wurden die drei noch lebenden Meisterspieler Auer, Krauß und Röschke zusammen auf dem Rasen des Ronhof nochmals geehrt. Aus diesem Trio ist nun "Urbel" Krauß ausgeschieden.

"Urbel" Krauß war Zeit seines Lebens eine Persönlichkeit, die weit über unseren Verein, über die Stadt Fürth und über unser Land hinaus als Markenzeichen des Fürther Fußballs angesehen wurde. Er war ein Mitbegründer für den Glanz und Ruhm, der unsere Spielvereinigung in den zwanziger Jahren in aller Munde brachte. Er hat den Bekanntheitsgrad unseres Vereins mit geschaffen, von dem dieser Verein noch heute zehrt.

Die Liebe und Treue zu seinem Verein und die Zusammengehörigkeit mit seinen Kameraden aus vergangenen besseren Zeiten hat "Urbel" Krauß stets vorgelebt. Er hat gerade in den schweren Jahren unseres Vereins kein Spiel seiner "Kleeblättler" versäumt. Er saß mit seinen Freunden und alten Kameraden zusammen auf der Tribüne und gab seinen kritischen Kommentar als exzellenter Kenner des Fußballs in seinem Kreise ab. Stets war seine Kritik jedoch gut gemeint. "Urbel" Krauß hielt seiner Spielvereinigung über 65 Jahre die Treue bis zu seinem Tode.

Das Markenzeichen des eingefleischten Fürthers als Verteidiger, der aus der Jugend der SpVgg hervorgegangen war, waren ein überragendes Stellungsspiel und eine geradezu artistische Ballbehandlung, die ihn befähigten, Angreifer selbst auf engstem Raum und In nächster Strafraumnähe zu narren. Fußballkenner rühmen noch heute seinen Einfallsreichtum und seine rätselhaften Kabinettstückchen auf dem Spielfeld, die im heutigen Zweckfußball kaum mehr zu sehen seien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Hans "Urbel" Krauß den Fürthern als Trainer der Vertragsspieler zur Verfügung. Er hatte in den späten 40er Jahren Anteil am Neuaufbau jener Mannschaft mit dem "100-Tore-Sturm (Hoffmann - Brenzke - Schade - Appis - Nöth) und den späteren Internationalen Karl Mai und Richard Gottinger, die nach dem Abstieg aus der Süddeutschen Oberliga den sofortigen Wiederaufstieg und auf Anhieb die Süddeutsche Meisterschaft schaffte.

Hans Krauß, der nach seinem ältesten Bruder Urban - dieser gab 1913 wegen eines Studiums das Fußballspielen bei der SpVgg Fürth auf - "Urbel" gerufen wurde, galt als einer der besten Verteidiger Deutschlands. Obwohl er als "spielerisches Wunder" von der Sportpresse bezeichnet wurde, war es ihm kein einziges Mal in seiner 18-jährigen aktiven Laufbahn vergönnt, das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft überzustreifen.

Dazu meinte Krauß: "Ich war mit dem Spielsystem, das der damalige Reichstrainer Dr. Nerz aus England mitbrachte, nicht einverstanden und sagte dies recht deutlich. Damit war ich unten durch." Trotzdem war dieser geniale Abwehrspieler eine überragende Erscheinung im deutschen Fußball.

In seinen mehr als 500 Spielen für die SpVgg Fürth war er als Mittelläufer Dirigent der Mannschaft. "Der Mittelläufer war die Seele der Mannschaft. Er musste neben seinen defensiven Aufgaben als offensiver Spielmacher in Erscheinung treten können." Dieses Vor- und Zurücklaufen verlangte schon damals eine gute Kondition, obwohl die spielerischen Qualitäten überwiegten.

"Urbel" Krauß, der am 25. Mai 1903 in Fürth geboren wurde, kam bereits mit 13 Jahren in die erste Jugendmannschaft der SpVgg, mit der er in ununterbrochener Folge drei Jugendmeisterschaften errang. Nachdem er ein Jahr in der ersten Mannschaft der SpVgg und zwei Jahre bei den Stuttgarter Kickers spielte, kehrte er 1924 zum Kleeblatt zurück, bei dem er sich nun einen Stammplatz sicherte.

1932 schloss er sich dann dem 1. FC Nürnberg an, wo er Nationalspieler Hans Kalb als Mittelläufer ablöste. 18 Monate später heiratete er seine Frau Paula, die ihm zwei Töchter und einen Sohn schenkte.

Seine größten Erfolge, die er mit der SpVgg Fürth errang, waren zwei Deutsche Meistertitel. "Urbel" Krauß erinnerte sich gerne an den 4:1-Sieg gegen Hertha BSC 1926 im Frankfurter Waldstadion und an den 3:2-Erfolg von 1929 wiederum gegen die Berliner Hertha, wofür die SpVgg Fürth als beste deutsche Mannschaft mit der Meisterehre ausgezeichnet wurde. Daneben war er Mitglied jener Kleeblatt-Teams, die 1925, 1926 und 1927 Süddeutscher Pokalsieger wurden. Während seiner aktiven Zeit spielte er siebzehnmal in der Mannschaft Süddeutschlands und wirkte bei zahlreichen Städtespielen der Nürnberg/Fürther Elf mit.

Auch nach dem Krieg kehrte "Urbel" Krauß zur SpVgg zurück. Nun jedoch nicht mehr als Spieler, sondern als Trainer. 1939 stieg er als Trainer mit dem FSV Nürnberg in die Gauliga auf. Zusammen mit Heinrich Auer, der ebenfalls in der Meistermannschaft von 1929 stand, baute er jene überragende Mannschaft auf, die 1950 süddeutscher Meister wurde. Später trainierte er noch Bayern Kitzingen, VfL Ingolstadt, VfB Eichstätt, Jahn Regensburg und FC Lichtenfels.

Seine Treue zur SpVgg Fürth stellte das Ehrenmitglied oft unter Beweis: Die Heimspiele der Kleeblattelf besuchte er regelmäßig. Nachdenklich meinte er einmal zur Situation des Vereins: "Mein Wunsch ist es, dass das Kapital, das sich frühere Mannschaften aufgebaut haben, nicht verspielt wird." Für die SpVgg Fürth, die einmal ein besonderes Gütezeichen im nationalen wie internationalen Fußball war, bedeutet dies, das übernommene Erbe gut zu verwalten.

Dem Fußball gehörte bis zuletzt sein Hauptinteresse. In der Sonntagsfrühstunde diskutierte er häufig mit seinen Freunden aus vergangenen großen Tagen, wie Heinrich Auer, Paul Röschke, Emil Full und Ludwig Appis über die Probleme des heimischen Fußballs. Hans "Urbel" Krauß war eine der größten Spielerpersönlichkeiten, die jemals das Kleeblatt-Trikot der SpVgg Fürth trugen.



Aus der Fürther Nachrichten vom 11. Februar 2002

Fürther Christoph Krauß wurde mit der Uni Erlangen deutscher Hochschulmeister im Fußball
In den Fußstapfen seiner zwei Großonkel - Vorfahren waren 1926 und 1929 Meister mit der SpVgg Fürth – Spielertrainer paukt fürs Examen

Die Kleeblattstadt hat wieder einen deutschen Fußballmeister! Der Fürther Christoph Krauß holte im vergangenen Jahr für die Universität Erlangen-Nürnberg die deutsche Meisterschaft im Hochschulfußball. Und das als Spielertrainer.

„Da ist schon ein Traum in Erfüllung gegangen“, schwärmt der 27-Jährige. Damit trat er ein klein wenig in die Fußstapfen von zwei berühmten Verwandten. Seine Großonkel Konrad Krauß und der beinharte Verteidiger Hans „Urbel“ Krauß wurden schon 1926 und 1929 mit der SpVgg Fürth Deutscher Meister.

Das Fußball-ABC hat Christoph Krauß in der Jugend der SG Quelle Fürth gelernt. Weitere Stationen waren der MTV Fürth und der TSV Wachendorf. Seit vier Jahren kickt er für die DJK Schwabach in der Bezirksoberliga. Die Uni-Mannschaft betreut er seit fünf Jahren.

„In dieser Zeit ist ein Team zusammengewachsen, das sich auch außerhalb des Platzes versteht, wie man es sich nur wünschen kann. Das war unser großer Trumpf“, ist Krauß von seiner Mannschaft begeistert. Unter seinen Fittichen hatte er Spieler wie Sven Löhner, der für die SpVgg-Amateure seine Fußballstiefel schnürt, sowie Tobias Fuchs vom Bayernligisten FC Sand, der auch schon das Tor der SG Quelle und der SpVgg Greuther Fürth gehütet hat.

Mit mannschaftlicher Geschlossenheit holte das Team um Trainer Krauß zunächst die bayerische Meisterschaft, triumphierte in der Zwischenrunde und stürmte ins Bundesfinale der Hochschulen. Dort wurde in der ersten Begegnung gegen die Berliner Humboldt-Universität ein schon verloren geglaubtes Spiel noch mit 5:2 Toren gewonnen. Im entscheidenden Match kam es zur Neuauflage des bayerischen Finales gegen die Uni Würzburg. Die Erlanger dominierten und gewannen sicher 2:0.

Krönender Abschluss eines erfolgreichen Jahres war der internationale Vergleich mit der University of Bath, dem englischen Universitätsmeister. Den gegenseitigen Besuch mit Freundschaftsspiel hat Krauß mit finanzieller Unterstützung der Uni Erlangen weitgehend alleine organisiert.

Als die Engländer in Deutschland gastierten, behielt man noch knapp 2:1 die Oberhand. Beim Rückspiel in Bath setzte es allerdings eine empfindliche 0:6-Schlappe. „Kein Beinbruch“, findet Krauß. „Wenn man den Stellenwert des Uni-Fußballs in England betrachtet, ist es schon erstaunlich, dass wir überhaupt das Hinspiel gewonnen haben.“ Der englische Widersacher nimmt als Team Bath am regulären Rundenbetrieb teil.

Stolz ist Krauß darauf, dass aus der von ihm organisierten internationalen Begegnung ein ständiger Austausch werden soll. So hat das Team Bath bereits angekündigt, einen Teil der Sommervorbereitung in Franken verbringen zu wollen.

Als Trainer der Uni-Mannschaft wird er das allerdings nicht mehr erleben. Seine volle Konzentration gilt jetzt dem im Frühjahr anstehenden Lehramtsexamen in Mathematik und Sport. Nach Ende der Referendarzeit kann er es sich allerdings gut vorstellen, in der Region im Amateurbereich als Trainer einzusteigen.

Reich ist der Student als Deutscher Hochschulmeister nicht geworden. „Wir sind bei einem Empfang vom Rektor der Universität geehrt worden und haben Krawatten bekommen“, schmunzelt Krauß. Womit sich zumindest der Kreis zu seinen berühmten Verwandten wieder schließt. Als die Gebrüder Krauß 1929 Deutsche Meister wurden, bekamen sie eine goldene Springdeckeluhr vom Verein – und Krawatten.

Spitzname Urbel
Saisonhistory
Saison Verein Liga Liga-
Spiele
Liga-
Tore
Pokal-
Spiele
Pokal-
Tore
Weitere
Spiele
Weitere
Tore
1920/1921  SpVgg Fürth Kreisliga Nordbayern 0 0 1 0 0 0
1921/1922  SpVgg Fürth Kreisliga Nordbayern 2 0 1 0 0 0
1922-1924  Stuttgarter Kickers Kreisliga Württemberg            
1924/1925  SpVgg Fürth Bezirksliga Bayern 9 1 3 0 0 0
1925/1926  SpVgg Fürth Bezirksliga Bayern 20 1 6 0 4 0
1926/1927  SpVgg Fürth Bezirksliga Bayern 28 0 3 0 3 0
1927/1928  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 22 1 2 0 0 0
1928/1929  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 23 0 0 0 4 0
1929/1930  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 28 0 0 0 0 0
1930/1931  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 26 0 0 0 2 0
1931/1932  SpVgg Fürth Bezirksliga Nordbayern 0 0 0 0 0 0
1932/1933  1. FC Nürnberg Bezirksliga Nordbayern            
1933/1934  1. FC Nürnberg Gauliga Bayern 2 0 0 0 0 0
1934/1935  SpVgg Fürth Gauliga Bayern 19 1 0 0 4 0
1935/1936  SpVgg Fürth Gauliga Bayern 5 2 1 0 0 0
1936/1937  SpVgg Fürth Gauliga Bayern 4 0 0 0 0 0


Aufschlüsselung "weitere Spiele":

1926: Deutsche Meisterschaft
1927: Deutsche Meisterschaft
1929: Deutsche Meisterschaft
1930: Deutsche Meisterschaft und Tournoi International in Genf
1931: Deutsche Meisterschaft
1935: Deutsche Meisterschaft
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